Das Geschenk des Glaubens

Gerald Hummel

Text: 2 Ko 4,13; Zitat aus Ps 116,10

Predigtziel:

Das Geschenk des Glaubens ist eine der wertvollsten Erfahrungen meines Lebens. Es ist meine Gotteserfahrung.

Eine der einfachsten und grundlegendsten Aussagen der christlichen Religion lautet: Ich glaube an Gott. Ich bin Christ und will damit sagen: Ich glaube an Gott. Doch manchen Christen beschleicht schon bei diesem Eröffnungssatz des Christseins die Frage: Glaube ich wirklich an Gott? Einige fragen: Glaube ich auch richtig an Gott? Die Frage nach Gott ist auch eine Frage nach dem Gottesbild. Vor allem ist es eine Beziehungsfrage. Wie ist mir Gott begegnet? Und was empfange, profitiere ich aus dieser Begegnung?

Die Predigt versucht vom Befund des biblischen Begriffes „Glauben“ her Wege aufzuzeigen, auf denen sich Glaube ereignet.

1. Die Erfahrung des Glaubens ist das Geschenk der Mitte, des Sinns

Paulus kann mit dem Psalmisten sagen: Ich glaube. Sein Glaube steht in der Kontinuität von Jahrhunderten. Alttestamentlich gehört, beschreibt der Glaube die Entdeckung der Mitte, des Wesens, des Sinns. Glaube wird zum Schlüsselerlebnis des Menschen mit Gott. Jeder Glaubende braucht ein solches Schlüsselerlebnis. So erkennt er Gott, so weiß er von ihm als Realität. Es gibt Gott – und es gibt ihn für mich. Die Fragen des Sinns und des Seins finden ihre Ausrichtung. Ich spreche: Gott ist die Mitte des Lebens, dankenswerterweise auch meines Lebens. Mit diesem Schlüsselerlebnis darf ich bekennen: Ich glaube an Gott.

Dabei wird deutlich: Der Glaube ist Gottes Werk, sein Geschenk an mich. Er ist nicht Resultat meiner Leistung oder Anstrengung. Glaube wächst aus der Begegnung Gottes mit dem Menschen. Der Mensch darf sich diese Begegnung wünschen, ja Gott darum bitten. Gott seinerseits ist der beständig Rufende, er hat ungezählte Möglichkeiten der Begegnung. Er wird, dies zum Trost, mich nicht übersehen oder gar vergessen (Apg 17,27.28).

M. Luther: „Ich kann nicht aus eigener Vernunft noch Kraft glauben.“ Daraus zwei Schlussfolgerungen: Glaube ist mehr als eine oder alle Überzeugungen. Glaube ist mehr als mein Wollen.

Menschlich nicht verfügbar, aber Gottes Geschenk: Ich glaube an Gott.

2. Die Erfahrung des Glaubens ist das Geschenk des Vertrauens

Das Beispiel der Julie von Hausmann und damit die Entstehungsgeschichte des Liedes „So nimm denn meine Hände“ (WlG 266): Sie wollte zu ihrem Verlobten nach Indien reisen, um als Ehe- und Missionarsfrau an seiner Seite zu leben. Nach der strapaziösen Reise musste sie vor Ort erfahren, dass der Mann vor wenigen Tagen plötzlich gestorben war. Unter diesem Eindruck schrieb sie den bezeichneten Text.

Tiefes Vertrauen zu Gott spricht aus diesem Lied. Wer vertraut, verlässt sich auf Gottes Treue zu den Menschen. Er vertraut dem, was er sagt. Der Glaubende vertraut darauf, dass Gott Gebete erhört, dass er Schuld bei Nachfrage der Vergebung vergibt, dass er aus Not befreien und Wunder wirken kann. Ich blicke auf Gottes Reichtum, nicht auf meine Armut. Im Blick bleibt Gottes Würde, nicht meine Unwürdigkeit. Er sorgt dafür, dass die Beziehung lebt. Er schenkt mir Vertrauen. Ich glaube an Gott.

Das ist ein Ergebnis, das aus dem Anschauen des Begriffs „Glauben“ nach neutestamentlichem Verständnis erwächst.

3. Die Erfahrung des Glaubens ist das Geschenk der Treue

Das neutestamentliche Wort „Glaube“ umfasst auch die Treue. Der Treue Gottes folgt die Treue des Menschen. Ich möchte Gott, seinem Wort folgen. Glaube und Treue sind zusammengebunden wie ein Strauß Chrysanthemen. Die großen Blüten versinnbilden meinen Glauben. Ich fand die Mitte und das Vertrauen. Das Grün im Strauß, das die Farben der Blüten erst richtig zur Geltung bringt, versinnbildet meine Treue.

Meine Treue wäre ohne die Treue Jesu zu mir ziellos, grundlos. Er blieb gehorsam (treu), bis zum Tode am Kreuz (Phil 2,8).

D. Bonhoeffer: „Nur der Glaubende ist gehorsam und nur der Gehorsame glaubt.“Womöglich wird deine Treue zu Gott von Menschen nicht wahrgenommen oder honoriert. Sie gilt ja Gott, auch wenn sie sich am Menschen bewährt.

Gott beschenkt den Bittenden mit Treue. Ich glaube an Gott.

Im Glauben an Gott finde ich Sinn und Mitte, Vertrauen und Treue. So wird der Glaube zu einer der prägendsten und wertvollsten Erfahrungen meines Lebens.

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