Für Sie gelesen

Joachim Jauer:

Urbi et Gorbi –

Christen als Wegbereiter der Wende

20 Jahre nach der Wende haben Bücher zur friedlichen Revolution in der DDR und zum Zusammenbruch des Ostblocks Hochkonjunktur. Mit Urbi et Gorbi, einer Abwandlung des päpstlichen Se-gens „Urbi et Orbi“ („Der Stadt und dem Erdkreis“), gelingt es Joachim Jauer, in spannenden Schilderungen den Einfluss von Christen auf den länderübergreifenden Umbruch überzeugend herauszustellen.

Jauer, langjähriger ZDF-Korrespondent in Ostberlin und Sonderkorrespondent in Mittel- und Osteu­ropa, verknüpft die großen politischen Zusammenhänge zusammen mit persönlichen Erlebnissen und bemerkenswerter Detailkenntnis zu einer mitreißenden Geschichtserzählung. Der Bogen ist weit gespannt: Angefangen bei der polnischen Gewerkschaftsbewegung „Solidarność“ und ihrer mutigen Unterstützung durch Karol Wojtyła, gelangt Jauer über den ersten evangelischen Kirchenneubau in der DDR, der ausgerechnet in der sozialistischen Vorzeigestadt Eisenhüttenstadt erfolgte, über den zerschnittenen Grenzzaun in Ungarn und die dramatischen Tage in der Prager Botschaft zu dem Wunder der gewaltlosen Wende in der DDR.

Immer wieder trifft Jauer an entscheidender Stelle auf Christen, die mit ihrer Haltung und ihrem Glauben der staatstragenden Ideologie getrotzt und darin Wege für viele geöffnet haben. „Die ‚befriedende’ Rolle der Kirchen in der Gesellschaft der DDR – evangelisch wie katholisch – ist heutzutage weitgehend vergessen. Übriggeblieben sind Bilder von überfüllten Gotteshäusern mit protestierenden Gruppen der Opposition in der Endzeit des SED-Regimes. Die evangelischen Kirchen konnten zum Zufluchtsort für offene Diskussion Andersdenkender werden, weil sie über Jahre die Türen für die ‚Mühseligen und Beladenen’ der Diktatur der Arbeiterklasse geöffnet hatten. Beide Kirchen widerstanden der Versuchung, sich allwissend zu geben, im Gegensatz zur Partei, die ihren ‚Choral’ Die Partei, die Partei, die hat immer recht gerne singen ließ. Dennoch, die meisten damaligen Kirchenbesucher sind nach der Wende ohne ein Dankeschön aus den Gotteshäusern in die glitzernden Konsumtempel abgewandert.“ (320)

Jauers Resümee: Ohne die Friedensgebete, die seit 1982 in der Leipziger Nikolaikirche stattfanden, hätte es keine „Wir sind das Volk“-Demonstration gegeben. Ohne Christen wäre die Wende kaum so friedlich gewesen. Denn Christen haben die Demonstranten gelehrt, Kerzen und nicht Steine zu tragen. Wer sich nach dem Lesen des Buches auf die Ereignisse vor zwei Jahrzehnten besinnt, wird in ihnen ein Wunder des Glaubens erkennen.                     

Dietmar Päschel 

Joachim Jauer: Urbi et Gorbi. Christen als Wegbereiter der Wende, Herder 2008, 344 Seiten, ISBN 978-3-451-32253-2, 19,95 €

 

Falsch Zeugnis

Martin Kobialka:

Das Bild des Tieres –

Der Verrat an Christus

Kernanliegen des Verfassers ist eine leidenschaftliche Dämonisierung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf, wahrscheinlich ausgelöst durch ein Schlüsselerlebnis: Kobialka musste in Simbabwe mit Frau und Kindern ein Massaker an weißen Lehrern miterleben. Die Mörder gehörten zur FRELIMO aus Mosambik, einer seinerzeit vom Ökumenischen Rat geförderten Befreiungsbewegung. Es ist zwar geboten, Verirrungen des Ökumenischen Rates beim Namen zu nennen; verschwiegen werden dürfen andererseits nicht seine Verdienste, z.B. die Hilfe für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs. Heute ist der Ökumenische Rat nahezu bedeutungslos. Kobialkas These lautet: Die Freimaurer lenken aus dem Dunkel die Welt; mit Hilfe des Spiritismus haben sie die römische Kirche schon unter ihre Gewalt gebracht; nunmehr werden sie alle Kirchen und Religionen unter dem Papst vereinigen und schließlich die UN zu einem Welttribunal umgestalten, das sich in den Besitz unserer Ersparnisse setzt. Dies steht unmittelbar bevor. – Die Schwäche Kobialkas ist, dass er Grundregeln der Wahrheitsfindung missachtet. Konkret: Ist die Quelle glaubwürdig? Ist sie repräsentativ? Wer ist also z.B. jener „Herzog aus Kent“, der hinter der Freimaurerverschwörung steckt? Wer ist jene „gläubige Dame“, die uns die Geheimnisse der UN verrät? Kann der Erfinder des Sherlock Holmes, Conan Doyle, können gar spiritistische Medien seriöse Quellen sein? Und schließlich: Geht es an, für eine Weltprognose auf die Diagnose zu verzichten? Konkret: Gibt es ernsthafte Anzeichen dafür, dass der Papst die Leitung des Islam übernimmt? Lässt der Patriarch von Moskau erkennen, dass er sich dem Papst unterstellt? Zum Schluss die Frage: Warum weicht der Verfasser im Blick auf die künftige Weltherrschaft auf die UN aus, obwohl er (s. Umschlagbild!) die USA meint?

Dieter Leutert

Martin Kobialka: Das Bild des Tieres – Der Verrat an Christus, Quo Vadis Verlag Heidelberg, o.J.

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