Predigtwerkstatt Nr. 33:
„Gott lässt mit sich reden – das Gebetsbild der Bergpredigt“

Ein Predigtvorschlag zur Gebetszeit:

Gerald Hummel

Einleitung:

Wer betet, braucht Klarheit über den Gott, zu dem er betet. Ist dieser Gott ein strenger, ein zorniger Gott? Ist er womöglich listig, wie ein Fuchs, bei dem ich ständig einen Hinterhalt vermuten muss?

Ist Gott vielleicht wie ein Kontrolleur, wie ein Polizist, gemäß dem Kinderlied „Pass auf, kleines Auge, was du siehst“?

Oder ist dieser Gott ein freundlicher, ein gütiger Gott, der uns viel mehr geben möchte, als wir zu bitten imstande sind?

1. Wie es die Leute verstanden ...

Jesus war bei einem Volk, das eine Vorliebe für das Gebet hatte. Ein Rabbi: „Gott ist seinen Geschöpfen näher als des Menschen Ohr dem Mund.“

Gott hört uns auch, wenn viele gleichzeitig, in welcher Sprache auch immer, mit ihm sprechen. Es wird ihm nie zu viel, wenn Menschen sich mit Bitten und Problemen an ihn wenden.

Jesus erläutert, damit wir verstehen. Er spricht über das Verhältnis eines Vaters zu seinem Sohn. Ein Rabbi fragte: „Hat je ein Vater seinen Sohn gehasst?“ Jesus: „Nein, ein Vater verschließt sich normalerweise den Bitten seines Sohnes nicht.“ Dann fügt er Beispiele an.

2. Wie ein Vater versteht ...

2.1. Ein Sohn bittet um Brot (Mt 7, 9) – wird ein liebender Vater ihm dafür einen Stein reichen?
An der Küste des Toten Meeres liegen kleine, runde Kalksteine. In Form und Farbe gleichen sie den kleinen, runden Broten, wie sie die Juden backen.
Kein liebender Vater (auch keine liebende Mutter) wird dem Sohn Steine statt Brot reichen, ihn damit zum Narren halten.

2.2. Ein Sohn bittet um einen Fisch (Mt 7, 10) – wird ein liebender Vater ihm dafür eine Schlange reichen? (Brot und Fisch – die Nahrung für die Ärmsten in Israel)
Wahrscheinlich handelt es sich bei dieser „Schlange“ um einen Aal. Juden aßen gemäß ihren Speisegeboten keinen Aal. Sie ekelten sich vor Aalen.
Ein guter Vater entspricht der Bitte seines Sohnes nicht so, dass dieser sich vor der Gabe ekelt.

2.3. Ein Sohn bittet um ein Ei (Lk 11, 12) – wird ein liebender Vater ihm dafür einen Skorpion reichen? Skorpione sind klein und gefährlich. Mit den Zangen umklammern sie ihre Opfer. Mit ihrem Stachel versetzen Skorpione ihren Opfern einen schmerzhaften Hieb. Es gab eine Skorpionsart, die in Form, Farbe und Größe einem Ei gleicht.Ein liebender Vater wird seinen Sohn nicht täuschen, ihn nicht in Gefahr bringen.Zum Narren halten, verekeln, täuschen – das tun liebevolle Eltern nicht mit ihrem Kind.

3. Wie Gott seine Kinder versteht ...

3.1. Eine alte Geschichte

Gott ist besser als ein guter Vater. Er weist meine Gebete niemals zurück. Er täuscht mich nicht, irritiert mich nicht, setzt mich keinen Gefahren aus. Hinterlistig ist er auch nicht.
Die Griechen erzählten sich Göttergeschichten, in denen Götter die Gebete der Menschen zwar erhörten, jedoch mit Hinterlist.
Eine Sage berichtet, dass sich die Göttin Aurora in Tithonos verliebt. Der ist ein sterblicher Jüngling. So bittet Aurora den Göttervater, dass Tithonos Unsterblichkeit erreichen möge. Sie vergaß zu bitten, dass er nicht altern sollte, dass er immer so schön und jung aussehen möge wie jetzt. So kam es, dass Tithonos alt und älter wurde, steinalt, uralt – und er konnte nicht sterben. Die göttliche Gabe war eine hinterhältige. Sie erwies sich als Fluch.
So ist der Gott, von dem Jesus spricht, nicht. Er erhört unsere Gebete mit seiner Weisheit, zum Besten des Menschen.

3.2. Gottes weiter Horizont

Gottes Horizont ist nicht beschränkt. Meiner schon. Bin ich krank, bete ich um Gesundheit. Verliere ich die Arbeit, bete ich um eine neue. Da frage ich nicht, was gut ist für mich. Das meine ich zu wissen. Jesus erinnert (Mt 7, 11): Ihr seid böse und könnt dennoch euren Kindern gute Gaben geben. Wieso böse? Wir gehören zu einer vergänglichen Welt, sind es selbst. Unser Gesichtskreis ist eingeschränkt, manchmal sehen wir nur uns selbst. Wir sind Teil einer bösen, sündigen Welt.

Gott ist anders. Er gehört in eine andere Welt. Seine transzendente Welt ist meiner erdgebundenen, immanenten so weit überlegen.

Wenn wir schon gute Gaben geben können – um wie viel mehr wird der himmlische Vater seinen Kindern Gutes geben, wenn sie ihn bitten.

3.3. Sein uneingeschränktes Angebot

Bittet, sucht, klopft an! Drei präsentische Imperative. Im Grundtext mit der Bedeutung: Tut das immer wieder, hört niemals auf damit. Das darf immer wieder stattfinden. Niemals bin ich am Ende mit Bitten, Suchen, Anklopfen.

Werdet nicht müde im Gebet. Paulus: „Betet ohne Unterlass, haltet an am Gebet.“Vielleicht braucht es Geduld (– wir beteten 30 Jahre um den Glauben an Gott für unsere Schwester, im September 2007 war ihre Taufe!).

Fazit:

Gott gibt gerne auf seine weise Weise. Er überblickt am Anfang schon die Mitte und das Ende. Gott lässt mit sich reden.

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