Stichwort: iPhone
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s ist kurz vor Mitternacht. Menschen stehen Schlange und zählen die Minuten, bis es endlich 24 Uhr ist. Nein, es geht nicht um die Fans, die vor einigen Monaten ebenfalls in langen Reihen vor den Geschäften warteten, um den letzten Harry-Potter-Band in der Nacht in Empfang zu nehmen. Es geht um die Nachtschwärmer, die um Punkt 00.00 Uhr vor Ort sein wollten, um das lange angekündigte iPhone in Empfang zu nehmen. Das iPhone ist die neueste Produktion der Firma Apple, die schon mit iPod, iTunes oder iMac horrende Erfolge gemacht hat. Es geht um ein Handy, nichts Besonderes und technisch noch nicht einmal mit allen sonst üblichen Raffinessen ausgestattet. Und trotzdem heiß begehrt vom Publikum. Worauf gründet sich dieser Run auf das iPhone, dass sonst so kühl rechnende Manager und Geschäftsleute sich nachts die Beine in den Bauch stehen?
Die „Wirtschaftswoche“ beschreibt dieses Phänomen in einem Artikel mit der Überschrift „Gottesdienst am Kunden“1. Sie zitiert den Trendforscher Matthias Horx mit den Worten: „Das iPhone ist ein Beispiel für den Siegeszug spiritueller Technologie und den Abschied vom technischen Maximierungsgedanken.“ Also: Technik ist nicht mehr alles; Spiritualität in der Technik, darum geht es. Wer hätte das gedacht, dass ein Handy etwas mit geistlichen Bedürfnissen zu tun hat? „,Das neue Handy ist durch und durch aus Sicht des Benutzers konstruiert’“, so Horx weiter, „,Der Nutzer hat das Gefühl: Da hat jemand an uns gedacht.’ Dies entspreche einem ur-religiösen Motiv; Technik werde zum ,Gottesdienst am Kunden’ zur spirituellen Verheißung.“ Und mehr noch: Die „Wirtschaftswoche“ vermutet, dass ein Grund für die Faszination der Produkte von Apple „die Aura des Unangepassten, die Nonkonformistischen des widerständigen Davids im Zwist mit den Goliaths der digitalen Welt“ sei. So ist es nicht verwunderlich, dass einer der Spitznamen für den Unternehmenschef Steve Jobs „iGod“ lautet.Ich glaube nicht, dass Geschäftsleute sich durch ein profanes Handy wie das iPhone Erlösung im religiösen Sinne erhoffen. Aber es zeigt, dass der Mensch „hoffnungslos religiös“ ist und dass er nach transzendenten und spirituellen Erfahrungen sucht. Allerdings, schon die „Wirtschaftswoche“ vermutet, dass es mit dem ganze Gehabe der Firma Apple nur darum ginge, die Umsätze kräftig zu steigern. Auf der Titelseite kündigt sie den Artikel deshalb bereits mit den Worten an: „iMagie – So verführt uns Apple“. Diese Verführung ist gegenwärtig. Überall in der Werbung und in den Kaufhäusern versprechen die Produkte immer mehr als nur simple Funktionalität. Was Menschen scheinbar in den Kirchen nicht finden, suchen sie durch den Kauf von Produkten zu befriedigen. Das führt letztlich zur Anbetung des eigenhändig Hergestellten und selbst Geschaffenen. Das ist nichts Neues, schon im Alten Testament hat der Prophet gegen selbst gemachte Götter polemisiert: „Da schütten die Menschen ihr Gold und Silber aus dem Beutel und wiegen es ab. Anschließend bringen sie es zu einem Goldschmied und lassen daraus eine Götterfigur herstellen. Kaum ist sie fertig, werfen sie sich zu Boden und beten sie an“ (Jes 46,6, Hoffnung für alle). Die Faszination des selbst Kreierten ist so groß wie eh und je. Wie damals die Goldschmiede sind es heute die Ingenieure, Entwickler und Techniker, die Dinge schaffen, die die Erfüllung tieferer Bedürfnisse versprechen. Die Sehnsucht nach Spiritualität ist enorm, der Markt hat das schon lange erkannt. Ob allerdings der Mensch mit dem Kauf eines iPhones dieses tiefe Verlangen stillen kann, ist fraglich, denn „wenn jemand in äußerster Not zu diesem Gott um Hilfe schreit, bekommt er keine Antwort. Sein Gott kann ihm nicht helfen.“ (Vers 7) 1„Gottesdienst am Kunden“, Wirtschaftswoche, Ausgabe 46, 12. November 2007, Seite 69ff. Alle weiteren Zitate beziehen sich auf diesen Artikel, soweit nichts anderes vermerkt ist. |
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