Predigtwerkstadt

eine Predigtidee von Johann Gerhardt

Johann Gerhardt

Gedanken zu einer Ostermeditation

 

Thema:

„Brot des Lebens“

 

Bibeltexte:

Lk 24, 29-31; Joh 6, 48-51; Apg 2, 41.42

Gestern – Heute – Morgen

 

Gestern

• waren sie aufgebrochen
• aus dem ewigen Einerlei des Lebens in das Neue
• aus dem Dorf in die Stadt
• waren sie ihrer Sehnsucht gefolgt
• hatten sie ihr Herz und ihre Existenz an die Hoffnung
gehängt
• hatten sie mit gejubelt
 

Heute

• sind sie angekommen
• auf dem Weg zurück in das Alte
• aus der Hoffnung in die Resignation
• aus dem Jubel in die Angst
• aus der Sehnsucht in das Nichts
An morgen wollen sie gar nicht denken …
 

Gestern

• hatte die Liebe begonnen
• war ich noch jung
• hatte ich noch einen Job
• war ich noch gesund und stark
• stand Port-au-Prince noch
 

Heute

• ist die Liebe zerbrochen
• fordert das Alter seinen Preis
• braucht mich der Arbeitsmarkt nicht mehr
• habe ich eine schlechte Diagnose vom Arzt
• ist die Katastrophe da
An morgen ist gar nicht zu denken …
 

Aber sie müssen das Heute irgendwie bewältigen.

Sie haben ein Haus. Sie haben einen Tisch. Sie haben Brot.
Und sie haben einen Gast, einen Fremden, der anscheinend
die Zeitung nicht gelesen hatte. Sie hatten ihn informiert,
bitter, wütend, mutlos.
Und nun, mitten in der Hoffnungslosigkeit, ergreift der
Gast die Initiative.
Er nimmt das Brot – ihr Brot –, bricht es und gibt es ihnen.
Der Fremde spielt sich auf als Gastgeber.
Sie erkennen: Er ist der Gastgeber, der Brotgeber, das Brot
selbst – der Herr, den sie tot wähnten. An ihnen wird jetzt
wahr, was Jesus vorher gesagt hatte (Joh. 6, 48-51):
„Ich bin das lebendige Brot. Wer von diesem Brot isst,
wird leben in Ewigkeit.“
Es ist nicht wichtig, dass sie ihn nicht mehr sehen, denn er
ist ab jetzt beständig in ihrem Herzen. Sie haben eine neue
Botschaft: „Der Herr lebt. Er hat uns das Brot gebrochen.“
Die Gegenwart ist hell … und vor morgen haben sie keine
Angst mehr.
Ostern erinnert mich an diese Geschichte. Sie ist auch
meine.
Ich bin auch aufgebrochen, habe mich auf den Weg
gemacht. Auch ich kenne Enttäuschungen des Lebens.
Auch ich kenne die Frage nach dem Morgen. Auch ich
muss irgendwie klarkommen mit dem Heute. Die Gegenwart
kann ich bewältigen, weil ich beständig vom Brot
esse, das er bricht:
 

• Er vergibt mir meine Schuld und nimmt meinen Müll

weg – Brot des Lebens.
• Er gibt Hoffnung und Mut – Brot des Lebens.
• Er verheißt neues Leben und Frieden – Brot des Lebens.
• Er vertraut mir – Brot des Lebens.
• Er nimmt mich bedingungslos an – Brot des Lebens.
• Ich rede mit ihm und er ist da – Brot des Lebens.
• Er redet mit mir durch sein Wort und den Geist – Brot
des Lebens.
• Ich feiere Abendmahl als Zeichen meines Glaubens –
Brot des Lebens.
• Ich danke für die Auferstehung und den gegenwärtigen
Herrn – Brot des Lebens.
 

Das Brechen des Brotes wird zu einem Zeichen der christlichen

Gemeinde. Ein identitätstiftendes Merkmal der Gläubigen
aller Zeiten: Apg. 2, 41.42. Wir bekennen: Auf unserer
Reise vom Gestern ins Morgen, in unserer leichten oder
schweren Aufgabe, das Heute zu meistern, leben wir vom
Brot, das der Herr Jesus uns gibt, ja, das er selbst ist.
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