Archäologie – König Hiskia und sein Tunnel
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von Friedbert Ninow Hiskia war 25 Jahre alt, als er im Jahr 715 v. Chr. den Thron von Juda von seinem Vater Ahas erbte (2 Kön 18,1.2). Während der Regierungszeit des Ahas war es zu einem religiösen Verfall gekommen, der vor allem der Abhängigkeit von den Assyrern geschuldet war. Ahas hatte sich politisch wie religiös dem mächtigen assyrischen Herrscher Tiglat-Pileser III. angenähert. Bei seiner Thronbesteigung begann Hiskia sofort eine geistliche Reform einzuleiten (vgl. 2 Kön 18,3-6). Der Chronist beschreibt, wie der König bereits im ersten Monat seiner Herrschaft den Tempel in Jerusalem wieder öffnete und gründliche Reinigungs- sowie Restaurationsarbeiten veranlasste (2 Chr 29,3ff.). Er führte die Feier des Passahfestes wieder ein. Offenbar war es seit Jahren nicht mehr gefeiert worden, denn es mangelte an ausgebildeten Priestern. Das Fest musste um einen Monat verschoben werden. Hiskia sandte Boten durch das ganze Land, um das Volk nach Jerusalem einzuladen. Es scheint, als ob sich Hiskia nach diesen religiösen Reformen gegen die assyrische Oberherrschaft auflehnte. Er weigerte sich, dem assyrischen König Sargon Tribut zu zahlen. Aus den historischen Quellen wird nicht ersichtlich, warum der Assyrerkönig nicht sofort nach Juda eilte, um den „Aufstand” niederzuschlagen. Juda wurde für den Rest der Regierungszeit Sargons verschont. Das änderte sich aber, als 705 v. Chr. Sanherib den assyrischen Thron bestieg. Hiskia rebellierte – vermutlich durch Ägypten inspiriert (vgl. 2 Kön 18,13.21) – auch gegen Sargons Nachfolger. Als Folge dieses Aufstandes marschierte Sanherib 701 v. Chr. mit einem großen assyrischen Heer nach Westen; große Teile von Juda wurden durch die Assyrer eingenommen (darunter auch die judäische Stadt Lachisch südwestlich von Jerusalem, deren Einnahme Sanherib auf Reliefplatten in seinem Palast in Ninive verewigen ließ). Hiskia sah sich gezwungen, eine enorme Summe als Tribut zu bezahlen. Der assyrische Herrscher schien nicht zufrieden gewesen zu sein und begann mit einer Belagerung Jerusalems. Hiskia hatte enorme Anstrengungen im Vorfeld der assyrischen Belagerung unternommen: Er baute die Befestigungsanlagen Jerusalems aus, ließ neue Waffen und Schilde herstellen, organisierte seine Streitmacht neu, ließ weitere Vorratshäuser und Ställe bauen und richtete Zisternen zur Wasserversorgung ein (2 Chr 32,5.28-30; Jes 22,8-11). Besondere Bedeutung im Kontext der Wasserversorgung Jerusalems kam der Gihon-Quelle zu, die außerhalb der Stadtmauern Jerusalems im östlich gelegenen Kidrontal lag. Diese Quelle versorgte die Stadt seit ihrer Gründung mit Wasser. Bereits in vor-israelitischer Zeit verbanden die Jebusiter diese Quelle durch einen Tunnel mit einer unter der Stadt gelegenen Höhle und sammelten dort das Wasser in einem Reservoir. Mit Hilfe von Ledersäcken wurde das Wasser durch einen senkrechten Schacht nach oben gezogen. Die Quelle außerhalb der Stadtmauern wurde abgedeckt: So konnte kein Unbefugter ahnen, wo im Belagerungsfall die Wasserversorgung ihren Ursprung hatte. Bei der Eroberung Jerusalems durch Davids Männer kroch Joab vermutlich durch das Tunnelsystem, das die Gihon-Quelle mit der Stadt verband (2 Sam 5,8). An dieser Quelle wurde auch der König Salomo gekrönt (1 Kön 1,33). Als der König Hiskia mit einer assyrischen Belagerung rechnen musste, fasste er den Plan, die Gihon-Quelle mit Hilfe eines neuen Tunnels unter der Stadt mit dem Teich Siloah innerhalb der Stadtmauern zu verbinden, um so die Wasserversorgung im Falle einer Belagerung zu gewährleisten (2 Chr 32,3-5.30). So wurde jeweils ein Stollen von der Gihon-Quellen nach Süden und ein anderer Stollen vom Siloah-Teich nach Norden in den Fels getrieben. Es gleicht einer Meisterleistung, dass beide Gruppen sich in der Mitte trafen. Aus unbekanntem Grund ist der Tunnel nicht gerade, sondern schlängelt sich durch den Felsen. Er hat eine Länge von knapp 600 Metern, eine Breite zwischen 60 und 70 Zentimetern; seine durchschnittliche Höhe beträgt 185 Zentimeter. Als die Arbeit vollendet war, floss das Wasser der Gihon-Quelle über ein Gefälle von etwas mehr als zwei Metern durch den Tunnel unter der Stadt zum Wasserspeicher des Siloah-Teiches. Als im Jahr 1880 einige Kinder vom Siloah-Teich in den Tunnel eindrangen, entdeckten sie eine Inschrift an der Tunnelwand. Auf dieser Inschrift beschrieben die Tunnelarbeiter ihre Methode, mit der sie diese schier unglaubliche Leistung vollbracht hatten. Sie teilten ferner die Länge des Tunnels sowie seine Tiefe unter der Hügeloberfläche mit. Der Text lautet: „(Das war) der Durchbruch: und dies war die Sache des Durchbruchs. Während (die Hauer schwangen) die Picke, jeder auf seinen Genossen zu, und während (noch) drei Ellen für den Durchbruch waren, (da wurde gehö)rt die Stimme eines jeden der rief zu seinem Genossen; denn es war ein Riss im Felsen von rechts und von ... Und am Tag des Durchbruchs schlugen die Hauer, jeder, um sich seinem Genossen zu nähern Picke gegen Picke und es floss das Wasser vom Ausgangsort bis zum Teich an die zweihundert und tausend Ellen. Und hundert Ellen war die Höhe des Felsens über dem Kopf der Hauer” (nach K. Jaroš, Hundert Inschriften aus Kanaan und Israel, S. 72). Noch heute fließt das Wasser der Gihon-Quelle durch diesen Tunnel in Richtung Siloah-Teich. Bei meinem Aufenthalt in Jerusalem hatte ich die Gelegenheit, mehrere Male durch diesen Tunnel zu waten. Immer wieder kann man an den Felswänden die Spuren von Spitzhacken und Meißel erkennen. Wenn man in die Nähe des Punktes gelangt, an dem die beiden Gruppen zusammenstießen, erkennt man deutlich den Versuch, an der berechneten Stelle auf die andere Gruppe zu stoßen. Der Gang hat hier einige scharfe Windungen. An einigen wenigen Stellen irrten die Bauleute; kurze Gänge, die im Nichts enden, deuten an, dass hier die Arbeiter nach kurzer Zeit ihren Irrtum bemerkten und dann korrigierten, ehe sie zu weit in die falsche Richtung vorstießen. Selbst die Stelle, an der die Inschrift in den Felsen gemeißelt worden war, ist am Ende des Tun-nels zu erkennen. Die Inschrift wurde herausgebrochen und ist heute im Archäologischen Museum von Istanbul ausgestellt. |
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