Soziale Arbeit – Berufsbilder und Perspektiven

von Silvia Hedenigg und Thomas Spiegler
Unsere Gesellschaft ist gegenwärtig von tief greifenden Veränderungen ge­prägt.  Neben ökologischen Herausforderungen, den Auswirkungen der Globalisierung auf nationale Volkswirtschaften und einer rasanten technologischen Entwicklung in allen Bereichen des Lebens bilden der demografische Wandel, veränderte Familienstrukturen und zunehmend neue und prekäre Berufsbiografien wesentliche Herausforderungen unserer Zeit. Bisher ungelöste Probleme des kulturellen und religiösen Miteinanders, ein sozial gerechter Bildungszugang und noch unabsehbare Aufgaben, die durch zunehmend älter werdende Gesellschaften für Medizin, Pflege und soziale Dienstleistungsbereiche entstehen, sind des Weiteren anzuführen. Die Lösung dieser Aufgaben fällt nur zum Teil in den Bereich der Politik. Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, problemorientierte Analysen, (Risiko-)Folgenabschätzung, philosophische und ethische Reflexion, präzise explorative und repräsentative Empirie u.v.a. sind die Grundvoraussetzungen, um innovative bedarfs- und bedürfnisgerechte Lösungsangebote zu entwickeln.

Im Unterschied zu ihren Bezugswissenschaften reduziert sich das Selbstverständnis der Sozialarbeitswissenschaften und der Sozialen Arbeit jedoch nicht ausschließlich auf den forschungsorientierten Auftrag der Gesellschaft. Die konkrete Entwicklung, Implementierung, kontinuierliche Evaluation und Optimierung adäquater Angebote zählen zu ihren zentralen Aufgabenfeldern.

Menschen dabei helfen, ihr Leben zu bewältigen

Fragt man Studierende der Sozialen Arbeit nach den Gründen für die Studienfachwahl, zählt die Aussage, dass sie etwas „mit Menschen machen“ möchten, nach wie vor zu den klassischen Antworten. Das Selbstverständnis dieses Berufszweiges wird als Kontrast konstruiert zu Naturwissenschaften, produzierenden Bereichen und Wirtschaft. Man möchte helfen, die Welt etwas verbessern und sich ein wenig dem Diktat einer Ökonomisierung des Lebens entgegenstellen.

Dies klingt wie ein Klischee, idealisierend und überspitzt – im Kern trifft es jedoch zu. Soziale Arbeit umfasst Bemühungen um individuelle Hilfen zur Lebensbewältigung und um gesellschaftliche Integration, verstanden als Dienst an der Allgemeinheit. Die Zielgruppe reicht von Kindern bis zu Senioren, das Spektrum der Arbeitgeber von großen öffentlichen Institutionen bis zu kleinen privaten Vereinen und die Tätigkeiten umfassen erzieherisches, helfendes, leitendes und auch verwaltendes Handeln.

Ein Berufsfeld mit wachsendem Potential

Soziale Arbeit ist ein Wachstumsbereich. Im Zeitraum von 1993 bis 2002 stieg die Zahl der Beschäftigten in den einschlägigen sozialen Berufen kontinuierlich um gut 40%. Das Berufsfeld ist geprägt durch einen fast doppelt so hohen Anteil von Frauen (im Vergleich zu den Erwerbstätigen insgesamt) und ein hohes Angebot an Teilzeitstellen. Eine Analyse aktueller Stellenanzeigen für Absolventen der Sozialen Arbeit verdeutlicht, dass die Fähigkeit zur Teamarbeit, Flexibilität und Engagement die meistgewünschten Eigenschaften darstellen. Bei den erwähnten erforderlichen Fachqualifikationen kommt der Kenntnis der rechtlichen Grundlagen für sozialarbeiterisches Handeln eine zentrale Rolle zu.

Mit der Umstellung des Studiums auf die internationalen Abschlüsse bietet der Bachelor in Sozialer Arbeit eine akademische, fachbezogene Ausbildung, die bereits nach sechs Studiensemestern den Einstieg in den Arbeitsmarkt ermöglicht. In welchem Umfang sich Studierende mit Bachelorabschluss für den Berufseinstieg entscheiden, kann erst dann beurteilt werden, wenn Daten mehrerer Absolventenjahrgänge vorliegen. Die ersten Erfahrungen deuten jedoch darauf hin, dass der Übergang in den Beruf gut gelingen kann.

Im Vergleich zur ersten akademischen Qualifikation des Bachelorstudiums liegen die Ausbildungsziele und Berufsfeldorientierungen für Studierende bzw. Absolventen des Masterstudiengangs „Social Work“ stärker in der aktiven Erforschung bestehender Problemfelder sozialer Arbeit, der konkreten ziel- und lösungsorientierten Mit- und Neugestaltung von Angebots- und Netzwerkstrukturen sowie in der Übernahme verantwortungs- und entscheidungstragender Positionen im Leitungsbereich bestehender Einrichtungen. Darüber hinaus qualifiziert der Masterstudiengang – insbesondere Studierende mit bereits vorhandener Berufserfahrung – für die Erar­-beitung und Gestaltung innovativer Konzepte zur Erweiterung etablierter Angebotsspektren durch eigenständige Projekte, Initiativen der Existenzgründung und Selbstständigkeit im Berufsfeld der Sozialen Arbeit.

Aufgrund der skizzierten Einschätzung erwartbarer sozioökonomischer Entwicklungen und Herausforderungen, die Fach-, Methoden-, Sozial- und Transferkompetenzen voraussetzen, liegen die Schwerpunkte des Studiengangs in der Ausbildung von „Führung, Leitung und Innovation“. Diese sind einerseits zielgruppenspezifisch (etwa Zielgruppen, die der gesellschaftlichen Exklusion  anheimfallen [könnten]), andererseits handlungs- und methodenorientiert konzipiert. Dabei charakterisieren insbesondere Betriebswirtschaftslehre, Organisationsentwicklung, Personalmanagement, Führung und Existenzgründung neben den entsprechenden Vertiefungen in Recht den Studiengang „Master of Arts Social Work“.  Konkret stellen sich die Berufsbilder eines solchen Studiengangs beispielsweise folgendermaßen dar:

  • Bereichs-, Projekt-, Teamleitung in lebensweltersetzenden, -unterstützenden oder -ergänzenden Angebots- und Versorgungsstrukturen der Sozialen Arbeit; insbesondere hinsichtlich der Organisations- und Personalentwicklung, fachlich-methodischer Profilbildung etc.  (Kinder- und Jugendhilfe, Soziale Hilfe, Sozial- und Gesundheitsdienstleistungen)
  • Entwicklung, Implementierung und Leitung innovativer Konzepte im mobilen, ambulanten oder teilstationären Bereich (z.B. Mehrgenerationenprojekte, Bildungsprojekte; Hospizprojekte etc.)
  • Öffentlichkeitsarbeit, Beratungstätigkeit/Coaching von Einrichtungen, politischen Entscheidungsträgern etc.

Profilpräzisierung: „Masterstudiengang Sozial- und Gesundheitsmanagement“

Aufgrund der angeführten sozioökonomischen Entwicklungen besteht innerhalb des Fachbereichs Christliches Sozialwesen breiter Konsens, den bestehenden Masterstudiengang „Social Work“ hinsichtlich seines bereits bestehenden managementorientierten Profils zu schärfen und bezüglich der Berufsfelder zu erweitern: Indem „Gesundheit“ als ein zentraler, adventistisch verankerter Gedanke in den Masterstudiengang aufgenommen wird, wird es gelingen, Absolventen sowohl im Sozial- als auch im Gesundheitsbereich als akademisch qualifizierte Experten einzusetzen, die bei der Lösung der Probleme unserer Zeit und unserer Gesellschaft eine aktive und gestalterische Rolle einnehmen können.

Sylvia Hedenigg, Dr. phil., Dr. rer.-medic.,
lehrt Gesundheitswissenschaften an der ThHF

Thomas Spiegler, Dipl.-Theol., Dr. phil.,
leitet den Studiengang B.A. Social Work an der ThHF

 

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