Ausgrabungen in der zentralen Moabitis/Jordanien gehen weiter

Friedbert Ninow

Die archäologischen Forschungsarbeiten des Instituts für Altes Testament und Biblische Archäologie der Theologischen Hochschule Friedensau wurden in diesem Sommer in Jordanien fortgesetzt. Eine Gruppe von Studenten aus Friedens-­­au und Leipzig sowie Dozenten von der Theologischen Hochschule und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg unter der Leitung von Friedbert Ninow führten das Grabungsprojekt in Balua weiter, das von dem inzwischen emeritierten Prof. Udo Worschech 1986 initiiert worden war. Balua, am nördlichen Rand des zentral-moabitischen Plateaus östlich des Toten Meeres gelegen, stellt eine der bedeutendsten eisenzeitlichen (1200–587 v. Chr.) Stadtanlagen im Ostjordanland dar. In den vergangenen Jahren hatte Prof. Worschech sein Augenmerk vor allem auf diese eisenzeitlichen Schichten gelenkt. Seine Forschungsarbeiten haben wesentliche Aspekte der Siedlungsgeschichte dieser Stadtanlage während der alttestamentlichen Epochen herausgearbeitet.

Die Stadtanlage von Balua (ein arabischer Name, der mit „Schlund“ übersetzt werden kann; ein passender Name im Zusammenhang mit dem tief einschneidenden Wadi, das die Stadtanlage an der nördlichen und westlichen Seite umgibt) kann mit der Stadt Ar bzw. Ar-Moab identifiziert werden. In Num 21,14c und 15 wird über die geographische Lage von Ar Folgendes gesagt: „… die Bäche am Arnon und den Abhang der Bäche, der sich hinzieht zur Stadt Ar und sich lehnt an die Grenze Moabs.“ Diese Angaben passen genau auf die Lage von Balua am Nordrand des zentral-moabitischen Plateaus (der Nordgrenze Moabs) am Wadi Mujeb, dem biblischen Arnon. Diese moabitische Stadt wird weiter in Num 22,36, Dtr 2 und Jes 15,1 erwähnt.

Ar/Balua zählte zur Zeit der moabitischen Monarchie zu einer der Hauptstädte dieser Epoche. Neben Dibon (vgl. Num 21,30; 32,34) und Kir-Heres/Kir Moab (vgl. 2 Kön 3,25; Jes 15,1) muss Ar für die Könige von Moab von Bedeutung gewesen sein. Dies wird unter anderem durch die besondere Größe und Ausdehnung der Stadtanlage angedeutet. Zudem hatte Prof. Worschech 1986 eine fragmentarische Inschrift von vier Buchstaben entdeckt, deren letzte drei das Wort für „König“ bilden.

Über die eisenzeitlichen Siedlungsphasen hinaus ist bis jetzt wenig bekannt über die weitere Siedlungsgeschichte von Balua. Aus diesem Grund haben wir in diesem Sommer zunächst eine ausführliche Oberflächenuntersuchung unter­nommen und eine große Anzahl an Keramikfragmenten analysiert (Keramik bildet eine wichtige Grundlage zur Datierung einer archäologischen Ortslage); diese Funde haben den Hinweis geliefert, dass Balua bereits in der Frühen Bronzezeit (ca. 3200–2000 v. Chr.), während der Mittleren Bronzezeit (2000–1550 v. Chr.) und auch in der Späten Bronzezeit (1550–1200 v. Chr.) besiedelt worden war. Gerade die Spätbronzezeit ist von Bedeutung, da dies die Zeit des Exodus der Israeliten aus Ägypten war. Auf seinem Weg durch das Ostjordanland wanderte das Volk auch durch diese Gegend: „Von da zogen sie weiter und lagerten sich in der Wüste südlich des Arnon, der im Gebiet der Amoriter entspringt; denn der Arnon ist die Grenze Moabs zwischen Moab und den Amoritern“ (Num 21,13).

Einige wenige Keramikfunde im Bereich der großen zentralen Palastburg von Balua, die ursprünglich aus der frühen Eisenzeit stammt (ca. 1200–1000 v. Chr.) haben vermuten lassen, dass es während der nabatäisch-römischen Epoche (2. Jh. v. Chr. – 2. Jh. n. Chr.) nur eine geringe Präsenz an dieser Stelle gegeben hat. Bei einem Besuch im Sommer 2007 konnte anhand von reichhaltigen nabatäisch-römischen Keramikfunden aus Raubgrabungen östlich der Palastburg festgestellt werden, dass in diesem Bereich eine Grabung lohnen würde.

So wurden in diesem Sommer an dieser Stelle eine ganze Reihe von Grabungsarealen geöffnet. Sehr schnell stießen wir auf die charakteristische dünnwandige nabatäische Keramik. Der weitere Verlauf der Grabung machte deutlich, dass wir einen großen Altar gefunden hatten, der in verschiedenen Phasen während der nabatäischen und römischen Epoche erweitert worden war. Der ursprüngliche Altar hatte eine quadratische Form mit jeweils 3,20 m Seitenlänge. Dieser Altar wurde dann auf eine Seitenlänge von 5,20 m erweitert. Die Höhe des Altars kann auf ca. 2 m geschätzt werden. An der nördlichen Seite des Altars wurde eine Treppe angelegt, über deren Stufen man auf die Altarplattform steigen konnte. An der westlichen Seite des Altars wurde eine Art Podium errichtet, auf dem wir die Reste einer Statue bergen konnten. Leider ist die Statue zerstört. Lediglich die Basis mit den Füßen ist übrig geblieben. Der Altar steht ca. 10 m östlich des Eingangs der Palastburg. Dies könnte darauf hindeuten, dass dieser gewaltige Bau in der nabatäisch-römischen Epoche als Tempel diente. Dafür spricht auch, dass der Platz um den Altar abgegrenzt wurde (Temenos/Vorhof).

In weiteren Grabungen konnten die unter der nabatäisch-römischen Besiedlung liegenden Schichten erreicht werden. Dabei wurde unter einem massiven eisenzeitlichen (1. Jahrtausend v. Chr.) Fußboden eine dicke mittelbronzezeitliche (2000–1550 v. Chr.) Schicht entdeckt, die auch eine ganze Reihe von frühbonzezeitlichen (3. Jahrtausend v. Chr.) Keramiken enthielt. Damit haben wir zum ersten Mal einen konkreten Nachweis für Besiedlung in Balua, die älter als die Eisenzeit ist.

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