Sprühende Begeisterung für das Musizieren
Orchester der Theologischen Hochschule Friedensau feiert sein 50-jähriges Jubiläum in Oederan
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So gut spielt manches professionelle Ensemble nicht, denn was das Orchester der Theologischen Hochschule Friedensau in der Oederaner Stadtkirche bot, war schlichtweg Klasse. Da war kaum zu denken, dass es sich um ein Laienorchester handelt, nur ganz wenige Berufsmusiker spielen mit, die sprühende Beigeisterung am Musizieren übertrug sich in der gut besetzten Kirche vom ersten Ton an auch auf die Zuhörer.
Das Orchester existiert seit 50 Jahren, dieses Konzert war demnach zugleich eine Jubiläumsfeier. Eine Woche lang hatten sich die Musikerinnen und Musiker im „Waldpark“ Hohenfichte auf das Konzert vorbereitet. Diese Orchesterwerkstatt ist eine Tradition von Anfang an, nennt sich „Streicherwoche“; aus dem anfänglichen Kammerorchester ist ein vollbesetztes klassisches Sinfonieorchester geworden, das sich höchsten Ansprüchen stellen kann. Der Gründer des Ensembles, Wolfgang Kabus, seit dem Jahr 2000 im Ruhestand, ließ es sich nicht nehmen, bei diesem Jubiläumskonzert noch einmal ans Dirigentenpult zu treten. Er kennt nun schon eine dritte Musikergeneration in diesem Orchester und redet im Namen aller, wenn er vom „Erlebnis Streicherwoche“ in Hohenfichte spricht: „Musik machen ist eine ernste Sache, aber auch ein wahres Vergnügen. Mehr noch: Musik fordert permanent, ehe sie gibt. Dann aber ist sie von bleibender Treue und wird zum Schutzengel lebenslang.“ Der Schutzengel stand unsichtbar hinter ihm am Pult, denn das Konzert war nahezu perfekt. Mit Georges Bizets L’Arlésienne-Suite Nr. 1 zündete gleich der erste Funke, das ist ein wohlklingendes Werk, aber auch sehr kunstvoll virtuos, das Orchester war sofort im Element. Dass für dieses Jubiläum solche Werke ausgewählt wurden, die die ganze Klangmöglichkeit des Ensembles nahezu ausschöpften – von Bizet bis zu Schuberts Unvollendeter Sinfonie h-Moll –, war dankenswert bis hin zu den solistischen und Gruppendarbietungen. Denn zwischendurch spielten die Blechbläser glanzvolle Sätze von der Orgelempore herab und dann auch widmete sich das Orchester dem sehr feinnervigen differenzierten Spiel mit Mozart. Und das war nun höchster geistiger Anspruch, auch für die Solistin Antje Liebmann aus Weimar und – natürlich für die Zuhörer. Denn Mozarts Klavierkonzert c-Moll KV 491 ist schier unerschöpflich und es ist tragisch, sogar unheilvoll, eine wahrlich „ernste Sache“. Bei dem Konzert stand als Dirigent Jürgen Hartmann der Solistin zur Seite, und hier war nun auch musikalische Perfektion in diesem Sinne nicht gefragt, sondern eher emotionale Tiefe, durchaus Ergriffenheit. Und die teilte sich mit. Das Konzertieren ist ja nur eine Seite der ganzen Sache. Das Orchester wird getragen von der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten und kommt jährlich zusammen im Sinne des Glaubens, musiziert wird im Geist einer Glaubensbotschaft. Die Kirche in Oederan ist immer ein guter Ort für das Orchester. Das Konzert wurde in der Freiberger Tagungs- und Konzerthalle Nikolai wiederholt. Der Artikel erschien am 6. August 2007 in „Freie Presse“ (Flöha).
„Es muss uns immer bewusst sein, dass Musik einen unaufgebbaren Platz im Leben einer Kirche hat. Musik ist mehr als eine Randerscheinung, sie ist Gottesdienst, sie ist Ausdruck von Lebensqualität und muss daher zum Zentrum von Glaube und Leben gehören. Dazu ist eine Theologie der Musik nötig. Eine Gemeinde, die sich zum Wort bekennt, muss sich dringend rufen lassen, Werte und Worte in der Musik und durch sie zu vernehmen.“ Hartwig Lüpke in einer Festansprache zum Orchesterjubiläum |
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