„Is’n hier keene U-Bahn?“

KidsCamp 2008 begeistert Kinder, Eltern und Mitarbeiterteam

Alexander Schulze

Etwas Mut brauchte es schon, eine Veranstaltung dieses Formats ins Leben zu rufen. Würden Eltern ihre Kinder zu einem christlichen Zeltlager für Grundschüler ab 6 Jahren anmelden? Und würden sich die Kinder wohlfühlen? Was zunächst kaum jemand für möglich hielt, ist Wirklichkeit geworden und hat alle Erwartungen übertroffen.

„Is’n hier keene U-Bahn?“, wollte der 9-jährige Liam wissen, als er, in Friedens­au angekommen, aus dem roten VW-Bus der Adventjugend stieg. Für den jungen Berliner, der noch nicht allzu oft aus der Hauptstadt herausgekommen war, war die Fahrt zum KidsCamp nach Friedensau eine halbe Weltreise. Doch sie hat sich gelohnt. Gemeinsam mit 144 Kindern im Alter von 6 bis 12 Jahren aus Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Niedersachsen und Baden-Württemberg erlebte er vom 3. bis zum 10. August beim KidsCamp 2008 eine unvergesslich schöne Ferienwoche.

Neben Fußball, Kletterwand, Niedrigseilparcours, Hüpfburg und Trampolin wartete jeden Tag eine besondere Überraschung auf die Kinder. So luden Verkehrswacht, Polizei, Deutsches Rotes Kreuz und die Freiwillige Feuerwehr einen ganzen Nachmittag lang an verschiedenen Stationen auf dem KidsCamp-Gelände zum Mitmachen und Ausprobieren ein. Dabei lernten die Kinder, worauf im Straßenverkehr zu achten ist, wie Erste Hilfe geleistet wird und welche Informationen bei einem Notruf wichtig sind. Die ganz Mutigen ließen es sich nicht nehmen, selbst einmal im Polizeiauto zu sitzen und das Blaulicht einzuschalten.

Unter der kompetenten Anleitung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hochseilgartens Friedensau durften die Kinder, mit Schutzhelm und Sicherungsgurt ausgestattet, die Kletterwand und den Niedrigseilparcours ausprobieren. Obwohl beide Stationen Geschick und Körperbeherrschung erforderten, stellte die größte Hürde an der Kletterwand das bedingungslose Vertrauen in das Sicherungsseil dar.

Durch die Aufteilung der Kinder in altersübergreifende Familiengruppen mit jeweils einer Betreuerin und einem Betreuer war eine individuelle und kompetente Vollzeit-Betreuung möglich. Bei der Auswahl des Mitarbeiterteams wurde ganz bewusst auf einen hohen Anteil Ehrenamtlicher geachtet: Mitglieder und Freunde der Adventgemeinde, die als Grundschullehrer, Sozialarbeiter, Kinderkrankenschwestern, Sozialpädagogen und Logopäden arbeiten, dazu Studenten und Auszubildende verschiedenster Fachrichtungen, die ihren Urlaub und ihre Freizeit einsetzten, um beim KidsCamp dabei zu sein. 

Ergänzt wurde das Team durch hauptamtliche Pastoren der Freikirche, die in kindgerecht gestalteten Morgenandachten, spannenden Bibelarbeiten und kurzweiligen Kinderpredigten neue Perspektiven zum bisherigen Erfahrungshorizont aus Schule und Alltag aufzeigten. Nicht um jeden Preis besser, sondern zusammen mit Gott stärker zu sein; Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Freundschaft als Werte zu erkennen, die nicht nur gut klingen, sondern tatsächlich erreichbar sind; und Vertrauen – als einen Wert, der vielen Kindern durch erlebte Enttäuschungen bereits verloren gegangen ist  – neu zu wagen.

Das Konzept überzeugt auch Eltern ohne konfessionellen Hintergrund. Ihnen ist bewusst, dass christliche Werte und Tugenden von den angefüllten Lehrplänen der Schulen nur als Randthemen behandelt werden können. So lag der Anteil an Gästekindern beim KidsCamp 2008 bei über 35%. Liam und seine Freunde wollen auf jeden Fall wiederkommen. www.kidscamp.de.

Alexander Schulze, M.A., cand. phil.,
Abteilungsleiter für Jugend, Pfadfinder und Kinder in der Berlin-Mitteldeutschen Vereinigung

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