Die Predigtwerkstatt Nr. 44
Predigtthema zur Jahreslosung 2010:Ich gebe euch Hoffnung und Zukunft
Predigttext: Jeremia 29,11Die Situation:Das Nordreich Israel ist gefallen. Nebukadnezar, der Weltherrscher aus Babylon, hat Gefangene gemacht und sie ins Exil verschleppt. Dort fragen sie nach ihrer Zukunft und nach etwaiger Hoffnung, auch wenn das Schicksal wegen des dauernden Götzendienstes und des Unrechts selbst verschuldet ist. Jeremia muss sich mit dem Propheten Hananja auseinandersetzen (Kap. 28), der im Namen Gottes verspricht, dass das Volk innerhalb von zwei Jahren mitsamt den Tempelgeräten und dem König nach Hause zurückkehren würde. Jeremia aber macht diese Hoffnung zunichte, indem er von 70 Jahren Gefangenschaft spricht. Gleichzeitig aber ruft er dazu auf, dass sich die Verbannten im Exil einrichten, Häuser bauen, Familien gründen, sich für das Wohl der fremden Stadt – damit der Feinde – einsetzen, sich nicht auf die falschen Sprüche von Heilspropheten einlassen oder auf ihre Träume, sondern ihr Schicksal bejahen und es gestalten. Wenn es Hoffnung gibt, dann hat sie mit Gottes Zusage zu tun, und wenn es Zukunft gibt, dann schafft sie nicht der Mensch, sondern Gott. Dies alles, weil Gottes Barmherzigkeit mitten im Gericht sichtbar bleibt, weil seine Grundeinstellung Heil und Friede mit dem Menschen ist (29,11) und weil er einen neuen Bund mit dem Volk zu schließen gedenkt (31,31), einen Bund, der von der Herzenseinstellung getragen wird und nicht nur durch Einhaltung von Gesetz und Ritual. Die Verheißung des Neuen Bundes wird im Neuen Testament aufgegriffen und mit Jesus Christus verbunden. So stellt Jeremia das Volk im Exil in eine Spannung, die auch im Neuen Testament sichtbar wird, wenn Jesus von den Jüngern als „in der Welt” spricht, aber als nicht „von der Welt”. Die Gemeinde lebt im Spannungsfeld zwischen „Weltsucht“ und „Weltflucht”. Die Lösung, die Jeremia anbietet, ist „Weltzugewandtheit” im Exil, weil Gott Hoffnung und Zukunft bietet. Predigtaufbau:Thema:Siehe, ich gebe euch Hoffnung und ZukunftEinleitung:Neues Jahr bringt Fragen nach der Zukunft. Welche Hoffnungen verbinden sich damit – politisch, national und international, wirtschaftlich, für Familie und Gemeinde, für Junge und Alte? Hoffnung ist der Motor, der die Tatkraft stützt. Wer nicht mehr hofft, hat aufgegeben und hat höchstens noch die Vergangenheit und das Schicksal im Blick. Hoffnung richtet sich immer auf die Zukunft. Alle Hoffnung ist trügerisch, tragisch, närrisch, sollte es keine Zukunft geben. Inwiefern ist Hoffnung begründet – angesichts des Weltklimas, mangelnder Ressourcen, der sozialen Spannungen, der wachsenden Armut und anderer globaler Probleme? Leitgedanke I: Wenn die Hoffnung zerbricht und die Zukunft schwindetGeschichtliche Situation der Jeremia-Erzählung und Folgen: Exil, Identitätskrise, Frage nach Schuld und Schuldigen Tendenz zur Gettoisierung und Abgrenzung Aufkeimen falscher Erwartungen, Partisanentum, Träume von Zukunft Verschleppungen und Vertreibungen sind schon immer ein Mittel zur Auflösung einer Volksidentität gewesen (geschichtliche Beispiele aus Neuzeit) Mögliche Folgen: Aufgabe der eigenen Identität oder Parallelgesellschaft der Abgrenzung Mögliche weitere gedankliche Assoziation: Schwinden der Hoffnung der Naherwartung und Reaktion. Allerdings nicht zu frei werden, da die Situation das Exil ist. Vorsicht vor zu starker Spiritualisierung Leitgedanke II: Wenn Hoffnung aufkeimt und die Zukunft hell wirdJeremia spricht von begründeter Hoffnung und Zukunft. Der Grund liegt nicht in menschlichem Wohlverhalten. Der Grund liegt in Gottes gnädiger Zuwendung. Gott wendet das Schicksal nach 70 Jahren. Deshalb hat das Volk Zukunft. Weil es Zukunft hat, kann und soll es hoffen. Hoffnung, die sich auf die Zukunft richtet, setzt Kräfte frei für die Gegenwart und die Bewältigung des Lebens. Unsere Kirche hat sich die Zusage Gottes an sein Volk im Exil als Motto für das Jahr 2010 ausgewählt. Dieses Motto soll uns erinnern:
Schlussgedanke:Am Anfang des Jahres wird die Frage nach Hoffnung und Zukunft gestellt. Wir können eine positive Antwort geben, weil Hoffnung und Zukunft keine menschliche Utopie, sondern durch Gottes Zusage in Jesus Christus Gewissheit sind. |
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