Archäologie – Früh-israelitische Inschrift entdeckt

von Friedbert Ninow

Archäologen der Hebräischen Universität in Jerusalem haben auf der Ruinenstätte Khirbat Qeiyafa eine mit Tinte beschriftete Tonscherbe (Ostrakon) entdeckt. Sie stellt den frühesten Schrift- bzw. Textbeleg aus Israel dar. Der Text ist in einer proto-kanaanäischen Schrift geschrieben, einem Vorläufer des Hebräischen.

Khirbat Qeiyafa war eine Festung im Grenzgebiet zwischen Israeliten und den Philistern. Vermutlich lag sie an einer wichtigen Route, die die Küstenebene mit Jerusalem verband und eine wichtige Funktion in der Überwachung dieser Route hatte. Diese Festung befindet sich im Umfeld von vier biblischen Ortslagen im Siedlungsgebiet Judas, die Erwähnung in Jos 15, 35 finden: Jarmut, Adullam, Socho und Aseka.
Der alttestamentliche Erzähler berichtet von der Schlacht zwischen David und Goliat, die zwischen Socho und Aseka stattgefunden hat (1 Sam 17, 1 ff.). Die Festung von Khirbat Qeiyafa, die von den Archäologen in das 10. Jahrhundert v. Chr. datiert wird, ist die älteste befestigte Stadtanlage auf dem Stammesgebiet Judas. Sie war mit einer siebenhundert Meter langen Stadtmauer umgeben, die aus massiven Steinen bestand. Ein zehn Meter breites Stadttor, bestehend aus vier bzw. sechs Kammern, öffnete den Zugang zu dieser Festung. Die Ausgrabungen der Hebräischen Universität haben im vergangenen Sommer begonnen.

Der Text auf der beschrifteten Tonscherbe besteht aus fünf Zeilen, die durch schwarze Linien voneinander getrennt sind. Die Tonscherbe hat eine Größe von ca. 15 x 15 Zentimetern. Die Inschrift wurde auf dem Fußboden eines Gebäudes in der Nähe des Stadttores entdeckt. Der Text wird jetzt von Fachleuten untersucht und entziffert. C14-Datierungen von organischem Material, das im Zusammenhang mit der Inschrift gefunden wurde, und Keramikanalysen verweisen diesen Text in die Zeit des Königs David.

Eine vorläufige Durchsicht der Tonscherbe lässt darauf schließen, dass der Text Teil eines Briefes war und die Begriffe „Richter“, „Sklave“ und „König“ zu finden sind. Das kann darauf deuten, dass diese Zeilen Teil eines Rechtstextes sind, die Hinweise auf hebräisches Recht, die judäische Gesellschaft und deren Glauben geben könnten. Immerhin wird durch diesen Fund deutlich, dass es zu dieser frühen Zeit in Israel trainierte Schreiber gab, die diese Art von Dokumenten anfertigen konnten.

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