Nachrichten aus einem verlorenen Land

Axel Schroeder

Schon vor dem verheerenden Zyklon „Nargis“ gehörte Myanmar zu den ärmsten Ländern dieser Welt. Das durchschnittliche Einkommen liegt bei traurigen 30 Dollar, also gerade mal 20 Euro im Monat! Dabei war Burma oder Myanmar, wie die jetzigen Machthaber ihr (untergehendes) Reich nennen, nicht immer so arm. Alte prachtvolle Gebäude im Kolonialstil der Engländer zeugen noch heute vom einstigen Reichtum des Landes. Leider ist davon nicht mehr viel übrig geblieben. Kontinuierlich wurde das Land von der Militärjunta zugrundegerichtet. Die einstige „Kornkammer“ (eigentlich wird ja Reis angebaut) Asiens ist kaum noch fähig, sich selber zu ernähren. Die selbst ernannten „Generäle“ dagegen erfreuen sich ihres neuen Reichtums. Dabei fällt der Vergleich zu anderen Militärdiktaturen nicht schwer: Je aussichtsloser die Lage, desto mehr Auszeichnungen werden verliehen. Wenn man sich die Struktur der Armee näher anschaut, bemerkt man schnell, dass es fast mehr Generäle als gewöhnliche Soldaten gibt. Im vergangenen Jahr sorgte die Eheschließung der Tochter von Than Shwe, dem obersten General, für Furore. Der Vater schenkte dem jungen Eheglück 50.000.000 Dollar Mitgift.

Mit harter Hand haben die Generäle sich ein Vermögen angeschafft, die Macht auf Jahrzehnte gesichert und das Volk dabei völlig vergessen. Doch sie haben ganze Arbeit geleistet: Wer kennt schon Myanmar? Hand aufs Herz – haben Sie vor dem Wirbelsturm und den Aufständen der Mönche schon einmal von Myanmar gehört? Zu meiner Verwunderung hörte ich aus dem Munde eines Piloten die Frage, wo Myanmar denn liege. Wer glaubt, dass es den Menschen seit dem Wirbelsturm schlecht geht, der irrt sich gewaltig. Den Menschen dort erging es schon während der letzten 20 Jahre schlecht und niemand hat sich darum gekümmert. Sicherlich hat das Leid durch den Wirbelsturm einen neuen Höhepunkt erreicht, doch ist die jetzige Situation nur eine Folge der Missstände der letzten Jahrzehnte. 

Die Bemühungen, den Menschen in ihrem Leid helfen zu wollen, sind löblich. Es ist schön, wenn Menschen sich mit dem Leid anderer solidarisieren und helfen wollen. Doch reicht es, einem Menschen immer wieder die Wunden zu verbinden, aber jeden Tag zuzulassen, dass er erneut verwundet wird? Oder müssen nicht auch wir unser Verhalten und unsere Ansichten überdenken, die von Reichtum und Frieden beeinflusst sind? Glauben wir wirklich immer noch, dass durch gutes Zureden die Welt gerechter und friedlicher wird?

Im Falle von Myanmar sieht die Charta der Vereinten Nationen eine klare Vorgehensweise vor. Durch die Missachtung der Menschenwürde verliert die Regierung ihre Legitimation und befugt den Weltsicherheitsrat, zu militärischen Mitteln zu greifen.

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