Glaube und Marktwirtschaft
Stichwort: Ethik-TÜVDie Finanzmarktkrise in den letzten Monaten hat uns die Abgründe unserer Gesellschaft gezeigt. „Angst“ und „Gier“ wurden häufig genannt als Motivation für die Akteure an den Börsen, in Banken und Investmentfonds. Die Folge war der Zusammenbruch des ganzen Systems. Zudem wurden wir parallel mit zahlreichen Bestechungs- und Bespitzelungsaffären konfrontiert. Und das bei Vorzeigeunternehmen unseres Landes wie der Telekom, der Bahn, Siemens oder VW. Es liegt im Argen mit Ethik und Moral in unseren Breiten. Und wir können nicht sicher sein, ob die Firmen – Lieferanten oder Kunden – ehrlich und aufrichtig sind oder ob sie uns nur über den Tisch ziehen wollen. Wem können wir noch vertrauen? Politiker und Institutionen versuchen mit besseren Kontroll- und Steuerungsmechanismen, mit neuen Regelungen und Gesetzen zu erreichen, dass solche Exzesse in Zukunft nicht mehr passieren. Ob das gelingt? Erstaunlicherweise bietet eine Institution eine Lösung an, von der wir das nicht erwartet hätten. Neben den üblichen Zertifizierungen von Produkten und Dienstleistungen überprüft der TÜV-NORD neuerdings auch das Ethik-Management von Firmen. Ziel ist es, dass Unternehmen auf dem Markt ihr Image aufpolieren, um für ihre Geschäftspartner vertrauenswürdig zu werden. Und das garantiert, bescheinigt mit der bekannten Qualität des TÜV und nach streng objektiven Kriterien, nach DIN ISO 9001 oder DIN ISO 140001. „Eine erfolgreiche Zertifizierung ist eine Verpflichtung für das Management und ein Ansporn für alle Mitarbeiter ... Es animiert dauerhaft dazu, dass festgelegte ethische Prinzipien und Verhaltensweisen gelebt und in der Praxis umgesetzt werden“, so heißt es in dem Flyer des TÜV2. Das geschieht in Kooperation mit dem Ethikverband der Deutschen Wirtschaft e.V., der sich seinerseits durch seine Aktivitäten zum Ziel gesetzt hat, „die Verträglichkeit von Profit und Moral sicher [zu] stellen.“3 Wer sich dem Auditing erfolgreich unterzogen hat, kann sich bald als stolzer Besitzer einer Urkunde bezeichnen, „die die eigene ethische Unanfechtbarkeit bezeugt“4. Kann man durch solche Maßnahmen den ethischen und moralischen Zustand unserer Welt verbessern? Ich bin skeptisch. Natürlich kann man durch neue Gesetze und Regelungen mehr Transparenz und Klarheit in die verschiedenen Prozesse bringen. Das ist dringend notwendig. Durch die Schaffung neuer Straftatbestände mag sich der eine oder andere von seinen undurchsichtigen Machenschaften abhalten lassen. Aber der menschliche Charakter kann durch Gesetze nicht verändert werden. Menschen, die nach Profit und Macht streben, sind kreativ genug, Gesetze zu umgehen oder Regelungen auszuhebeln. Die Bibel fällt ein hartes, aber wohl realistisches Urteil über den Menschen: „Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf“ (Genesis 8,21). Der Mensch ist in die Sünde und Schuld verstrickt und kann sich daraus selbst nicht befreien (vgl. Römer 3). Aber es gibt einen Ausweg. Der Apostel Paulus formuliert einfach und klar: „Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“ (2 Ko 5,17). Neues ethisches Handeln geschieht nicht durch die eigene Kraft, nicht durch neue Gesetze oder Maßnahmen zur Qualitätssicherung. Es geschieht nur dadurch, dass sich Menschen von Gott beeinflussen und verwandeln lassen. „Aus eigener Kraft können wir uns nicht aus der Fallgrube der Sünde befreien, denn das Böse steckt im Herzen, und das können wir nicht ändern ... Das bringt nur einer zustande: Jesus Christus ... Neues Leben bleibt ein Wunschtraum, wenn wir nicht zulassen, dass Gott unser Herz erneuert“5, so erklärt Ellen G. White die biblische Botschaft. Der verzweifelte Versuch von Politik und globalen Institutionen, das unverantwortliche und unethische Handeln der Akteure der Wirtschaft in den Griff zu kriegen, wird scheitern, wenn nicht der Mensch bereit ist, sich von „oben“ verändern zu lassen. Die Kraft zum ethischen Handeln kommt von Gott und seinem Geist, und nur dann, wenn wir uns für sein Wirken öffnen. 1Die Internationale Standardisierungsorganisation (ISO) plant 2010 eine neue IS0-Richtlinie (ISO 26000) zum Thema der sozialen Verantwortung (Social Responsibility) zu veröffentlichen, in der auch die Fragen zur Ethik behandelt werden sollen: http://isotc.iso.org/livelink/livelink/fetch/2000/2122/830949/3934883/3935096/home.html?nodeid=4451259&vernum=0, heruntergeladen am 31.05.2009 2www.tuev-nord-cert.de, Unsere Dienstleistungen, Von A-Z, Stichwort: Ethik 3www.ethikverband.de, Stichwort: Verein 4Siehe auch Beitrag im Deutschlandfunk in: Kultur heute vom 06.05.2009: www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/96118 5Ellen G. White, Der bessere Weg, CD-ROM-Ausgabe, ³1996, Seite 17 |
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