Glaube und Marktwirtschaft

Stichwort: Geld – Macht

Roland Nickel

„Geld regiert die Welt”, heißt es im Volksmund. Und in der Tat ist das Geld die stärkste Antriebsfeder in unserem Wirtschaftssystem. Geld unterliegt nicht dem Gesetz des abnehmenden Grenznutzens. Dieses besagt, „dass mit zunehmender Menge eines konsumierten Gutes der Grenznutzen grundsätzlich abnimmt.”1 Wenn wir beispielsweise viel Durst haben, ist uns das erste Glas Wasser sehr viel wert und wir würden viel dafür geben, es zu bekommen. Aber bereits das dritte oder vierte Glas Wasser hat nicht mehr den gleichen Wert wie das erste. Das gilt allgemein: Je mehr wir von einen Produkt konsumieren, desto weniger Nutzen bringen uns die zusätzlichen Einheiten, die wir kaufen. Nur beim Geld stimmt das nicht. „Mehr ist immer besser.”2 Deswegen nimmt die Gier nach Geld nicht ab. Wir wundern uns manchmal, warum Manager sich bestechen lassen oder Steuern hinterziehen, obwohl sie ohnehin viel verdienen.

Wer Geld hat, hat Macht. „Weil wir alles mit ihm kaufen können, ist Geld ein Gut, das mächtiger ist als alle anderen.”3 Mit Geld können wir unseren Besitz vergrößern und unseren Einfluss steigern. Mit Geld ist es möglich, andere zu unterdrücken oder auszubeuten. Das unlautere Wirtschaften der Finanzakteure hat dazu geführt, dass der Hunger in den ärmsten Ländern größer geworden ist. Die Großen und Mächtigen, die Reichen und Wohlhabenden dieser Welt beherrschen sie durch ihren Reichtum und ihre Macht.

Geld regiert und dominiert unsere Welt. Die Kirche, das Christentum „bildete stets eine Antithese, eine Gegenkultur, eine Parallelstruktur.”4 Stimmt das noch, ist die Kirche nicht der Dominanz des Geldes unterworfen? Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir uns in Ausschüssen und Gremien genauso von der Vorherrschaft des Geldprinzips dieser Welt beeindrucken lassen. Wie oft höre ich: „Das können wir uns nicht leisten”, „Das ist eine gute Idee, aber unser Haushalt gibt das nicht her”. Häufig bestimmt das Geld die Entscheidungen und nicht der Auftrag Gottes. Ellen White mutmaßte: „Täglich wird die Kirche umgewandelt, nimmt das Denken der Welt an. Wie viele bekennende Christen sind Sklaven des Mammons!”5

In Matthäus 20,26 sagt Jesus: „So soll es nicht sein unter euch!” Er bezieht sich hier auf die Herrschenden, die ihr Volk unterdrücken. Ich glaube, es ist nicht verfehlt, diese Aussage auch auf die Vorherrschaft des Geldsystems unserer Welt anzuwenden: „So soll es nicht sein unter euch”. In der Kirche soll nicht das Geld die erste Geige spielen, nicht vom Geld darf abhängen, wie sie ihren Auftrag erfüllt. Nicht das Geld darf die Aktionen und das Engagement in der Gemeinde bestimmen. Die Aufgabe, die Gott der Gemeinde, der Kirche gegeben hat, soll im Mittelpunkt stehen. Die Menschen, die Gott liebt, sind der Zielpunkt der Gemeindearbeit. Die Einstellung „Ohne Geld läuft nichts” darf in der Gemeinde nicht vorherrschen, sondern das Vertrauen in Gott. Direkt nach seiner Aussage, dass wir nicht dem Mammon dienen sollen, sagt Jesus: „Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet.” (Mt 6,24).

„Das feste Vertrauen auf Gottes Versorgung befreit uns davon, dass wir uns auf Geld als Quelle konzentrieren und uns deshalb Sorgen über das Geld machen.”6 Die Kirche darf sich nicht dem Diktat des Mammons unterwerfen und dem Geld nicht die Macht geben, die es in der Welt hat. Die Kirche soll in die Kraft und den Segen Gottes vertrauen, den Auftrag und den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Handlungen stellen! Dieses geschieht natürlich auch landauf und landab in den Gemeinden und kirchlichen Institutionen. Friedensau ist nur ein Beispiel, wo um 1900 hoch motivierte Gläubigen mit wenig Geld und viel Gottvertrauen die Schule und vieles andere begonnen haben. Bis heute wirkt der Segen Gottes durch die Friedensauer Absolventen in die ganze Welt hinein. Gott hat seine Wohltaten und seine Kraft für seine Gläubigen vorgesehen: „Zeit und Geld wird Gott gewidmet, Geldmittel und Vermögen werden in seine Schatzkammer gebracht ... und neue Effizienz und Stärke wird der Gemeinde hinzugefügt werden.”7                            

1 Samuelson/Nordhaus, Volkswirtschaftslehre, Wien (Ueberreuter) 1998, Seite 10615

2 Giudici/Simson, Der Preis des Geldes, Moers (Brendow) 2005, Seite 60

3 Giudici/Simson, Seite 61

4 Ebd., Seite 224

5 Ellen G. White, 8 T, 1904, Seite 118 (eigene freie und sinngemäße Übersetzung)

6 Hill/Pitts, Mäuse, Motten und Mercedes, Gießen (Campus für Christus), Seite 46

7 Ellen G. White, LHU, Washington D.C. 1988, Seite 293

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