Die Predigtwerkstatt Nr.42

eine Predigtidee von Johann Gerhardt

Predigtthema:

Ich weiß, woran ich glaube

Predigttext: Dan 3,16-18

Predigtidee: Der eigene Standpunkt des Glaubens ist in einer offenen Gesellschaft wie der gegenwärtigen nötig, um Orientierung zu finden und anderen Orientierung zu geben. Die Frage ist, unter welchen Voraussetzungen die Herausbildung eines überzeugten Glaubens gelingt. Als biblisches Beispiel wird der Staatsmann Daniel gewählt in der Krise der Zwangsanbetung des Standbildes in Dan. 3.

Predigtaufbau:

Einleitung:

Persönlicher Eindruck bei mancher Begegnung mit Christen-Adventisten: einerseits fröhliche Menschen bei Festen (Hochzeit usw.), andererseits bedrückte Christen (Gottesdienst) – Zeichen der versteckten Sehnsucht nach Freiheit, aber auch der Angst, etwas falsch zu machen. Fehlen einer eigenen Überzeugung, eines selbständigen Glaubens. Wichtig, in einer Krise, in einem Übergang, gesellschaftlich wie persönlich.

I. Wie bekommt man diesen festen Standpunkt?

1. Verengte Ideologie – unreflektierte Nachfolge

 - starres Weltbild

- negatives Menschenbild

- Gesetze

- absoluter Gehorsam ohne Eigenverantwortung

- Strafe und Belohnung

- Feindbilder

- elitäres Bewusstsein

Bsp.: Nazis, Terroristen, Sekten politisch/religiös, Splittergruppen innerhalb der STA

Paulus bewertet diesen Standpunkt in 1 Kor 13,1ff als nichtig. Selbst das Hingeben des eigenen Lebens als Zeichen der Grundsatztreue zählt in den Augen Gottes ohne die Freiheit der Liebe nichts. Dies ist eine radikale Ablehnung der unreflektierten Nachfolge.

2. Reflektierter Glaube mit innerer Gewissheit

- offenes Weltbild

- differenziertes Menschenbild: EGW: „Mensch hat Neigung zum Bösen, Verlangen nach dem Guten.”

- Prinzipien

- innere Motivation

- Toleranz

- interaktives Bewusstsein

Bsp. Daniel: In jüdischer Familie traditionell erzogen. Werte in seiner Erziehung, kindlicher Glaube. Weitläufige Bildung in Babylon (Philosophie – Ursprung der Welt, Ethik), bekannt als einer der Sterndeuter und Weisen (Weltbild – Religion), Politiker – mit Vollmachten und „Draht” zum König.

Glaube und Krise: Dan. 3: Zwang zur Anbetung des Götterbildes. Reaktion:

- aus innerer Gewissheit kann er stehen bleiben

- nicht Angst, sondern Vertrauen in Gott (nicht: „wir dürfen nicht anbeten”, sondern: „wir wollen nicht anbeten” = Zeichen innerer Freiheit)

- nicht blinder Gehorsam, sondern Integrität als höchstes Gut

- keine äußere Kontrolle, sondern innere Bindung

- nicht Zwang, sondern Freiheit

Weitere Vertiefung durch NT:

Paulus: Gal 5,1: Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Nicht mehr unter das Joch als Knecht.

Paulus beklagt, wie schnell die Galater sich wieder abwenden vom Evangelium, obwohl er ihnen „Christus vor die Augen gemalt” hat.

Der Weg zur Freiheit geht nicht über Sinai, sondern über Golgatha.

Johannes: 1. Johannes 3,16-19: „Wahre Liebe treibt die Furcht aus.”

Ergebnis: Glaube kann reifen – vom mythischen eines Kindes über den rational-faktischen eines Schülers zum selbstreferentiellen eines Erwachsenen.

II. Wie sich das auswirkt:

Ganz bleiben, nicht spalten

- in den verschiedenen Lebensphasen zeitliche Entwicklung von Kindheit bis Alter

- in den verschiedenen Lebensbereichen Arbeit, Spiel, Partnerschaft und Elternschaft

- in den Fähigkeiten des Ich Denken, Fühlen, Wahrnehmen, Intuieren

Spannungen aushalten

- simul justus et peccator (können sündigen, sind gleichzeitig gerecht)

- schon – noch nicht (schon erlöst – warten auf Erlösung)

- diene mit Gemüt dem Geist Gottes, mit dem Körper dem Gesetz der Sünde (den Verhältnissen dieser Welt unterworfen – Krankheit, Tod)

-  Wissen und Nicht-Wissen (Gewissheit der Erlösung, Erkenntnis als Stückwerk)

Religion will in erster Linie nicht informieren, sondern orientieren. Nicht das Was und Wie ist das Entscheidende, denn das Was und Wie Gottes entziehen sich unserem Wissen (Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch, Gott ist einer und doch drei), sondern die Bedeutung gibt Orientierung (Jesus ist göttlicher Retter und mein Bruder, Gott ist Schöpfer, Erlöser und Begleiter).

Bereit zum Risiko

- Daniel im Weltreich

- Jesus und das Gleichnis mit den Talenten

Ergebnis: Glaube als innere Überzeugung

- kann den anderen tragen, stützen

- verbindet

- konfrontiert

- ist wahre Toleranz (Brücke)

- ist Vorbild

- nicht Leistung, sondern Wachstum in Liebe und Gnade

Schluss:

„Ich weiß, woran ich glaube, ich weiß, was fest besteht ...“Diese Überzeugung des Daniel von damals gilt auch für die vielen „Daniels” von heute.

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