Archäologie:
Babylonische Tontafeln und biblische Persönlichkeiten
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Der österreichische Altorientalist und Assyriologe Prof. Michael Jursa ist bei der Entzifferung einer Tontafel im Britischen Museum in London auf den Namen eines babylonischen Beamten gestoßen, der auch im Alten Testament erwähnt wird. Es handelt sich um Nebuschasban (rev. Luther-Bibel) bzw. Nebo-Sarsekim, einen Hofbeamten Nebukadnezars.
Das Britische Museum hatte die Tontafel bereits im Jahr 1920 angekauft und diese in den Archiven gelagert. Diese Tontafel war gegen Ende des 19. Jahrhunderts in der antiken Stadt Sippar, südlich von Bagdad, entdeckt worden; sie war Teil eines Archivs, das im Sonnen-Tempel von Sippar ausgegraben worden war. Niemand hatte sich bis dato mit dieser Tontafel beschäftigt. Der Text erwähnt eine Schenkung an einen Tempel in Babylon aus dem Jahr 595 v. Chr.; der Spender ist Nebuschasban. Er war der oberste Kämmerer des Königs Nebukadnezar.
Dieses Lehmtäfelchen enthält den Namen eines babylonischen Beamten, Der Text der Tontafel lautet wie folgt: „[Bezüglich] 1.5 Minas (750 Gramm) Gold, aus dem Besitz von Nabu-sharrussu-ukin (akkadisch für Nebuschasban), dem Oberkämmerer, welches er durch Arad-Banitu, den Kämmerer, zum [Tempel] Esangila sandte: Arad-Banitu hat es in Esangila abgeliefert, in der Gegenwart von Bel-usat, dem Sohn des Alpaya, dem königlichen Leibwächter, [und in der Gegenwart von] Nadin, Sohn des Marduk-zer-ibni, im 11. Monat, am 18. Tag, im 10. Jahr des Nebukadnezar, König von Babylon.“ Nach Jeremia 39 befand sich Nebuschasban bei Nebukadnezar, als dieser die Stadt Jerusalem belagerte und schließlich 587/6 v. Chr. einnahm. Jeremia 39 berichtet: „(1) Und es geschah, dass Jerusalem erobert wurde. Denn im neunten Jahr Zedekias, des Königs von Juda, im zehnten Monat kam Nebukadnezar, der König von Babel, und sein ganzes Heer vor Jerusalem und belagerten es. Und im elften Jahr Zedekias, am neunten Tage des vierten Monats, brach man in die Stadt ein. (3) Und alle Obersten des Königs von Babel zogen hinein und hielten unter dem Mitteltor, nämlich Nergal-Sarezer, der Fürst von Sin-Magir, der Oberhofmeister, und Nebuschasban, der Oberkämmerer, und alle andern Obersten des Königs von Babel ... (8) Und die Chaldäer verbrannten das Haus des Königs und die Häuser der Bürger und rissen die Mauern Jerusalems nieder. (9) Was aber noch an Volk in der Stadt war, und wer sonst zu ihnen übergelaufen war, die führte Nebusaradan, der Oberste der Leibwache, alle miteinander gefangen nach Babel ... (11) Aber Nebukadnezar, der König von Babel, hatte Nebusaradan, dem Obersten der Leibwache, Befehl gegeben wegen Jeremia und gesagt: (12) Nimm ihn und lass ihn dir befohlen sein und tu ihm kein Leid, sondern wie er’s von dir begehrt, so mach’s mit ihm. (13) Da sandten hin Nebusaradan, der Oberste der Leibwache, und Nebuschasban, der Oberkämmerer, Nergal-Sarezer, der Oberhofmeister, und alle Obersten des Königs von Babel (14) und ließen Jeremia aus dem Wachthof holen und übergaben ihn Gedalja, dem Sohn Ahikams, des Sohnes Schafans, dass er ihn nach Hause gehen ließe. Und so blieb er unter dem Volk.“ Lawson Stone, Professor für Altes Testament am Asbury Theological Seminary in Wilmore, Kentucky, hebt hervor, dass der Posten von Nebuschasban in etwa dem eines heutigen Staatssekretärs gleichkommt. Daraus schließt er, dass das Buch Jeremia nicht – wie große Teile der Bibelkritik behaupten – von einem viel später lebenden anonymen Schreiber verfasst wurde, sondern tatsächlich von dem Jeremia, der zu der Zeit der Eroberung Jerusalems durch die Babylonier in Juda lebte. Warum sollte ein Autor, der viel später lebte und durch eine Legende eine legitime Basis für ein späteres jüdisches Regime legen will, Referenzen zu relativ unbedeutenden Beamten machen? Das spricht doch eher dafür, dass wir es hier mit einem Autor zu tun haben, der in dieser betreffenden Zeit lebte und mit diesen Persönlichkeiten zusammentraf. |
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