Eine Ära geht zu Ende: Prof. Dr. Udo Worschech emeritiert
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Mit der Verabschiedung von Prof. Dr. Udo Worschech geht ein Wissenschaftler in den Ruhestand, der mit seiner archäologischen Forschungsarbeit ganz wesentlich zum Profil der Theologischen Hochschule beigetragen hat. Auf ihn geht auch die Gründung des Instituts für Biblische Archäologie zurück. Es wurde 1990 in Darmstadt (Theologisches Seminar Marienhöhe) gegründet und ist seit 1992 an der Theologischen Hochschule angesiedelt. Seitdem hat Udo Worschech in Friedensau Altes Testament und Biblische Archäologie gelehrt, ab 1995 als Professor. 1996 wurde er Rektor der Theologischen Hochschule.
Der Institutsgründung im Jahr 1990 gingen seit 1983 intensive archäologische Forschungen unter der Leitung von Udo Worschech voraus. Durch Publikationen und Vorträge sowie Ausstellungen hat das Institut auf seinem speziellen Forschungsgebiet der zentralen Moabitis in den vergangenen Jahren internationale Beachtung gefunden. Der Schwerpunkt von Udo Worschechs wissenschaftlicher Arbeit lag auf dem Gebiet der historischen Landeskunde Palästinas und der biblischen Archäologie. Hier steht mit Jordanien und speziell mit der zentralen Moabitis eine archäologisch lange zu Unrecht vernachlässigte Gegend im Mittelpunkt seiner Forschungen. Seit 1983 unternahm er Oberflächenerforschungen der westlichen Abhänge zum Toten Meer; seit 1986 grub er an der bedeutenden eisenzeitlichen Siedlung von Balua am nördlichen Rand der zentralen Moabitis. Mit den von Udo Worschech geleiteten Oberflächenerkundungen und Ausgrabungen hat er wichtige Pionierarbeit bei der Erschließung der Geschichte und Kultur dieser Region, die bis dato nur wenig bekannt war, geleistet. Über die Ergebnisse, die zahlreiche bedeutende neue Einsichten in die Siedlungsgeschichte und -struktur der antiken Moabitis erbrachten, hat Udo Worschech neben kleinen Vorberichten in den einschlägigen internationalen Fachzeitschriften mehrere umfangreiche Aufsätze und Monographien vorgelegt. Hier sei besonders auf die Monographie „Die Beziehungen Moabs zu Israel und Ägypten in der Eisenzeit“, die in der Reihe „Ägypten und Altes Testament“ erschienen ist, verwiesen. In diesem Zusammenhang sind die ikonographischen und religionsgeschichtlichen Studien zum Gott Kemosh und zur moabitischen Religion hervorzuheben. Udo Worschech hat sich nicht nur dem Fachpublikum verpflichtet gefühlt. In vielen populärwissenschaftlichen Beiträgen hat er sich an einen breiteren Leser- und Interessiertenkreis gewandt. An diesen wendet sich auch sein Buch „Das Land jenseits des Jordan – Biblische Archäologie in Jordanien“. Es weist Udo Worschech als einen guten Kenner des Landes östlich des Jordans und des Toten Meeres sowie seiner archäologischen und historischen Gegebenheiten aus. Die Wertschätzung seiner wissenschaftlichen Arbeit drückt sich u.a. durch die Festschrift aus, die ihm zu Ehren anlässlich seines 60. Geburtstages von Fachkollegen erstellt wurde. Bei einem archäologischen Symposium zu Ehren des scheidenden Rektors am 28. Oktober 2007 hielt Prof. Dr. Wolfgang Zwickel von der Universität Mainz den Hauptvortrag zum Thema „Die Geschichte der Biblischen Archäologie im Ostjordanland“. Dabei unterstrich er die Bedeutung von Udo Worschechs wissenschaftlicher Arbeit im Kontext der Erforschung der Geschichte und Kultur des biblischen Landes östlich des Jordans und speziell der antiken Moabitis. Prof. Zwickel zeigte sich beeindruckt von seinem Besuch in Friedensau und nahm neben einer „Chronik Friedensau“ und der neuesten Publikation von Udo Worschech („Alois Musil in der Ard al-Kerak“) viele gute Eindrücke mit zurück nach Mainz. Das Institut für Altes Testament und Biblische Archäologie der Theologischen Hochschule Friedensau wird seit der Emeritierung von Udo Worschech von seinem Nachfolger Friedbert Ninow geleitet. Aus dem Grußwort von Ulrich Frikart, Vorsitzender des Kuratoriums der Theologischen Hochschule Friedensau, anlässlich der Übergabe des Rektorenamtes am 29.10.2007Die Emeritierung von Professor Worschech gibt mir die Gelegenheit, ihm meinen herzlichsten Dank und meine Anerkennung für seinen vorbildlichen Dienst als Rektor der Theologischen Hochschule Friedensau auszudrücken. Das gestrige archäologische Forum stellte eine angemessene Würdigung seiner akademischen und wissenschaftlichen Verdienste dar. Zusätzlich zu der international anerkannten Forschungstätigkeit ist es Professor Worschech auch gelungen, die internationale Ausrichtung und Reputation der Theologischen Hochschule zu fördern. Auch seine Zusammenarbeit mit dem Hochschulträger und dem Kuratorium war optimal. Von ganzem Herzen schließe ich auch seine Frau in unsere Würdigung ein. Gemäß der Hochschulordnung hat der Senat beraten und dem Kuratorium Professor Gerhardt als Nachfolger von Professor Worschech vorgeschlagen. Das Kuratorium als höchstes Entscheidungsgremium der Theologischen Hochschule Friedensau hat diesem Vorschlag zugestimmt und Professor Gerhardt einstimmig zum Rektor gewählt. Als höchster Repräsentant der Hochschule ist er für die Kooperation mit dem Kultusministerium, welchem ich an dieser Stelle für die gute Zusammenarbeit herzlich danke, sowie für die Qualität von Forschung und Lehre verantwortlich. Ich möchte ihm die Unterstützung des Kuratoriums zusagen. Für unsere Freikirche ist es seit mehr als einem Jahrhundert ein großes Anliegen, Universitäten und Hochschulen zu gründen und zu fördern. Wir wollen Forschung und Lehre nicht zementieren, sondern ihnen die notwendigen Freiräume ermöglichen und sie schließlich den Gemeinden und der Gesellschaft relevant vermitteln. Diese wichtige Aufgabe der Theologischen Hochschule zu koordinieren und zu fördern, ist heute dem neuen Rektor übertragen worden. Möge Gott ihm täglich beistehen. |
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