Warum ich mich gern in einer Jugendgemeinde engagiere

Bernd Hauser
Jugendliche brauchen Freiräume. Nicht nur in kleinen Bereichen. Sie brauchen Kontrolle über das ganze System. Aufgewachsen in der adventistischen Gemeindekultur, bin ich mit meinen Freiräumen schnell an Grenzen gestoßen. Es war gerne gesehen, dass ich Ideen in die Gemeinde mit einbringe und Aufgaben übernehme. Jederzeit war ich herzlich willkommen und wir hatten ein gutes Miteinander. Aber war das tatsächlich eine Gemeinde, die meinen Träumen entspricht? Eine Gemeinde, die meinen Glauben stärkt und meinen Lebensstil trifft? Eine Gemeinde, die ich mit meinem ganzen Leben selbst gestalten möchte? Und an erster Stelle: eine Gemeinde, die ich mit allen meinen Freunden teilen möchte? Wenn man die Studien über die Postmoderne verfolgt, dann befinde ich mich in einer Generation, die sehr pragmatisch orientiert ist und alles mit dem eigenen Nutzen abgleicht. Mitarbeit ist nur dort attraktiv, wo wirkliche Mitgestaltung möglich ist. Dabei werden von Jugendlichen hohe Ansprüche an Qualität, Umfeld und Stil gestellt. Dennoch besteht ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Gemeinschaft und die Bereitschaft, sich in Gruppen einzufügen. Institutionen wie Kirchen treten in den Hintergrund, und die Jugend versucht sich davon zu distanzieren. Gleichzeitig möchte sie aber das Bedürfnis nach Spiritualität mit anderen ausleben. Mission – das Zugehen auf andere Menschen, um ihnen eine neue Heimat zu bieten – ist nur dann möglich, wenn eine klare Zielgruppe vorhanden ist. So wie es in der Wirtschaft ganz normal ist, dass jedes Produkt auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten wird, so sollten wir uns in der Gemeindekultur auch Gedanken darüber machen. Denn Gemeinde ist kein Selbstzweck, nicht nur Befriedigung der eigenen Bedürfnisse. Es geht vielmehr darum, in die Welt hinauszugehen, auf Jesu Wiederkunft aufmerksam zu machen und den Dienst am Nächsten zu erfüllen. Wenn ich dieses Ziel effizient verfolgen möchte, muss ich dies in Bereichen umsetzen, in denen ich selbst zu Hause bin. Ich muss mich mit Leuten beschäftigen, die in einer gleichen Lebensphase sind. Leute, deren Fragen auch mich beschäftigen. Jugendliche. In Jugendgemeinden ist klar zwischen Form und Inhalt zu unterscheiden. Jugendliche machen sich vermehrt Gedanken zur Präsentation der Inhalte. Um in der heutigen Zeit Aufmerksamkeit zu erregen, ist es also notwendig, die Jugendkultur mit ihren Facetten zu kennen und darauf einzugehen. Erst dann ist es möglich, sich Inhalten zuzuwenden. Warum also nicht einen Fußballklub gründen, regelmäßige Gesprächsrunden in einem ausgeflippten Restaurant starten, gemeinsame Kinoabende gestalten und den geistlichen Part für eine Sekunde außen vor lassen? Spiritualität und Glauben sind nach wie vor gefragte Themen. Allerdings werden diese unter Jugendlichen nur in einem geschützten und vertrauten Rahmen besprochen. Diesen bauen wir über ganz alltägliche Aktivitäten auf. Die geistlichen Themen kommen dann oft von ganz alleine, unabhängig davon, ob wir uns in einer Kirche oder in einer Kneipe befinden. Bereits in jungen Jahren habe ich gelernt, dass wir in der Gemeinde den Menschen ganzheitlich betrachten und alle Aspekte des Lebens mit einbeziehen wollen. Ich hatte allerdings eher das Gefühl, dass Gemeinde am Sabbat gelebt wird und dass die Kollegen vielleicht nicht einmal wissen, dass man jeden Samstag zur Kirche geht. Eingeladen wurden die Kollegen und Schulfreunde auch noch nicht. Warum? Da ich die Möglichkeit habe, meine Gemeinde selbst zu gestalten, rede ich auch gerne darüber. Ich bewerbe sie, ohne Angst vor peinlichen Situationen haben zu müssen. Ich bin stolz auf meine Gemeinde. Heißt der Begriff der Jugendgemeinde, dass wir die Alten nicht mehr brauchen? Keineswegs. Um auf die Frage der Zielgruppe zurückzukommen: Es sollte in den Gemeinden doch darum gehen, den Unterschied in der eigenen Stadt auszumachen. Da in meiner Stadt nicht nur Jugendliche oder nur 50-plus-Leute wohnen, ist es ganz normal, dass verschiedene Angebote vorhanden sein müssen. Der Auftritt als Einheit und die übergeordnete Zusammenarbeit sind dabei auf keinen Fall zu vernachlässigen. Nur so kann gegenseitige Motivation und ausführlicher Erfahrungsaustausch stattfinden. Ich bin ein Macher. Die Gründung einer Jugendgemeinde ist also die logische Konsequenz. Meine Zeit investiere ich hier, weil ich der festen Überzeugung bin, dass ich Gott damit am besten dienen kann. Meine Jugendgemeinde trifft meinen Lebensstil und stärkt mich in meinem Glauben; ich möchte sie mit jedem meiner Freunde teilen. Nur hier besteht die Möglichkeit, meinen Traum von Gemeinde umzusetzen, und ich arbeite jeden Tag weiter daran.
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