Glaube und Marktwirtschaft – Stichwort: Rezession
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Seit dem Beginn der Finanzkrise ist das Wort „Rezession“ in aller Munde. Es beherrscht die Nachrichten und ist dazu geeignet, dass wir mit mulmigem Gefühl in die Zukunft schauen. Wir wissen nicht genau, was kommt, und manchem macht das Angst. Medien und Politik warnen massiv vor einem Abschwung und davor, dass es uns in diesem Jahr erheblich schlechter gehen wird, dass wir unseren Gürtel enger schnallen müssen. Unser Wohlstand, die Zukunft unseres Arbeitsplatzes scheint davon abzuhängen, wie lange die Rezession anhält und wann es zum nächsten Aufschwung kommt. Viele Menschen reagieren darauf, indem sie beispielsweise weniger Autos kaufen, insgesamt weniger konsumieren und versuchen, ihr Geld zusammenzuhalten. Die Sorgen sind groß. Das Ankündigen von Entlassungen, die unsichere Lage bei einigen großen Autoherstellern scheint zu bestätigen, dass irgend etwas im Argen liegt. All das zeigt, wie sehr unser Alltag von den Wirtschaftsmeldungen abhängig ist, wie sehr die Wirtschaft Einfluss auf unser Wohlbefinden hat. Rezession im volkswirtschaftlichen Sinne „bezeichnet eine Periode, in der das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP)1 zumindest zwei Quartale in Folge zurück geht.“2 Das ist in Deutschland der Fall. Wir befinden uns in einer Rezession, zumindest nach dieser Definition. Die Verkündigung der Arbeitslosenzahlen für den Monat Januar mit einer Steigerung um knapp 400.000 scheint das eindrucksvoll zu bestätigen. Der Wettbewerb um Konjunkturprogramme weltweit erhärtet die Vermutung ebenfalls: Wir sind in einer Krise. Aber wie schlimm wird es wirklich? Befinden wir uns vor einem Absturz, stehen wir vor einem Zusammenbruch der Wirtschaft, ist die Angstmache in den Medien und in der Politik berechtigt? Ein Rückgang des BIP von 2,5% im Jahr 2009 wird derzeit prognostiziert3. Mit dieser Zahl können wir die ganze Sache etwas relativieren. „Selbst wenn die Befürchtung stimmt, dass die Volkswirtschaft im Jahr 2009 um drei Prozent kleiner wird, dann produziert sie immer noch etwa so viel wie im Jahr 2006, im ersten echten Aufschwungsjahr dieses Jahrzehnts. Ernst zu nehmende Ökonomen meinen sogar, nach Boomjahren bedürfe es eines solchen Abschwungs, um die Wirtschaft wieder zu reinigen.“4 Die Arbeitslosenzahl wurde von der Arbeitsagentur mit maximal 4.000.000 im Jahresdurchschnitt prognostiziert5, weit weniger, als wir Mitte dieses Jahrzehnts zu beklagen hatten. Es gibt also noch eine andere Brille, durch die man die Nachrichten bewerten kann. Ist also alles doch nicht so schlimm, wie manche unken? Die Nachrichten und Prognosen sind sehr unterschiedlich, welchen soll man glauben? Und Menschen reagieren verschieden auf die Fülle der Informationen und Meinungen: Die einen sehen schwarz, die anderen blicken etwas optimistischer in die Zukunft. Was bedeutet das nun für gläubige Menschen, wie können Christen mit diesen Meldungen, Realitäten und Vermutungen umgehen? Es stimmt, in den Zeiten der Krise trifft es den einen und der andere spürt nichts davon. Die einen hat die Finanzkrise und die daraus folgende Konjunkturkrise zu Verlierern gemacht. Andere profitieren von der Krise oder arbeiten in einer Branche, der es gut geht. Wie dem auch sei: Die Bibel ermutigt den Gläubigen, sich nicht abhängig zu machen von guten oder schlechten Wirtschaftsnachrichten und Prognosen, von guten oder schlechten Zeiten, die es fraglos gibt. Der Apostel Paulus bezeugt eindrucksvoll seine Unabhängigkeit: „Ich habe gelernt, mit dem zufrieden zu sein, was ich habe. Ob ich nun wenig oder viel habe, ich habe gelernt, mit jeder Situation fertig zu werden: Ich kann einen vollen oder einen leeren Magen haben, Überfluss erleben oder Mangel leiden. Denn alles ist mir möglich durch Christus, der mir die Kraft gibt, die ich brauche.“ (Phil 4,11-13, Neues Leben). Die Botschaft ist klar: Es ist alles eine Frage der Einstellung. Für Christen hängt ihr Wohlbefinden nicht vom Börsenkurs ab, sondern von der Kraft Gottes. Das ist eine große Herausforderung für Gläubige. Nicht Finanzkrise, Rezession und düstere Konjunkturprognosen sollen das Leben bestimmen, sondern das Vertrauen in den Gott, der für den Gläubigen sorgt und jedem die Kraft gibt, Situationen zu bewältigen. Diese Zuversicht und Hoffnung bedeutet, gegen den Strom der Zukunftsangst zu schwimmen, mit dem wir tagtäglich überflutet werden; bedeutet, im Alltag das Evangelium – die gute Nachricht Gottes von einem Gott, der sich kümmert – zu leben und zu glauben. Diesen Optimismus und dieses Vertrauen braucht der Mensch, mehr denn je. 1 Bruttoinlandsprodukt: „Wert aller Waren und Dienstleistungen, die in einem Jahr innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft durch In- und Ausländer produziert wurden.“ Brockhaus in drei Bänden, Leipzig 32004, Seite 344 2 Samuelson/Nordhaus, Volkswirtschaftslehre, Wien (Ueberreuter) 151998, Seite 639 3 Quelle: IWF-Prognose vom 29.01.2009: http://www.dw-world.de/dw/article/ 0,,3983710,00.html, heruntergeladen am 01.02.2009 4 Heuser, Was läuft noch, in: DIE ZEIT, Ausgabe vom 31. Dezember 2008, Seite 19 5 Quelle: Tagesschau: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitslosenzahlen112.html, heruntergeladen am 01.02.2009 |
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