Alois Musil zum 140. Geburtstag

von Udo Worschech

Am 30. Juni jährte sich der 140. Geburtstag des Alttestamentlers und Orientforschers Alois Musil (1868-1944), eines Cousins des bekannteren Schriftstellers Robert Musil. Alois Musil wurde berühmt durch seine Entdeckung des arabischen Jagdschlösschens Quseir Amra, das ca. 100 km östlich von Amman liegt. Im Jahre 1898 stieß Musil auf diesen Bau aus der Ommayadenzeit (ca. 650-759 n. Chr.), der durch seine freizügig gestalteten Bildwerke arabischer Tänzerinnen und Jagdszenen auffällt. Die bildhaften Darstellungen von Menschen und Tieren standen so gar nicht im Einklang mit der Forderung des Islam nach Bilderlosigkeit. Inzwischen wurde die Bedeutung A. Musils für die Geschichte und Archäologie der alttestamentlichen Welt nicht nur von westlichen Forschern erkannt, sondern auch von saudi-arabischen Historikern und Archäologen, denn Musil hatte seine Zeit zwischen 1908 und 1915 vor allem in Nordarabien verbracht. Aus diesem Grunde wurde in der Zeit vom 16. bis zum 21. Juni in Vyskov (Wischau bei Brünn) eine Tagung über Musils Beiträge zur Archäologie, Geschichte und Ethnologie des Vorderen Orients abgehalten. Mit zwei Vorträgen konnte ich die Theologische Hochschule Friedensau repräsentieren. Die Hochschule ist die einzige Institution in Deutschland, die sich mit den Ergebnissen der Forschungen Musils befaßt. Vor allem die Anwesenden der King Saud University aus Riyad in Saudi-Arabien zeigten sich überrascht, dass wir in Friedensau  diese Forschungen betreiben. Der Dekan des Archäologischen Instituts, Prof. Said, hat daher auch einen Besuch in Friedensau versprochen. Prof. Said hat in Marburg promoviert und spricht fließend Deutsch.

Für die biblisch-archäologische Wissenschaft sind Musils Werke immer noch nicht ausgeschöpft, denn allein in Vyskov befinden sich noch 80 Kartons mit seinen Notizen und Manuskripten. Die Bedeutung seiner Aufzeichnungen besteht darin, dass er in einer Zeit – von 1896 bis 1910 – den Orient besuchte, als es noch keine künstlichen Staatenbildungen gab und die alten Traditionen, Sitten und Gebräuche noch unverfälscht jenes Leben reflektierten, das sich auch in den biblischen Texten über die materielle Kultur und das Leben im alten Israel wiederfindet. Für mich und damit auch für das archäologische Institut in Friedensau bleibt der Zugang zu diesen Unterlagen immer offen und Gegenstand der Forschung.

>>zurück