Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,


wer die Entwicklung unserer globalen Gesellschaft in den Medien verfolgt, der wird schnell feststellen, dass sich das Denken und Handeln vieler Menschen, sei es in Politik, Wirtschaft und auch im privaten Bereich, drastisch verändert. In allen Bereichen unseres Lebens ist die Tendenz zum Extremen spürbar stärker geworden, eine Entwicklung, die uns aufhorchen lassen sollte.

Sind es in der Wirtschaft die Industriebosse, die sich der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft entziehen und nur noch nach Gewinnmaximierung streben, so entdeckt man in der Politik immer häufiger, wie Macht und die Parteiinteressen vor die des Gemeinwohls gestellt werden. Dieser Trend zieht sich heute bis in unsere Familien hinein, wo Selbstverwirklichung und Egoismus die Lebensgemeinschaften zerstören.

Natürlich brauchen wir Menschen Räume, um uns zu verwirklichen und zu entfalten, aber die radikale Umsetzung von Eigeninteressen schadet uns und unseren Nächsten und damit auch dem Gemeinwohl. Solch eine Art zu leben, sich zu behaupten, seine eigenen Ideen und Erkenntnisse voranzutreiben, schürt die Gegensätze. Die Folge ist die Radikalisierung in der Auseinandersetzung und damit einhergehend der Verlust von Dialogfähigkeit – da wird schnell eine bestimmte Art, wie sich Menschen in der Kunst und der Musik ausdrücken, als Müll abgestempelt. Da werden Andersdenkende an den Pranger gestellt, da wird Menschen vorgeschrieben, was sie lesen dürfen und zu denken haben, und dann ... werden Bücher verbrannt. Ist uns bewusst, was Freiheit wirklich bedeutet?

Wo Menschen wirklich frei sind, ihnen die Freiheit zur Entscheidung zugestanden wird, der Dialog kultiviert wird, kann auch Gottes Geist frei wirken. Da gibt es keine Angst vor dem Fremden, dem Andersartigen oder Andersdenkenden – da kehrt Wohlwollen und Annahme ein.

„Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an IHN in allen deinen Wegen, so wird ER dich recht führen“ (Spr 3,5–6).

Dies wünsche ich all unseren Lesern

Martin Glaser

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