Glaube und Marktwirtschaft
Stichwort: Rendite
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Im Januar schockte der Handyhersteller Nokia mit der Entscheidung, sein Werk in Bochum zu schließen und nach Rumänien zu verlagern. Der Bochumer Betrieb schreibt schwarze Zahlen, die Gewinne von Nokia sind horrend. Das verstehen die Menschen nicht. Die erzielte Rendite reicht scheinbar nicht aus, „um im Wettbewerb zu bestehen“, ließ der Vorstand verlauten.
„Rendite“ ist das Zauberwort der kapitalistischen Marktwirtschaft. Im Brockhaus heißt es lapidar: „Rendite – Ertrag einer Kapitalanlage, ausgedrückt in Prozent des eingesetzten Kapitals.“ Es handelt sich um die Verzinsung, die wir bekommen, wenn wir unser Geld einem anderen vorübergehend zu Verfügung stellen. Rendite zu erzielen ist in unserem Wirtschaftssystem notwendig. Neben dem angemessenen Unternehmergewinn soll das erwirtschaftete Kapital reinvestiert werden in die Erneuerung der Anlagen, in Forschung und Entwicklung besserer Produkte. Aber die Rendite hat sich verselbstständigt. Den Anlegern geht es um die Vermehrung des Vermögens, sie geben ihr Geld dorthin, wo sie die beste Verzinsung erwarten. Die Realwirtschaft kann hier nicht mithalten. Das Geld fließt deshalb in die Finanzmärkte, in denen durch Spekulation die Aussicht auf hohe Gewinne angepriesen wird. Ziel und Kern des Kapitalismus ist die Akkumulation von Kapital. Hohe Profitraten müssen erwirtschaftet werden ohne Rücksicht auf Mensch und Natur. Kapital und Arbeit stehen in Konkurrenz. Wenn die Arbeit zurückgedrängt wird, Menschen entlassen werden, steigt die Rendite. Kurz nach der Ankündigung von BMW im Dezember, mehrere Tausend Stellen zu streichen, stiegen die Aktienkurse. Einige Analysten sprachen von einer „Erfolgsprämie“ für eine gute Geschäftspolitik – wie makaber. So geschieht eine Umverteilung des Kapitals, weg von den arbeitenden Menschen hin zu den Vermögenden, die Schere zwischen Arm und Reich wird größer. Zinsen zu nehmen war in der Philosophie- und Kirchengeschichte verpönt. Bereits Aristoteles fand das unethisch. Durch Zins entstünde Geld durch Geld und das sei verwerflich und gegen die Natur.1 Luther lehnte das Zinsnehmen, welches er als „Wucher“ bezeichnete, in den meisten Fällen ab.2 „Zins ist die Ausbeutung fremder Arbeit“ heißt es in der Evangelischen Wirtschaftsethik.3 In der Bibel kennen wir das Zinsverbot, zumindest gegenüber den Mitgeschwistern (Dtn 23,20.21), für den Propheten Hesekiel gehörte der Verzicht auf Zinsnehmen sogar zum gerechten Handeln vor Gott (Hes 18,5.8.17).4 Profit-, Geldgier und das Streben nach Gewinnmaximierung war zu allen Zeiten ein Kennzeichen menschlicher Habsucht. Deshalb sehnen sich einige nach einer Wirtschaft ohne Zinsen,5 in der nicht das Geld, sondern Arbeit, Leistung und der Mensch im Vordergrund stehen würden. Aus Sicht der christlich-biblischen Ethik können wir folgende Leitsätze zum Thema Rendite festhalten: (1) Der Mensch steht im Vordergrund göttlicher Fürsorge, dem, der in Not ist, soll geholfen werden: „Wenn dein Bruder verarmt und sich neben dir nicht halten kann, sollst du ihn ... unterstützen, damit er neben dir leben kann, und du sollst nicht Zinsen von ihm nehmen noch Auf-schlag ...“ (Lev 25,35.36). (2) Geld auszuleihen oder anzulegen soll von der Motivation geleitet sein, etwas Gutes zu tun. Nicht der eigene Gewinn soll im Vordergrund stehen: „Liebt eure Feinde! Erweist ihnen Gutes! Leiht ihnen Geld! Und macht euch keine Sorgen, weil sie es euch vielleicht nicht wiedergeben werden. Dann wird euer Lohn im Himmel groß sein“ (Lk 6,35, Neues Leben). (3) Und schließlich, Geld dient als Tauschmittel aber nicht dazu, sich ein Vermögen zu schaffen. Geld zu horten und reich zu werden ist nicht das Ziel des Gläubigen: „Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat“ (Lk 12,15). Wir leben in einer Welt, in der Rendite und Verzinsung selbstverständlich sind. Als Christen sind wir aber herausgefordert, diese Werte und unser Handeln im Alltag an den Maßstäben Gottes messen zu lassen. 1Frank Kolb: Das Zinsverbot in Antike und Christentum (unveröffentlichter Vortrag vom 13. Juli 2004, gehalten an der Universität Tü̈bingen). |
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