Archäologie – Ein moabitisches Fort am Rande der Wüste:
Archäologische Forschungen an der östlichen Grenze des antiken Moab
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In diesem Sommer 2009 hatte ich die Gelegenheit, als Gast bei einer Grabung amerikanischer Kollegen in Jordanien mitzuarbeiten. Der Grabungsleiter Prof. Gerald Mattingly, Dozent am Johnson Bible College in Knoxville, TN, hatte mich eingeladen, an der diesjährigen Grabungskampagne an einem moabitischen Fort teilzunehmen. Prof. Mattingly ist Direktor des „Karak Resources Project“, das sich mit der Geschichte und Kultur der antiken Moabitis beschäftigt und von einem Konsortium aus verschiedenen nordamerikanischen Universitäten getragen wird. Im Kontext dieses Forschungsprojektes werden Regional-Surveys, sozio-kulturelle Studien und archäologische Ausgrabungen unternommen. Khirbat al-Mudaybi, das moabitische Fort, befindet sich am südöstlichen Rand des zentral-moabitischen Plateaus (siehe Abb. 1). Es liegt auf einer Hochfläche und überwacht ein breites, durch Höhenzüge begrenztes Tal (Fajj al-Usaykir), das sich von der Wüste aus bis nach al-Karak, der alten moabitischen Hauptstadt hinzieht. Dieses Tal bildet einen der wichtigsten Zugänge nach Moab aus der Wüste kommend. Es verbindet die sogenannte „Wüstenstraße“ in der östlichen Wüste mit der „Straße der Könige“, die mitten durch das zentral-moabitische Plateau verläuft. Aus diesem Grund scheint das Fort auch an dieser Stelle errichtet worden zu sein. Es schützte und bewachte den Zugang zur zentralen Moabitis. Bekannt wurde die Anlage bereits in den frühen 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Archäologen, die in dieser Gegend Oberflächensurveys unternahmen, hatten auf sogenannte „proto-äolische“ Volut-Kapitelle hingewiesen (gestaltet in Form einer Palme mit aufsteigender Doppelvolute; siehe Abb. 2), die an der Oberfläche sichtbar waren und auf einen bedeutenden Torkomplex hinwiesen. Im Jahre 1997 begann Prof. Matting-ly mit seinen Ausgrabungen. Schnell wurde klar, dass das eisenzeitlich moabitische Fort in der Mitte bzw. in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. errichtet worden war und offensichtlich nur für eine kurze Zeit genutzt wurde. Es hatte eine Größe von 80 x 82 Meter. Jede der vier Ecken wies einen Turm auf. Im Osten der Anlage öffnete sich das Haupttor, im Westen ein Sekundärtor. Das Fort bestand vornehmlich aus Basalt- und Kalksteinblöcken. Teile der Anlage wurden später in römischer, byzantinischer und islamischer Zeit reokkupiert. Während der Grabungskampagnen konnten verschiedenste Artefakte aus Keramik, Tierknochen, Metall und anderen Materialen geborgen werden. Von besonderer Bedeutung ist der östliche Torkomplex (Abb. 3). Bereits an der Oberfläche konnten wesentliche architektonische Merkmale festgestellt werden. Es handelt sich hierbei um ein Vier-Kammer-Tor von außerordentlichen Ausmaßen, das eine Breite von fast 20 Metern und eine Tiefe von fast 15 Metern aufwies. Die Toröffnung selbst beträgt vier Meter und war von je einem Turm flankiert. Ausgrabungen zeigten, dass der Torkomplex von Holzbalken überspannt wurde, die eine Bedachung, bestehend aus Schilfrohr und Lehm, trugen. Sturzbalken aus Kalkstein, mit jeweils einer Länge von vier Metern, verbanden die Kammeröffnungen. In der Toröffnung fanden wir eine Schwelle, die ebenfalls aus einem vier Meter langen Stein bestand. An beiden Seiten des Tores befanden sich Bänke (Abb. 4). Ein gepflasterter Weg führte von außen auf das Tor zu. Ausgrabungen in diesem Sommer zeigten, dass die beiden nördlichen Kammern zu einem späteren Zeitpunkt durch eine Mauer verschlossen wurden. Brandschichten und Reste von Kalkschlacke in den beiden Kammern wiesen darauf hin, dass hier Kalk gebrannt wurde. Die Dachkonstruktion scheint später einem Feuer zum Opfer gefallen zu sein. C14-Untersuchungen der Überreste datieren die Holzbalken in die Mitte des 8. Jahrhunderts v. Chr. Der Torkomplex von Khirbat al-Mu-daybi ist eines der größten und am besten erhaltenen Tore, die je in Israel bzw. Jordanien gefunden wurden. Es muss für jeden Reisenden beeindruckend gewesen sein, durch dieses Tor zu schreiten. |
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