László Szabó:
„In fast allen Bereichen meines Dienstes habe ich davon profitieren können, was ich hier gelernt habe“
Lieber Herr Szabó, liebe Frau Szabó, zuerst ein herzliches Willkommen hier in Friedensau. Sie sind beide „Heimkehrer“ und kennen Friedensau aus der Zeit des Studiums.Wie haben Sie und Ihre beiden Kinder die ersten Tage nach der Ankunft in Friedensau erlebt?Dankeschön für die liebevolle Begrüßung. Es war für uns keine leichte Entscheidung. Sie brauchte ungefähr ein halbes Jahr Zeit. Beim Umzug waren wir gespannt, wie sich unsere Kinder in der neuen Lebenssituation zurechtfinden und ob wir uns wirklich zu Hause fühlen könnten. Gleich nach der Ankunft haben wir gemerkt, wie sorgfältig für uns alles vorbereitet wurde. Wir wurden liebevoll aufgenommen, auch die Kinder haben neue Freunde gefunden und das hat uns viel geholfen. Es ist eine sehr gute Atmosphäre im Ort. Herr Szabó, Sie haben in Friedensau von 1989 bis 1995 Theologie studiert. Wie würden Sie heute rückblickend Ihr Studium in Friedensau beurteilen?Wie sehr Gott mich durch das Studium in Friedensau gesegnet hatte, erkannte ich erst in meinem Dienst als Missionar, Pastor und in den Leitungsaufgaben, die man mir anvertraute. In fast allen Bereichen meines Dienstes habe ich davon profitieren können, was ich hier gelernt habe. Ich denke an meine Lehrer sehr gern zurück. Bei Vorbereitung von Vorträgen und Predigten zum Alten Testament erinnerte ich mich oft an die Worte von Professor Worschech: „Eine Exegese hat nur so viel Wert, wie viel davon auch in Gemeinden verstanden wird.“ Wie er und Dr. Rieckmann den hebräischen Text auslegten, hat mir sowohl die gewaltige Tiefe als auch die Aktualität des Alten Testaments gezeigt. Die Gründlichkeit von Bernhard Oestreich beim Studium des Neuen Testaments hat für mich neue Welten eröffnet und es hat mich immer begeistert, darüber zu sprechen. Was die liebevolle Art im Umgang mit Mitmenschen und die professionelle seelsorgerliche Hilfe bewirken können, habe ich bei Prof. Gerhardt erlebt. Es hat mich motiviert und veranlasst, in Richtung Ehevorbereitung und -therapie weiterzuarbeiten. Es gab Zeiten, wo ich fast jeden Tag Paare für Beratung oder Therapie in meinem Büro gehabt habe. Veränderte Leben, lächelnde Gesichter zeigten – es hat sich gelohnt. Prof. Pfeiffer, Dr. Hartlapp und Dr. Böttcher haben meine Liebe und mein Verständnis zur Freikirche und ihrer Geschichte gefördert. Am meisten wurde mein Dienst durch missiologische Gedanken geprägt. Prof. Noack und seine Frau, Edgar Machel und andere haben wirklich Wert darauf gelegt, die christliche Leiterschaft zu fördern. Ich habe davon viel profitieren können, was ich hier gelernt habe, und ich bin dafür sehr dankbar. Zwar habe ich nicht alle Antworten auf meine Fragen bekommen, aber ich habe es gelernt, wie ich selbst forschen und Antworten finden kann. Friedensau hat mein Leben sehr stark gefördert, geprägt und im positiven Sinne verändert. Was waren die wichtigsten Stationen Ihrer Arbeit?Zuerst habe ich als Lehrer für Systematische und Praktische Theologie in Tansania gearbeitet. Ein Jahr später habe ich einen Ruf nach Ungarn wahrgenommen und als Pastor und Lehrer am Seminar gewirkt. Der Verband hat mich dann berufen, als Missionsleiter und Predigtamtssekretär für das ganze Land zu arbeiten. Neben meiner Lehrtätigkeit haben wir mehr als vierzig Gemeindegründungen organisiert, Ausbildungen für Evangelisation, Gruppenarbeit und noch vieles andere angeboten. Vor vier Jahren haben wir ein Institut für Evangelisation und Medien im Verband gegründet. Nachdem wir auch ein Studio eingerichtet hatten, publizierten wir christliche Sendungen im Internet, Fernsehen und Radio, auf CDs und DVDs. Dort war ich Institutsleiter und zugleich Lehrer für Praktische Theologie und Mission. Sie sind als Leiter der Abteilung Gemeindeaufbau und Mission an der Theologischen Hochschule berufen worden. Welche Erfahrungen bringen Sie mit und welche Schwerpunkte werden Sie setzen?Als ich den Ruf nach Friedensau erhielt, wollte ich gern wissen, was meine Aufgabe sein würde und warum gerade ich eingeladen wurde. Mir wurde deutlich, dass die Theologische Hochschule den Studierenden im Bereich Mission sowohl fundierte akademische Ausbildung als auch praktische Anleitung für missionarisches Arbeiten vermitteln möchte. An dieser Aufgabe wirke ich gerne mit. Mission trägt zur Gesundheit und zum Wachstum einer Gemeinde bei. Mission ist ein Handeln im Auftrag Gottes. Ohne Mission gehen Gemeinden zugrunde. Mit den Studierenden werden wir Grundlagen der Mission studieren. Wir müssen aber auch die Gesellschaft verstehen, wie Menschen denken, fühlen und handeln und wie ihnen das Evangelium, Gott und seine Liebe, vermittelt werden kann. Die Missionstätigkeit in der westlichen Gesellschaft ist eine der größten Herausforderungen. Ich möchte an dieser Herausforderung arbeiten, Forschung betreiben und verstehen lernen, wie die christliche Botschaft relevant und überzeugend sein kann. Ich glaube fest daran, dass wir gegründet in der Bibel, mit Liebe im Herzen für die Mitmenschen und mit einem klaren Verstand über die Mission den Auftrag Gottes erfüllen können. Frau Szabó, Sie hatten in Ungarn neben dem Beruf, Mutter zu sein, im Bereich der Medien gearbeitet. Was waren Ihre Aufgaben und welche Pläne haben Sie für die Zukunft in Friedensau?Wir haben in Ungarn Sendungen für Radio und Fernsehen zu verschiedenen Themen wie physische und geistliche Gesundheit, biblische Themen, Reportagen mit bekannten Leuten, Musik und Videoclips mit Stars aufgenommen. Ich habe dafür die Drehbücher geschrieben und die Aufnahmen vorbereitet und geleitet. Auch in Friedensau sehe ich eine hervorragende, aber noch nicht genutzte Möglichkeit für eine ähnliche Arbeit. Es wäre möglich, mit einem Medienzentrum, z.B. dem Medienzentum der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten „Stimme der Hoffnung“ zusammenzuarbeiten, um mit Dozenten und Studierenden Sendungen herzustellen. Ich würde gern meine Fähigkeiten auch hier einbringen. Herr Szabó, in den Kirchengemeinden wird viel über Gemeindeentwicklung und Mission diskutiert und auch experimentiert. Wie kann Ihrer Meinung nach die Hochschule Gemeinden in diesen Prozessen unterstützen?Wenn über Gemeindeentwicklung und Mission viel diskutiert wird, zeigt es, dass dieser Bereich eine große Herausforderung für Gemeinden ist. Die Gemeinden, die Hochschule und die kirchlichen Dienststellen sollten in dieser Arbeit sehr gut zusammenarbeiten und einander unterstützen. Die Lehrkräfte der Hochschule sind in ihren Bereichen Experten. Sie haben einen sehr wichtigen Beitrag zu leisten, indem sie den christlichen Inhalt darstellen, die Gesellschaft erforschen, Methoden der Missionswissenschaft reflektieren, Fallstudien und Projekte auswerten. Wenn Friedensauer Absolventen einen guten Dienst als Pastoren versehen, Veranstaltungen der Hochschule auch Gemeinden nützlich sind und Lehrkräfte Gemeinden bei Fragen und Problemen unterstützen, wird die Zusammenarbeit reichlich Früchte tragen. Ich hoffe, dass Gemeinden und Hochschule einander immer mehr schätzen lernen und voneinander profitieren können. Die Theologische Hochschule Friedensau ist eine staatlich anerkannte Hochschule mit universitären Studiengängen in den Fachbereichen Theologie und Sozialwesen. Was würden Sie jungen Menschen sagen, die ein Studium beginnen wollen, warum sie das ausgerechnet in Friedensau tun sollten?Die Hochschule in Friedensau hat viele Stärken, die das Studium, aber auch das Leben der Studierenden unheimlich bereichern können. Es lohnt sich, sie zu entdecken. Der Ort ist wirklich eine Aue des Friedens, die ausgezeichneten Platz für Forschen und Studieren bietet. Der professionelle Lehrkörper ist nicht nur in Lehrveranstaltungen erreichbar. Wegen der überschaubaren Größe der Hochschule kann man auch in persönlichen Gesprächen und Begegnungen den theoretischen und praktischen Fragen nachgehen. Dadurch können sich die Studierenden geschätzt und auch ein Stück geborgen fühlen. Und das alles geschieht in einer christlichen Atmosphäre, die wahre Werte vermittelt. Eine moderne Bibliothek mit Zugang zu modernen elektronischen Datenbanken und das hilfsbereite Personal bieten sich den Studierenden an. Die offene Atmosphäre lässt jedem Raum und Freiheit, dass er seine Schwerpunkte im Studium wählt. Und das alles wird in Friedensau zu einem im Vergleich mit anderen Hochschulen sehr fairen Preis angeboten. Wenn jemand studieren möchte: Dies ist ein Platz, der zum Studieren geschaffen ist und wo man dabei auch persönlich sehr bereichert wird.
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