"Wie hast du's mit der Religion?"
Agnostische Gedanken über Gott
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Als die DIALOG-Ausgabe „Gottesbilder“ geplant wurde, erklärte ich mich sofort bereit, etwas über den Atheismus zu schreiben. Ich bin doch auch Atheist, dachte ich. In meinem Elternhaus wurde ich nie in irgendeiner Weise religiös erzogen, trotz der Tatsache, dass mein Vater getauft wurde. Allerdings steht meine Mutter der Kirche kritisch gegenüber. Ich bin da eher aufgeschlossen. So kam es auch, dass ich bei Recherchen zu diesem Thema auf den Begriff „Agnostiker“ gestoßen bin. Agnostizismus – der Glaube an Gott ist möglich, selbst wenn man die Möglichkeit der rationalen Erkenntnis Gottes verneint. Oder, um es mit den Worten des Sophisten Protagoras auszudrücken: „Von den Göttern weiß ich nichts, weder dass es solche gibt, noch dass es keine gibt.“ Und je mehr ich mich mit diesem Begriff auseinandersetzte, desto mehr merkte ich, dass ich eher Agnostiker als Atheist bin. Der SPIEGEL schrieb einmal im Jahre 1980: „Je jünger die Deutschen sind und je besser ihre Schulbildung ist, desto häufiger erklären sie, religiöse Fragen seien ihnen unwichtig“. Trifft das auf die heutige Jugend noch zu? Auf mich persönlich jedenfalls nicht. Ich habe das Gymnasium besucht und im Juni 2008 mein Abitur abgelegt. Aufgrund dieser Schulbildung bin ich doch noch eher offen religiösen Fragen gegenüber, als Gott grundsätzlich zu verneinen. Zudem ist es auch eine Sache der Erziehung aus dem Elternhaus, inwieweit einem religiöse Fragen wichtig sind. Ich habe aber erlebt, wie zwei Mitschüler von mir aufgrund ihres christlichen Glaubens ausgegrenzt und gemobbt wurden. Für mich war diese Intoleranz nicht nachvollziehbar. Nun kam ich also nach Friedensau, um mein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur im Referat für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zu absolvieren, wo ich in eine ganz andere Welt, nämlich die des Glaubens, eintauchte. Zu Anfang schien mir dies alles doch recht befremdlich. Doch mit der Zeit lernte ich die Gepflogenheiten kennen und erfuhr, wie Christen leben. Als ich mit der Hochschule den Evangelischen Kirchentag in Bremen besuchte, überraschte mich, wie viele jugendliche Christen sich dort trafen, wie freundlich allesamt miteinander umgingen und wie aufgeschlossen sie Fremdem und Fremden waren. In meinem Umfeld glauben Jugendliche selten an Gott. Warum ist das so? Meiner Meinung nach fällt die Medienberichterstattung ins Gewicht. Täglich überwiegen die schlimmen Nachrichten, in denen von Familientragödien, Naturkatastrophen, Terroranschlägen und Amokläufen berichtet wird. Ich sah vor Kurzem ein Bild, auf dem sich ein Mann mit dem Schild „Gott, wo warst du?“ vor der Schule in Winnenden postierte. Mir schien es nachvollziehbar, welche Trauer, welche Wut dieser Mann empfunden haben muss und dass dieses Verbrechen Zweifel an der Existenz Gottes ausgelöst hat. Andererseits sieht man immer wieder, dass gerade nach solch grausamen Taten die Kirchen voller sind. Viele Menschen suchen einen Halt und finden ihn im Glauben. Eine Ambivalenz, welche zeigt, wie schwierig doch die Positionierung eines Agnostikers ist. Für mich ist es also verständlich, wenn für Menschen die Welt auch ohne Gott erklärbar ist, gerade weil es so viel Leidvolles gibt. Trotzdem nehme ich wahr, dass Christen mit ihrem Glauben eine Hoffnung über die Situation hinaus haben – und das ist auch gut so! |
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