Lesermeinung

Leserbrief zum Artikel „Gott ist wie ein richtig guter Papa …“ in DIALOG, Juli/August 2009

In seinem Artikel „Gott ist wie ein richtig guter Papa“ beschreibt Hans-Joachim Scheithauer das Kernanliegen Gottes, das darin besteht, dass seine „Liebe und Zuneigung zu seinen Geschöpfen von uns Menschen verstanden werden kann“. Er beschreibt die Gefahr, oft mehr Details zu berücksichtigen „als die Hauptsache zu entdecken und anzuschauen“ und Gott zu erleben, der mitfühlt, mitdenkt, uns fördert und an unserer Seite steht.

Mit Recht darf und muss sich gegen ein Glaubensverständnis gewandt werden, das aus den Wertungen „richtig“ und „falsch“ seine Gottesbeziehung definiert. Eine Beziehung der Liebe setzt aber umgekehrt Wertungen nicht außer Kraft.

Angewandt auf das biblische Sabbatverständnis ist den Aussagen des Artikels zuzustimmen. Die Diskussion darüber, was man am Sabbat tun dürfe und was nicht, hilft in der Tat nicht weiter. Damit aber zugleich alttestamentliche Texte zu Sabbatheiligung generell abzutun, ist zu undifferenziert und wird ihnen nicht gerecht. Biblische Sabbattheologie und die Intention, die hinter diesem Tag steht, sind breiter angelegt und lassen sich nicht, wie der Artikel den Anschein erwecken könnte, auf die Frage reduzieren, was uns bereichert oder schadet. In der Tat ist der Sabbat von Gottes Seite aus für den Menschen gemacht, zugleich aber stehen aus der Sicht des Menschen der Herr des Sabbats und die Beziehung zu ihm im Mittelpunkt der Sabbatheiligung.

Die Meinung, mit dem Kommen Jesu hätten die Begriffe „rein“ und „unrein“ ihre Wirkung verloren, berücksichtigt nicht die Differenzierung dieser Wortbedeutungen. Die Aussage, dass sich Mk 7,19 auf das Essen bezieht, ist korrekt und doch irreführend, geht es doch hier nicht um unreine Speisen, sondern um ungewaschene Hände und die von Menschen gemachten Satzungen. Und schließlich wird eine kommunikative Übersetzung benutzt, die an dieser Stelle mehr interpretiert als vom Grundtext aus übersetzt.

Wir würden es bedauern, wenn bei dem durchaus positiven Beziehungsansatz zugleich theologische Aussagen der Schrift  gemindert würden, zumal sie zu diesem beschriebenen Gottesbild nicht in Widerspruch stehen. Auch wenn Gott unser liebender Vater ist, bleibt er doch auch unser Herr.

Der Vorstand des Süddeutschen Verbandes

>>zurück