Friedensauer Student untersucht Gewalt bei Sportereignissen

Paulin Giurgi, Student im Fachbereich Christliches Sozialwesen der Theologischen Hochschule Friedensau, untersuchte im Rahmen einer Bachelorarbeit die Gewalt bei Sportereignissen. Seine Arbeit wurde nun als Buch veröffentlicht.

„Ich bin seit meiner Kindheit Fußballfan und entwickelte schnell eine große Leidenschaft für den Sport“, gibt Paulin Giurgi über seine Motivation Auskunft, sich mit Gewaltphänomenen im Zusammenhang mit Sport zu beschäftigen. In seiner Freizeit ist er ein aktiver Vereins-Fußballspieler. Früher gehörte der gebürtige Rumäne in seinem Heimatland einer gewalttätigen Straßengang an. „Die Gang veranstaltete Wett- und Straßenkämpfe, wodurch ich mit Gewalt konfrontiert wurde“, erklärt Giurgi. Den konkreten Anlass für seine Forschungsarbeit fand er in einem Seminar zur Geschlechterforschung, das sich mit der Frage auseinandersetzte, warum

Männer häufiger als Frauen zu Gewalt neigen.Für seine Untersuchung nahm Giurgi Kontakt zu früheren Gangmitgliedern auf und führte unter ihnen eine Umfrage zu Gewalthandlungen und -erfahrungen durch. Bei Championsleague- und Bundesligaspielen beobachtete der 29-Jährige die Fanblöcke vor Ort und protokollierte ihr Verhalten. „Das Problem, warum junge Männer im Zusammenhang mit Sportereignissen zu Gewalt neigen, lässt sich nicht einfach lösen“, resümiert Giurgi seine Erkenntnisse. Die Motive seien sehr breit gefächert. Unter den Hooligans seien zum Teil gut sozialisierte Familienväter. Andere stammten aus problematischen Familienverhältnissen und erhofften durch Gewalt Bestätigung und Berühmtheit in der Gruppe. „Viele Hooligans sind auch in Kampfsportvereinen aktiv, was ihnen aber nicht ausreicht. Sie wollen zusätzlich ein Spiel ohne Regeln“, meint Giurgi. Das kann sogar religiöse Züge annehmen. „Es gibt eine regelrechte Fanreligiosität und Kulthandlungen. Das Stadion dient dabei als Religionsersatz.“

Auch die geschlechterspezifische Sozi­ali­sation sei ein Grund für die hohe Ge­walt­bereitschaft bei jungen Männern. „Mädchen und Jungen gehen unterschiedlich mit Gewalt um“, erklärt Giurgi. „Jungen sind eher gewalttätig. Es gibt aber auch Beispiele, wo Mädchen wie Jungen sozialisiert wurden, indem sie mit Waffen und ähnlichem gespielt haben. Diese Mädchen neigen eher zu Gewalt als andere.“

Für Giurgi ist es wichtig, zwischen friedlichen Fans und gewaltbereiten Hooligans zu unterscheiden. Friedlichen Fans ist das Sportereignis als Erlebnis wichtig. Sie bejahen den sportlichen Charakter als einen fairen Wettkampf und respektieren die Regeln des Spiels. „Sie sind im Ethos des Fußballs zu Hause“, meint Giurgi. Für Hooligans dagegen hat Gewalt einen eigenständigen Wert. Sie nutzen den sportlichen Wettkampf nur als Hintergrund. Ihre Gewaltbereitschaft hängt nicht vom Spielergebnis ab.

Dass ein Verlag in Marburg auf seine Forschungsarbeit aufmerksam wurde, freut Paulin Giurgi ganz besonders. Er hofft, dass Gewalt eingedämmt werden kann, wenn die Prozesse verstanden werden, die zur Gewalt führen. Auch deshalb möchte er einen Teil seines Autorenhonorars sozialen Projekten zugute kommen lassen. cs/dp

>>zurück