Internationale Sozialwissenschaften – Eine Disziplin mit weltweit zunehmender Bedeutung

von Horst Rolly

Die Regelstudienzeit des Masterstudienganges International Social Sciences (M.A. ISS) an der Theologischen Hochschule Friedensau beträgt vier Semester (zwei Jahre), inklusive eines achtwöchigen Praktikums, das in der vorlesungsfreien Zeit zu absolvieren ist. Allgemeines Qualifikationsziel ist die Entwicklung der Fähigkeit, Sachlagen, Bedürfnisse und Probleme lokaler und regionaler Kontexte in einem weltweiten und ganzheitlichen Zusammenhang zu sehen, dafür wissenschaftlich fundierte Problemlösungsansätze zu entwickeln und sie praktisch umzusetzen.

Der M.A. ISS ist interdisziplinär konzipiert und verbindet Sozial-, Wirtschafts-, Kultur- und Rechtswissenschaften, Sozialpädagogik, Entwicklungszusammenarbeit und Friedens- und Konfliktforschung für das Berufsbild des internationalen Sozial- und Projektmanagements. Das Zusammenwachsen Europas, die Globalisierungstendenzen und die zunehmenden Interdependenzen zwischen Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländern hinsichtlich wirtschaftlicher und technologischer Entwicklung, grenzüberschreitender Ökologie, der Koordination sozialer und kultureller Systeme und einer neuen Weltordnungspolitik benötigen im Rahmen der Anforderungen eines „Global Governance” international und interkulturell einsetzbare Handlungskompetenzen. Die Chancen der weltweiten Solidarität, der Universalisierung der Menschenrechte und des friedlichen Zusammenwachsens der Völker auf der Basis sozialer Gerechtigkeit und Freiheit sind begleitet von Problemkonstellationen ausgrenzender Armut, ethnischer Konflikteskalation und einem weltweiten Flüchtlingsproblem. Diese sind nur mit Methoden, Arbeitsansätzen und Handlungsstrategien angewandter Sozialforschung auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene zu lösen.

Lehrende verfügen über internationale Erfahrungen besonders in der zivilgesellschaftlichen Organisation von sozialen Dienstleistungen im Umfeld von Planung, Management und Evaluation von Katastrophenhilfe- und Entwicklungsprojekten. Das zivilgesellschaftliche Engagement der Studierenden ist durch die enge Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Nichtregierungsorganisationen (NRO) gewährleistet. Das an der Hochschule angesiedelte Institut für Entwicklungszusammenarbeit er­mög­licht ein breites Betätigungsfeld für die praktischen Forschungsschwerpunkte der Lehrenden und stellt Praktikumsplätze für Studierende bereit. Das Institut führt auf Anfrage und im Auftrag u.a. wissenschaftliche Bedarfsanalysen, Evaluierungen und technische und wirtschaftliche Durchführbarkeitsanalysen von Entwicklungsprojekten durch. Aufträge kommen von Partnerorganisationen der freiwilligen Entwicklungszusammenarbeit und von multinationalen Konzernen. Daneben ist das Institut aktiv in eine Anzahl von laufenden Entwicklungsprojekten involviert (Planung, wissenschaftliche Begleitung und Evaluierung). Studierende haben die Möglichkeit, selbstständig in diesen Projekten mitzuarbeiten oder Lehrende bei ihren Projektbesuchen zu begleiten.

Eine Auswahl der vom Institut für Entwicklungszusammenarbeit in Angriff genommenen und wissenschaftlich begleiteten Projekte: Bau von geodätischen Kuppelbauten als Erdbeben-Rehabilitations- und Wiederaufbaumaßnahme in Gubal (Indien); verschiedene ländlich integrierte Entwicklungs- und Berufsbildungsprojekte in Indien (Champhai, Rajamundy); partizipatorische Planung städtischer Sozialdienste in Yuci (China); gewaltfreie Konfliktbearbeitung unter Serben, Kroaten, Bosniaken und Roma im ehemaligen Kriegsgebiet Lika (Kroatien); Planung, Management und Evaluierung eines Projektes zur Verbesserung der schulischen Situation im ländlichen Umfeld von Andhra Pradesh als Vorbeugungsmaßnahme gegen Kinderarbeit (Indien); der Minderheitenschutz bei den Vereinten Nationen und praktische Umsetzung in multiethnischen, -linguistischen und -kulturellen Regionen. Daneben ist das Institut als ausbildende Einrichtung involviert im „Weltwärts“-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und in Qualifizierungsmaßnahmen für Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen im Ausland und in der BRD.

Die Studieninhalte des M.A. ISS lassen sich in fünf Arbeitsfelder aufteilen, die die Säulen des internationalen Sozialmanagements darstellen:

  • Entwicklungszusammenarbeit (partizipatorische Planung, Management und Evaluierung von nachhaltigen Entwicklungsprojekten)
  • humanitäre Hilfe bei Naturkatastrophen
  • Armutsbewältigung, einkommensfördernde Maßnahmen, Mikrofinanzierung, Spar- und Kreditwesen
  • gewaltfreie Konfliktbearbeitung, Friedensforschung, Krisenbewältigung
  • Menschenrechtsarbeit

Die Berufsbilder des Magisterstudienganges Internationale Sozialwissenschaften beinhalten:

  • Sozialmanagement in der Entwicklungszusammenarbeit und der Katastrophenhilfe im internationalen Umfeld von Nichtregierungsorganisationen, Mitarbeit an staatlichen und multilateralen Einrichtungen und Entwicklungsdiensten
  • wissenschaftliche Planung, Management und Evaluierung von nachhaltigen (selbstunterhaltenden, sozial- und umweltverträglichen) Entwicklungsprojekten in unterschiedlichen Sektoren (Landwirtschaft, handwerkliche Berufsausbildung, Gesundheitsversorgung etc.)
  • Menschenrechtsarbeit für ethnische, religiöse und linguistische Minderheiten, für bedrohte Völker und für bedürftige Menschen in wirtschaftlicher Ausbeutung und politischer Unterdrückung, Verantwortung in zivilgesellschaftlichen Demokratisierungsprozessen
  • programmatische Armutsbewältigung, Entwicklung von Micro-credit-Systemen, Institutionenbildung für soziale Sicherung im informellen Sektor
  • institutionelles Sozialmanagement, z.B. von Waisen- und Armenhäusern, Behindertenwerkstätten, Sonderschulen
  • zivilen Friedensdienst, internationales Konfliktmanagement, gewaltfreie Konfliktbearbeitung, Mediation
  • aktive Beteiligung in verschiedenen Verantwortungsbereichen des Global Governance, der internationalen Wirtschaftsordnung, des Weltinnenrechts

Der Masterstudiengang International Social Sciences (Internationale Sozialwissenschaften) wird seit dem Wintersemester 2008/09 in englischer Sprache angeboten. Die für die Zulassung erforderlichen Sprachkenntnisse können neben Gymnasial- oder Hochschulabschluss mit Englisch als Unterrichtsmedium mit einem Test of English as a Foreign Language (TOEFL) oder dem International English Language Testing System (IELTS) nachgewiesen werden. Sprachtests für die Zulassung werden vom Institut für Sprachen an der Hochschule durchgeführt.

Der Abschluss eines Fachstudiums an einer Universität oder gleichgestellten Hochschule oder Fachhochschule in Deutschland oder ein gleichwertiger Studienabschluss in Sozialer Arbeit, Sozialarbeit/Sozialpädagogik, Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft, Ethnologie, Geographie, Wirtschaftswissenschaften, Erziehungswissenschaften und Soziologie wird vorausgesetzt und durch Staatsexamen, Master-, Bachelor-, Diplom-, Magisterprüfung oder Promotion nachgewiesen. Auf Antrag können auch andere Studiengangsabschlüsse als Äquivalent durch den Prüfungsausschuss als gültige Voraussetzung anerkannt werden.

Folgend eine Übersicht der Module des M.A. ISS:

Introduction to International Social Management
(compulsory, 5 credits)

Theories of social development
(compulsory, 5 credits)

Complex qualitative social research
(Part I) (elective, 5 credits)

Complex qualitative Research
(Part II) (elective, 5 credits)

Complex quantitative social research
(Part I) (elective, 5 credits)

Complex quantitative social research
(Part II) (elective, 5 credits)

Special social research
(elective, 5 credits)

Poverty analysis and poverty alleviation
(compulsory, 5 credits)

Human rights in social work
and development cooperation
(compulsory, 5 credits)

Comparative religion
and development politics
(elective, 5 credits)

International and comparative
studies of applied social science
(elective, 5 credits)

International and
comparative education
(elective, 5 credits)

Globalisation and
global governance
(elective, 5 credits)

Gender and social development
(elective, 5 credits)

Social security systems in developing,
take-off and transformation countries
(compulsory, 5 credits)

International peace
and conflict research
(compulsory, 5 credits)

Participatory planning, management
and evaluation of development projects
(compulsory, 10 credits)

Theories and practical relevance of related
sciences in development cooperation
(elective, 5 credits)

Working approaches and models
to resolve social problems in
developing countries
(elective, 10 credits)

Macro and microeconomic
factors of development,
micro credit projects
(compulsory, 10 credits)

Disaster response
and humanitarian aid
(compulsory, 5 credits)

Tropical medicine
(compulsory, 5 credits)

International research and
development of social science
(elective, 5 credits)

Practical training
(compulsory, 10 credits)

Research oriented master thesis
(compulsory, 20 credits)                                

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