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Markus Mühling

„Grundinformation Eschatologie“

Im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Eschatologie, die Lehre von den letzten Dingen, von einem Nebenschauplatz der Theologie zu einem stark pulsierenden Themengebiet voller Dynamik und kontroverser Diskussion. Im Jahr 1901 konnte Ernst Troeltsch noch sagen: „Das eschatologische Büro ist heutzutage meist geschlossen.“ Doch die Erfahrung zweier Weltkriege, eine Kriegsmaschinerie als Gesellschaftsform und die industriell organisierte Ausmerzung des jüdischen Volkes ließen ganz neu nach der christlichen Zukunftserwartung fragen. So kam Hans Urs von Balthasar 1957 zu dem Schluss, dass das eschatologische Büro zwischenzeitlich sogar „Überstunden“ mache.

Markus Mühling, Privatdozent für systematische Theologie an der Universität Heidelberg, bietet in seinem Buch „Grundinformation Eschatologie“ einen klar strukturierten Überblick über die Arbeitsergebnisse jener bildlichen „Überstunden“ des eschatologischen Nachdenkens. Mühling ist es dabei gelungen, die in den Problemfeldern hintergründig enthaltenen Fragen präzise herauszuarbeiten und die einzelnen Gedankenschritte mit Kernsätzen zusammenzufassen. Die „Grundinformation Eschatologie“ ist damit ein wertvolles Kompendium für Theologen und Interessierte, die einen vertieften Zu­gang zu dem Thema suchen.

Mühling verknüpft die christliche Zu­kunfts­erwartung eng mit dem dreieinigen We­sen Gottes. Christ­liche Hoffnung schöpft ihren Inhalt aus der Geschichte Gottes mit Israel (Gott, der Vater), der Geschichte Gottes in Jesus Christus (Gott, der Sohn) und der Geschichte Gottes mit der Kirche (Gott, der Heilige Geist). Aus der Offenbarung Gottes in der Geschichte der Welt ist das Wesen Gottes zu erkennen. Gottes Handeln lässt sich so beschreiben, „dass der Vater immer der Ursprung allen Handelns Gottes ist, der Sohn immer die Gegenwart und der Heilige Geist immer die Zukunft.“ (71) Die Zukunft, die der Heilige Geist schafft, ist durch nichts zu übertreffen. Weil diese Zukunft Bestand hat, kann Gottes Handeln als Vater und Sohn nicht zu einer abgeschlossenen Handlung in der Vergangenheit werden, die keine Bedeutung für Gegenwart und Zukunft hat.

Hinsichtlich der Wiederkunft Jesu unterscheidet Mühling zwischen einem (1) zeitlosen, einem (2) übergeschichtlichen, einem (3) geschichtlichen und einem (4) zyklischen Wiederkunftsverständnis.

Das (1) zeitlose Verständnis beinhaltet, dass Gott dem Menschen, der durch die Sünde von Gott und sich selbst entfremdet ist, Anteil am neuen Sein mit Gott schenkt. Damit ist kein zukünftiges Ereignis gemeint, sondern ein Grundgeschehen des Glaubens.

Dem (2) übergeschichtlichen Wiederkunftsverständnis liegt die Vorstellung zugrunde, dass die Ewigkeit nicht nach dem Ende der Geschichte beginnt, sondern über der Geschichte steht und jedem geschichtlichen Zeitpunkt gleich nahe ist. Wo die Geschichte eines Menschen endet, begegnet ihm Christus, der in die Ewigkeit überführt.

Das (3) geschichtliche Wiederkunftsverständnis beschreibt eine mehrfache Erscheinung Christi. Demnach beginnt die endzeitliche Wiederkunft bereits zu Ostern mit der Erscheinung des Auferstandenen vor seinen Jüngern. Die zweite Wiederkunft besteht darin, dass Christus durch den Heiligen Geist in der Kirche gegenwärtig ist. Die dritte Wiederkunft ist schließlich eine kollektive Erfahrung am Ende der Geschichte. Alle drei sind verschiedene Formen des gleichen Geschehens.

Im (4) zyklischen Modell wird davon ausgegangen, dass die Ewigkeit der Geschöpfe weder zeitlos ist, noch eine bloße Verlängerung der Zeit ins Unendliche. Vielmehr erfahren die Geschöpfe in der Ewigkeit eine kreisförmige Zeit. Indem Gott alles durchdringt und allgegenwärtig ist, geht die Schöpfung in diese kreisförmige Zeit ein.

Am Ende seines Buchs spürt Mühling den sprachlichen Bildern nach, die die Vollendung des Reiches Gottes beschreiben, und benennt die Musik als außerbiblisches Bild: „Das letzte Wort, das über Gottes dreieiniges Sein zu sagen ist, ist, dass er eine großartige Fuge ist … Wenn ich die Idee einer Gesellschaft bilden sollte, die im höchsten Maß glücklich ist, wäre dies eine Gesellschaft … in der zueinander gesungen wird … Das belebende Ziel des Lebens des Reiches Gottes ist perfekte Harmonie zwischen dem Gespräch der Erlösten und dem Gespräch, das Gott ist. In dem Gespräch, das Gott ist, sind Bedeutung und Melodie dasselbe. Das Ziel ist Musik.“ (315, Zitat R. Jenson)Markus Mühling: Grundinformation Eschatologie, Vandenhoeck & Ruprecht 2007 (UTB 2918), 352 Seiten, ISBN 978-3-825-22918-4, EUR 24,90

Dietmar Päschel

 

 

Am 25. April 2008 stellte Dr. Hans-Joachim Maaz in der Reihe der Buchlesungen der Hochschulbibliothek Friedensau sein Buch

„Die Liebesfalle – Spielregeln für eine neue Beziehungskultur“

vor.

Maaz, geb. 1943, studierte in Halle Medizin, leitete danach eine neurologisch-psychiatrische Abteilung in Beeskow und arbeitete anschließend als Chefarzt der Psychotherapeutischen Klinik im Evangelischen Diakoniewerk Halle. Hans-Joachim Maaz ist heute Facharzt für Neurologie und Psychiatrie sowie für Psychotherapeutische Medizin und Psychoanalyse. Er ist Vorsitzender der „Deutschen Gesellschaft für analytische Psychotherapie und Tiefenpsychologie“ und des „Mitteldeutschen Instituts für Psychoanalyse Halle e.V.“.

Der Wunsch, Menschen in ihrer Not und bei Unsicherheit in Beziehungsfragen zu unterstützen und Hilfe zu leisten, bewegte Maaz dazu, dieses Buch zu schreiben, in dem er zum Nachdenken und zur kritischen Auseinandersetzung mit sich selbst und den unterschiedlichen Lebensumständen anregt. Nicht selten weigern sich Menschen, einen Therapeuten aufzusuchen, selbst dann nicht, wenn ihnen durchaus bewusst ist, dass sie professionelle Hilfe benötigen. An dieser Stelle soll das Buch „Die Liebesfalle“ zum gewünschten Heilungsprozess verhelfen.

Ganz allgemein gesehen, geht es darin um die Paarbeziehung zwischen Mann und Frau, um Liebe, aber auch um tiefe Enttäuschungen, die aufgrund unerfüllt bleibender Erwartungen entstanden sind. Der Autor macht Mut zu einer neuen Beziehungskultur, die nur durch Reflexion der eigenen Befindlichkeit, des eigenen Fühlens und Handelns, durch unverstelltes Mitteilen, klare An- und Aussagen, Zuhören und stete Verhandlungsbereitschaft gelingen kann.

Ein weiteres Thema ist die Eltern-Kind-Beziehung, wo der Autor auf unterschiedliche Störungsformen der Mütterlichkeit und Väterlichkeit eingeht. Psychische Probleme im Erwachsenenalter lassen auf mögliche Defizite in der Kindheit schließen. Nicht selten legt der Umstand einer unglücklich verlaufenen Kindheit die Basis für eine verzerrte Wahrnehmung, die wiederum dazu führt, dass bestimmte Eigenschaften unbewusst auf den Partner übertragen werden und er so durch eine bestimmte „Brille“ gesehen wird. Um dem vorzubeugen, empfiehlt Maaz, sich an bestimmte „Spielregeln“ zu halten, die eine gelingende Partnerschaft wahrscheinlicher werden lassen.

Bei seiner Lesung in der Friedensauer Kapelle appellierte Hans-Joachim Maaz an die Eltern, „Kinder gut zu behandeln, ihre Bedürfnisse angemessen zu befriedigen und sie zu lehren, Begrenzungen emotional zu verarbeiten. Kindern Sicherheit und zugleich Freiheit zu gewähren,sind die wichtigsten Voraussetzungen, um frühe schwere Verletzungen und Defizite zu vermeiden. Der gute Umgang mit Kindern ist unsere wichtigste Investition in die Zukunft“.

Die Buchvorstellung wurde mit einer lebendigen, interessanten Diskussion abgeschlossen.

Margarita Grasser

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