Friedensauer Schriftenreihe

Zwei Neuerscheinungen

Soeben erschienen:

Friedensauer Schriftenreihe, Reihe C: Musik – Kirche – Kultur, Band 10 Wolfgang Kabus (Hrsg.):

Vom Psalter zum Pop. Musik in Kultur und Leben

Frankfurt am Main: Verlag Peter Lang 2007. 151 Seiten, ISBN 978-3-631-57536-9, Euro 34,00.

Musik ist existenzieller Bestandteil unserer Kultur. Sie ist allgegenwärtig wie kaum ein anderes Medium. Vom Alltag über die Hochkultur bis hin zum Fußballstadion – überall sind musikalische Phänomene präsent. Was aber macht die Musik mit uns? Was machen wir mit ihr? Wozu brauchen wir sie? Welche Aufgaben übernimmt sie heute? Ist sie nur „ein Luxus, auf den wir nicht verzichten können“ (nach Brecht) – oder ist sie mehr?

Das Buch ist die Dokumentation einer Friedensauer Ringvorlesung (Leitung Miriam Heibel), die interdisziplinär strukturiert war. Zu Wort kommen Wissenschaftler verschiedener Universitäten und Fachrichtungen: aus Musikwissenschaft, Kulturwissenschaft, Religionspäd­agogik, Sozialpädagogik, Theologie und Musiktherapie. Abschließend werden die Ergebnisse einer Studie vorgestellt, in der untersucht wurde, wie sich aktives Musizieren auf die Identitäts- und Persönlichkeitsbildung junger Erwachsener auswirkt. Es geht insgesamt um drängende Fragen der Musikkultur in einem modern-postmodernen Zeitalter.

Aus dem Inhalt:

Hans Seidel: Vom Tempel zur Synagoge – Heilige Musik im Wandel der ZeitenHarald Schroeter-Wittke: Unerhörte Erhörungen – Präludien zu einer musikalischen Religionspädagogik

Peter Wicke: Soundtracks – Von der Macht der Musik in digitalen MedienweltenStefanie Rhein: „Was wir mit Kultur machen“ – Selbstsozialisation mit Musik und Medien am Beispiel der Teenie-Fankultur

Paul Riggenbach: Funktionen von Musik im Wandel – Jenseits von Wille und BewusstseinHorst Friedrich Rolly: Phänomenologie der akustischen Wahrnehmung

Elke Josties: „Kultur öffnet Welten“ – Das Streetbeat-Jugendmusikprojekt beim Karneval der Kulturen in Berlin

Petra Jürgens: Musik und Gesundheit – Das Medium als Mittel zum Zweck für Therapie, Krisenintervention und Prävention

Gottlobe Gebauer: Musik- und Lebensbiographie – Beobachtung eines Wechselspiels

Mutram Peters: Canto ergo sum – Aktives Musizieren und die Entwicklung der persönlichen Identität

 

Erscheint demnächst:

Friedensauer Schriftenreihe, Reihe A: Theologie, Band 10.

Roland Fischer:

Bildung im Gottesdienst. Die Bibelschule der Adventgemeinde

Frankfurt am Main u.a.: Verlag Peter Lang 2008. 272 Seiten, ISBN 978-3-631-57478–2, Euro 45,50.

REZENSION von Rolf J. Pöhler
Von Australien bis Zypern, von Accra bis Zagreb – fast überall auf der Welt (konkreter gesagt, an über 130.000 Orten) treffen sich Woche für Woche etwa 20 Millionen Menschen zur sogenannten „Bibelschule“, die vor dem regulären Gottesdienst stattfindet oder – wie beispielsweise in Deutschland – sogar als dessen integraler Bestandteil angesehen wird. Diese ursprünglich von der angloamerikanischen Sonntagsschulbewegung des 18. und 19. Jahrhunderts abgeleitete Einrichtung ist gewissermaßen zum Markenzeichen des adventistischen Gottesdienstes geworden.

Inhaltliche Grundlage des „Bibelschulgesprächs“ ist das „Studienheft zur Bibel“, das von der Kirchenleitung vierteljährlich herausgegeben und in mehrere hundert Sprachen übersetzt wird. Es ist die mit Abstand am weitesten verbreitete und am meisten gelesene Veröffentlichung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Während der kommunistischen Diktatur wurden diese Studienanleitungen mitunter heimlich ins Land ge­schmuggelt, mühsam übersetzt, abgeschrieben, abgetippt, vervielfältigt und verbreitet. Dafür haben Frauen und Männer ihre Freiheit, ja ihr Leben riskiert.

Was hat es eigentlich auf sich mit dieser singulären Bildungseinrichtung, die aus dem adventistischen Gottesdienst kaum wegzudenken ist? Worauf beruhen ihre sozialisierende Funktion, ihre päd­-agogische Wirkung, ihre zähe Langlebigkeit? Und auf welche theologischen bzw. pädagogischen Vorstellungen ist sie gegründet?

Es ist das Verdienst von Roland E. Fischer, diesen Fragen mit wissenschaftlicher Neugier und (selbst-)kritischem Blick nachgegangen zu sein. Dabei geht es ihm nicht um die Erhebung und Auswertung empirischer Daten oder die Entwicklung alternativer Praxismodelle, sondern um eine Antwort auf die konzeptionelle Frage: Wie ist die Bibelschule im Gottesdienst theologisch und pädagogisch zu verstehen?

Wie der Verfasser zeigt, ist die Bibelschule ein integraler Bestandteil adventistischer religiöser Bildungsarbeit, Ausdruck eines ganzheitlichen Bildungsverständnisses und seiner theologischen sowie pädagogischen Grundlagen. Nur so lassen sich Konzept, Entwicklung und Ziele dieser Einrichtung angemessen verstehen. Nur so findet und bewahrt sie auch ihren festen Platz im adventistischen Gottesdienst, soweit dieser als Ort interaktiven und selbstbestimmten Lernens verstanden wird. Für den Autor der vorliegenden Studie besitzt die Bibelschule Brückenfunktion zwischen religiöser Bildung und gottesdienstlichem Geschehen.

Fischers bildungstheoretische Untersuchung liefert Erkenntnisse und Ergebnisse, die innerhalb wie außerhalb seiner eigenen Freikirche Beachtung verdienen. Das Buch vermittelt ein reflektiertes Verständnis für die theologischen und liturgischen Aspekte des adventistischen Gottesdienstes im Allgemeinen sowie der Bibelschule – einer singulären, dialogisch-kommunikativen Gottesdienstform – im Besonderen.

Die Analyse der Bibelschule als einer Bildungsinstitution im Gottesdienst unter  Berücksichtigung liturgiewissenschaftlicher sowie lerntheoretischer Aspekte trägt darüber hinaus zur Verhältnisbestimmung von Bildung und Gottesdienst bei.

Fischer vertritt ein religiöses Bildungsverständnis, das nicht primär der Belehrung dient, sondern die Vermittlung von Wissen und Werten dem Ziel der Entwicklung reifer Persönlichkeiten unterordnet, die auf der Grundlage der Begegnung mit dem Wort Gottes selbstständig denken und eigenverantwortlich handeln. Für ihn ist die Bibelschule am treffendsten als ein Ort religiöser Erwachsenenbildung und als Ausdruck kommunikativen religiösen Geschehens zu verstehen.

Für alle, die in der Bibelschule als Gesprächsleiterinnen oder Gesprächsleiter tätig sind, bietet dieses Buch wertvolle Einsichten und Anregungen hinsichtlich der theologischen und pädagogischen Konzeption, didaktischen Ausrichtung und methodischen Durchführung des Bibelgesprächs. Auch ich selbst habe beim Lesen davon profitiert. Es bleibt zu wünschen, dass diese Studie zu einem besseren Verständnis und einer bewussteren Praxis des Gesprächsgottesdienstes führen wird.

Das Buch ist klar und übersichtlich gegliedert, sein Ertrag abschnittweise zusammengefasst, die Sprache flüssig und trotz der erforderlichen fachlichen Begrifflichkeit auch für Nichtakademiker gut verständlich. Ich wünsche dem Werk eine breite Leserschaft und dem ihm zugrunde liegenden Bildungskonzept die verdiente Aufmerksamkeit.

Nach vier Jahrzehnten aktiver Mitarbeit und konzeptioneller Mitgestaltung an der Institution Bibelschule – sowohl als Gesprächsleiter bzw. -teilnehmer im Gottesdienst, als Verantwortlicher und Gutachter im Arbeitskreis Bibelschule wie auch als Referent bei Schulungen für Gesprächsleiterinnen und -leiter – hat meine eigene Begeisterung für die Idee der Bibelschule keineswegs abgenommen, wenn auch im Laufe der Zeit eine gewisse Ernüchterung eingetreten ist.

Die Doktorarbeit meines Kollegen Roland E. Fischer bestärkt mich in der Hoffnung, ja Erwartung, dass der traditionsreichen Institution Bibelschule eine aussichtsreiche Zukunft bevorsteht, solange sie sich immer wieder neu auf das ihr innewohnende Potenzial besinnt und an den religiösen sowie bildungsmäßigen Bedürfnissen der Menschen orientiert. Dazu kann dieses Buch beitragen.

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