Die Predigtwerkstatt Nr. 41
eine Predigtidee von Johann Gerhardt
Visionen braucht der MenschPredigttext: Mt 5,13-16 Einleitung: Visionen haben uns vorangebrachta) Seit alters Traum vom Fliegen (Dädalus und Ikarus)Vor Jahrhunderten noch ein lächerliches Gehüpfe – siehe der Schneider vom Ulm, der in der Donau landet. Dann kommen die Gebrüder Wright, ein Junkers in Dessau. Heute fliegt der Mensch bis in den Weltraum. Visionen braucht der Mensch.b) Kommunikation zwischen Menschen ist wichtigFrüher nur mündlich durch Erzählung in Familie, später schriftlich auf Ton oder Papyrus, Bücher. Heute fernmündlich und fernschriftlich per Internet und E-Mail. Visionen braucht der Mensch.c) Andere Beispiele, was Visionen bewegen: Berge bezwingen (Messner), Wüsten erkunden und die Arktis und Antarktis durchqueren (Arved Fuchs), an die Nordwestpassage glauben, den Krebs besiegen. Visionen braucht der Mensch.Barack Obama in Dresden und Buchenwald, der erste schwarze Präsident der USA. Es begann mit einer Vision. Am 28. August 1963, vor 250.000 Menschen, der „Marsch für Arbeit und Freiheit”, die Rede von Martin Luther King. „Ich habe einen Traum“, so rief er in die Menge, „dass sich eines Tages diese Nation erheben und die wahre Bedeutung ihres Bekenntnisses ausleben wird, das da lautet: Alle Menschen sind gleich geschaffen ... Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt. Ich habe einen Traum, heute.” Hauptgedanken:I. Visionen sind nötig wegen derHerausforderungen des LebensDer Jugendliche auf dem Weg von der Schule in den Beruf, die Frau nach der Scheidung, ein Autobauer vor dem Aus, ein Land vor einer Bundestagswahl, eine Gemeinde auf der Suche nach ihrer Identität, eine Hochschule auf dem Weg in die Zukunft, eine Gesellschaft in beständiger Veränderung. II. Was Visionen sindInnerer Motor, mehr als Zustimmung, Pflicht, Gehorsam. Inneres Licht, weiterer Blick.Griff nach den Sternen mit einer Hand, während die andere die Wirklichkeit umfasst.Nicht problemorientiert („was nicht geht”), sondern möglichkeitsorientiert („was gehen soll und wird”).Nicht Zweifel, sondern Glaube (Hbr 11).Nützen sich mit der Zeit ab (Kirche wird Apparat statt Bewegung, beschäftigt sich zunehmend mit sich selbst – siehe Volk Israel: Erstarrung durch Königtum und Priestertum, Vision durch Propheten). Woher nehmen? Aus eigenem Antrieb: Künstler, Forscher, Propheten, Philosophen. Wir als Christen: gemeinsame Vision durch Christus. III: Die Vision Jesufür sich persönlich: „Des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.” für seine Jünger: „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5) Die Wirklichkeit? Quantität: zwölf Männer = unbedeutend Qualität der Jünger: mangelhaft Bildung: keine Elite Finanzkraft: unerheblichpolitischer Einfluss: keinerlogistische Struktur als Bewegung: keine Jesus beginnt mit der Wirklichkeit, mit den Zwölfen, und pflanzt den Jüngern die Sehnsucht nach mehr ins Herz. Die Jünger kommen nicht mit, verstehen ihn falsch, sind enttäuscht, dass es nicht schneller geht, dass es anders kommt. Ihre Pläne gehen nicht auf. Doch Jesus gibt nicht auf. Redet vom Reich Gottes, das klein beginnt und groß werden wird. Er lebt seine Vision vom Reich Gottes und Menschen beginnen das Große zu ahnen. „Selig sind, die Frieden stiften – sie werden das Erdreich besitzen”, und nicht die „Heuschrecken“ und Raffgierigen – was für eine Vision. „Selig sind, die Leid tragen, denn sie werden verstehen, was Trost ist, und werden Trost empfangen.“ „Gott wird abwischen alle Tränen. Kein Tod, kein Leid, kein Unrecht.” Welche Vision! Welche Kraft! Selbst am Kreuz teilt er seine Vision mit: „Du wirst mit mir im Paradies sein.” Und als Auferstandener teilt er seinen Jüngern noch einmal die Welt zu: „Gehet hin in alle Welt, ihr seid das Salz. Lehrt sie, tauft sie. Macht zu Jüngern alle Völker. Ihr seid das Licht. Und ich bin immer bei euch.” Als Gegenwärtiger in unserer Versammlung übermittelt er die Vision für uns: „Ihr seid Salz der Erde, Licht der Welt.” Wir schauen nach der Zahl, nach der Qualität, nach den Finanzen, nach dem politischen Einfluss, nach der logistischen Struktur. Wir haben mit Recht Zweifel an uns. Aber wir glauben es, einfach, weil Jesus es sagt. Uns heute hier und allen seinen Kindern durch den Lauf der Zeiten bis an das Ziel der Welt. IV. Visionen und PläneEin Merksatz: „Meißele deine Visionen in Stein, schreibe deine Pläne mit Bleistift”. Hier ist die Priorität gesetzt. Ziele, Pläne und Aktionen fließen aus der Vision. Sie sind Umständen unterworfen, der Zeit, den Personen – aber die Vision ist das Entscheidende. Ist sie abhandengekommen, haben die Pläne kein Ziel, die Aktionen keine Begründung, die Fehler keinen Lernerfolg. Auch wir müssen Pläne mit Bleistift schreiben, verändern, verwerfen, neu konzipieren. Aber wir glauben beharrlich an die Vision Jesu. Wir meißeln sie in Stein und geben nicht auf. Neulich las ich im Zug ein Wort von Seneca, das lautete: „Nicht weil die Dinge so schwierig sind, packen wir sie nicht an, sondern sie sind so schwierig, weil wir sie nicht anpacken.” Schlussgedanke:Jesus hat angepackt, weil er eine Vision hatte. Seine Jünger haben angepackt, weil sie eine Vision hatten. Unsere Väter und Mütter haben angepackt, weil sie eine Vision hatten. Wir packen an, weil wir eine Vision haben. |
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