Kulturarbeit in der Bibliothek der Theologischen Hochschule Friedensau
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Kulturarbeit und Bibliothek, wie passt das zusammen? Ist die „Bibliothek“ nicht eine „Büchersammlung“, so wie es die Übersetzung aus dem Griechischen besagt? Sie ist eine Sammlung von Büchern und Zeitschriften, in der man heute auch Videos, CDs und DVDs findet und über das Internet Zugriff auf verschiedene elektronische Medien hat. Alle diese Medien ermöglichen den Zugang zum Wissen vieler Generationen. So sind Bibliotheken Orte, die „das kulturelle Erbe der Menschen“ bewahren.1 Aber das ist längst nicht alles, was eine Bibliothek zu bieten hat. Der antike Philosoph Platon war der Ansicht, „dass Bücher zur Wissensvermittlung nicht ausreichen“, dass der Lerngewinn nicht durch das Lesen, sondern durch das Gespräch geschieht.2 Schriftliche Texte brauchen „einen ‚Helfer’ und ‚Korrektor’, der sie der Situation und dem Niveau der Zuhörerschaft anpasst.“3 So wird über Bibliotheken das um-fangreiche Wissen erschlossen und vermittelt, sind Bibliotheken auch als „Orte der interkulturellen Kommunikation und Begegnung zu verstehen“.4 Deshalb führt das Team der Bibliothek der Theologischen Hochschule seit 1995 Lesungen durch und stellt relevante Themen zur Diskussion. Die ersten Lesungen nannten sich sogar „Begegnung in der Bibliothek“. Seit 15 Jahren treffen sich hier Studierende und Bewohner des Ortes, Hochschulangehörige und Menschen aus der Umgebung zum Hören und zum Gespräch. So gab es Lesungen ganz unterschiedlicher Prägung: Autoren-Lesungen, in denen z.B. der Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz seine Publikationen vorstellte; Lesungen über berühmte Persönlichkeiten, wie z.B. über den Theologen und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer oder den Schriftsteller Erich Kästner; ebenso Themen-Lesungen zu aktuellen Ereignissen und Anliegen der Gesellschaft, z.B. die Lesung zum 70. Jahrestag der Pogromnacht, in der aus bewegenden Berichten von Zeitzeugen gelesen wurde. Die Vorbereitung und Organisation dieser kulturellen Veranstaltungen wird seit 2002 von jungen Leuten durchgeführt, die ein freiwilliges soziales Jahr im kulturellen Bereich absolvieren. „Freiwilliges Engagement bietet Jugendlichen die Möglichkeit, Gesellschaft aktiv mitzugestalten“, heißt es auf der Internetseite der FSJ-Kultur.5 Als im Oktober des vergangenen Jahres die Aktionswoche der Bundesregierung „Deutschland liest. Treffpunkt Bibliothek“ ins Leben gerufen wurde, hatten diese Jugendlichen die Idee, eine Lesenacht für Kinder anzubieten, und sie wurde ein großer Erfolg. Über 30 Kinder kamen aus Friedensau und der Umgebung und erlebten eine interessante und spannende Nacht. Diese Lesenacht war nicht nur eine Möglichkeit, Kinder in die Bibliothek zu holen und sie Kultur erleben zu lassen, sie war auch eine generationenübergreifende Veranstaltung. Sie wurde von Jugendlichen für Kinder organisiert, von Studierenden und Bewohnern des Ortes mitgestaltet und Senioren haben vorgelesen. So ist die Bibliothek der Theologischen Hochschule Friedensau nicht nur eine Büchersammlung oder ein Wissensspeicher, sondern auch ein Ort, an dem Kultur lebt. 1 Claudia Lux: „Redebeiträge“, in: Gesprächskreis Kultur und Politik, Forum Ostdeutschland der Sozialdemokratie e.V. (Hrsg.): Mehr als Bücher: Die Zukunft der Bibliotheken (nicht nur) in Ostdeutschland. Dokumentation der 3. Kulturwerkstatt Ost, 21. Oktober 2004. Berlin 2005, S. 15. 2 Dorothea Frede: „Mündlichkeit und Schriftlichkeit: von Platon zu Plotin“, in: Gerhard Sellin und François Vouga (Hrsg.): Logos und Buchstabe: Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Judentum und Christentum der Antike, TANZ 20. Tübingen: Francke Verlag 1997, S. 38. 3 Frede, S. 35. 4 Lux, S. 15.5 http://www.fsjkultur.de (Zugiff: 02.03.2009). |
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