Mehr Sein als Schein. Vom Umgang mit einer Krise
Schlüsseltext: 1 Kön 14,25-28
Einleitung:
Notwendigkeit von Krisenmanagement
Krisenmanagement scheint zu allen Zeiten wichtig zu sein, weil Krisen eine beständige Erfahrung des Menschen sind, z.B. in Politik, Kirche, Wirtschaft, Gemeinde, Familie und im persönlichen Leben.
Falsche Entscheidungen können eine Krise heraufbeschwören. Die entscheidende Frage lautet: Wie kommt man heraus? Tatsächlich sind bewältigte Krisen ein Zeichen für Stabilität.
Hauptteil:
Heute drei biblische Bilder einer gesellschaftlichen Krise und mögliche Strategien.
1. Bild: Es ist alles Gold, was glänzt. Der Höhepunkt der Macht
1 Kön 10,14-29: Die Salomo-Gesellschaft auf dem Höhepunkt des Wachstums
- Leiharbeiter und Gastarbeiter – Frondienste, um Städte zu bauen
- Handelsbeziehungen mit Ägypten, Tyrus, anderen arabischen Staaten
- Schiffe, die die Weltmeere befahren
- Pferde aus Ägypten, Wagen
- Gold aus aller Herren Länder
- Schiffe aus Tyrus
- Silber achtete man wie Steine – Dekadenz
- Schilde aus Gold: Zeichen der Sicherheit und Macht: Vers 16-17
Waffen aus Gold? Beim Abschreiten der Ehrenformation präsentiert die Bundeswehr ihre Sturmgewehre aus Gold? Zeichen der Überlegenheit, des nationalen Stolzes
2. Bild: Es ist nicht alles Gold, was glänzt: Die Krise
1 Kön 14,21-26: Der Absturz der Rehabeam-Gesellschaft
- ausgelöst durch falsche Entscheidung
- Ratgeber, die sich verzockt hatten
- Analysten, die die Stimmung in der Gesellschaft unterschätzt hatten
- machtgierige und geldgierige Spekulanten (noch mehr aus den Arbeitern und Bauern herauspressen, noch weniger eigener Lohn, noch weniger Freiheit, noch mehr Überwachung und Abhängigkeit)
Die Folge: Die Regierung wird abgewählt. Die Gesellschaft zerbricht in Parallelgesellschaften. Die Einheit geht verloren. Die Religion wird korrumpiert. Der einstige Verbündete aus Ägypten führt Krieg und plündert das Land.
3. Bild: Krisenmanagement: „Business as usual” oder Reform?
A: Business as usual
1 Kön 14,27-28: Schilde aus Bronze oder Kupfer statt Gold
So tun, als ob. Augen zu und durch? Auch wenn man gegen die Mauer rennt?
- Beispiel aus Gemeinde: kleine Gemeinde in der Nähe von Darmstadt, 5-8 Leute. Gemeindesaal, Podium, Sprechpult, Harmonium, Stuhlreihen, Redeform. Sie spielten Kirche – für uns Predigerschüler schrecklich.
- Wird die Gesellschaft etwas aus der Krise lernen? Wird es Obama gelingen, die Gehälter zu reduzieren? Werden die Hedgefonds kontrolliert? Oder bald wieder „business as usual”?
- Familien – weiter so im inneren Streit?
- Ehen, die keine mehr sind – weiter so?Tragen wir die Blechinsignien des Erfolges von früher vor uns her? Mehr Schein als Sein?
B: Reform
Am 5,4-6; 21-24 – Ruf zur Umkehr: Aufruf zu Recht und Gerechtigkeit
Apg 2,38 – Tut Buße!
In beiden Fällen geht es um eine innere Umkehr.
- Veränderung des Gottesbildes: Gott ist weder rachsüchtig noch nachlässig, sondern barmherzig und gerecht.
- Veränderung des Menschenbildes: Der Mensch ist weder der Herrscher der Welt noch der arme Wurm, sondern das verantwortliche Gegenüber Gottes.
- Veränderung der Wertvorstellung: Weder ist alles gut, was machbar ist, noch ist alles schlecht, was mir nichts nützt – sondern das Gute fördert Würde und Menschlichkeit.
- Veränderung des Handelns: weder „unterm Strich zähl ich” noch „ich bin nur ein Strich”, sondern abwägen: Was will ich, was brauche ich, was tut dem anderen gut, wie kann das Gemeinsame gelingen? Eher mit Fehlern rechnen als sie suchen und tadeln, großzügig sein und freundlich im Umgang. Nicht so viel Schein, sondern mehr Sein.
- Umkehr als Chance – Rö 2,4
Schlussbild: Der Segen Gottes für die bewältigte Krise durch Umkehr: Hos 14,2-10
|