Adventisten und Muslime - Brüder und Schwestern?
Was ich aus meinen Begegnungen mit Muslimen gelernt habe
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„Du bist für mich wie Schwester! Komm in mein Haus, bleibe zum Essen. Mein Haus – dein Haus!“ Mit diesen einfachen Worten eroberten die im Asylbewerberheim in Burg lebenden muslimischen Frauen mein Herz. In der Fremde wünschten sie sich Familie, trotz ihrer Armut hatten sie viel zu geben, trotz ihrer Hoffnungslosigkeit blieben sie fest in ihrem Glauben. In den vergangenen sechs Jahren bin ich vielen Muslimen begegnet, durfte sie näher kennenlernen und mit ihnen ihr Leid und ihre Freude teilen. Fünf Lektionen aus meinen Erfahrungen mit Muslimen möchte ich mit euch teilen. GastfreundschaftIn Russland aufgewachsen, war ich bisher fest überzeugt, dass russische Gastfreundlichkeit nicht zu übertreffen ist. Nach dem Besuch bei den kurdischen und arabischen Familien musste ich allerdings passen. Kam ich unangemeldet, wurde Tee aufgesetzt oder die Frauen begannen zu kochen. Wusste die Familie, dass ich komme, wurden die besten Speisen zubereitet und es gab keinen freien Platz auf dem Tisch. Einen Gast zu haben bedeutet für Muslime, mit ihm ihr Essen und ihre Zeit zu teilen. Ich habe gelernt, viel Zeit mitzubringen und nicht an meine Kilos zu denken. Am meisten beeindruckte mich Sausan, die zum Tee nur Zwieback anbieten konnte. Ihre Einfachheit hat mich zutiefst beeindruckt. Hätte ich das machen können? Offen zeigen, dass ich einfach lebe und nicht viel zu bieten habe? Oft stehe ich unter Druck, nur das Beste von mir zu präsentieren. Nur wenn ich ein tolles Essen gekocht und einen Kuchen selbst gebacken habe, kann ich am Sabbat auch Gäste einladen. Lade ich dann überhaupt noch jemanden ein? Bedeutung der FamilieEine große Familie ist für die Muslime eine Selbstverständlichkeit und ein Segen Gottes. Die Familienordnung unterscheidet sich sehr von unseren individualistisch geprägten Familien. Alle Entscheidungen werden gemeinsam in der Familie getroffen. Für die Mädchen kann es dann manchmal schwer sein, ihren Willen durchzusetzen. Nicht nur die Eltern, sondern auch die älteren Brüder können eine Entscheidung für das Mädchen treffen. Apropos älterer Bruder: Interessant fand ich, dass der ältere Bruder meistens ein eigenes Zimmer hat, während sich die jüngeren Geschwister ein Zimmer teilen. Der Vater und der älterer Bruder haben in der Familie die höchste Autorität. Kinder sind ein Geschenk. Das leben die Muslime. Sie planen die „Geschenke“ nicht. Sie bekommen sie und freuen sich darüber. Auch wenn die Zukunft nicht sicher ist, sorgen sie sich nicht und empfangen die Kinder als Segen Gottes. Es mag einem leichtsinnig erscheinen. Ich habe ihre Leichtigkeit und Zuversicht bewundert.Miterleben durfte ich auch Familien mit mehren Frauen. Unglückliche Frauen, die um ihre Liebe kämpfen und streiten, und die Kinder, die immer wieder erklären müssen, warum ihr Vater zwei Familien hat. Diese Familien haben mich zum Nachdenken über die biblischen Familien gebracht. Ging es Hagar und Rahel und ihren Kindern ähnlich? Als Single ohne eigene Kinder wurde ich nicht gleich von den Muslimen akzeptiert. Mit der Zeit wuchs das Vertrauen und einige muslimische Schwestern beteten um einen lieben Mann und Kinder für mich. Glauben und BetenOft kamen wir in unseren Gesprächen auf Gott und den Glauben zu sprechen. Manche Muslime hatten zum ersten Mal in ihrem Leben persönlich mit einer Christin zu tun. Ihr Bild von Christen ist sehr verallgemeinert und von Vorurteilen besetzt. Nicht so viel anders als unsere Bilder von Muslimen? Wir stellten fest, dass Bibel und Koran viele gemeinsame Geschichten haben. In schweren Situationen ermutigten wir uns gegenseitig: „Ich bete für dich. Gott wird dir helfen.“ Ich habe erkannt, welch ein Schatz es ist zu wissen, dass Gott mich liebt. Ich habe es meinen muslimischen Freunden oft gesagt und geschrieben, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie es glauben konnten, denn es war neu für sie. Muslime haben Ehrfurcht vor Gott. Das drücken sie in ihrem Gebetsritual aus. Gebetsteppich, Kopfbedeckung, Händewaschung vor dem Beten … Die ernsthaften Muslime beten fünf Mal am Tag. Wie sieht mein Gebetsleben aus? Das Kennenlernen vom Islam führte mich zu einer persönlichen Auseinandersetzung mit meinem christlichen Glauben. Vieles, was bisher selbstverständlich für mich war, musste ich hinterfragen und für mich neu entdecken. VergebungAls Christen sind wir stets bestrebt, Vergebung zu lernen und zu leben. Vergebung ist das Herzstück der Evangelien und Jesus ist uns darin ein Vorbild. So ein Vorbild haben Muslime nicht. Vergebung spielt in ihrem Glaubensleben und im Alltag keine bedeutsame Rolle. Ich dachte früher nicht viel darüber nach, bis ich in Konfliktsituationen und Streitschlichtung erlebte, dass der Wille zur Vergebung, sogar jegliches Nachdenken darüber bei Muslimen fehlte. Ich versuchte soweit es geht, Vergebung vorzuleben, und habe diesen christlichen Wert neu schätzen gelernt. Schweinefleisch und AlkoholDie Abstinenz von Schweinefleisch und Alkohol habe ich als einen Türöffner zu den Herzen von Muslimen erlebt. Sobald die Eltern wussten, dass ich auch bei den Würstchen darauf achte, dass sie ohne Speck sind, vertrauten sie mir ihre Kinder an. Gerne sind Familien aus Burg zu den Gemeindetagen nach Friedensau gekommen und haben mit uns gegrillt. Sie mussten keine Angst haben, dass sie Fleischgerichte nicht essen dürfen oder dass vor ihren Kindern Alkohol konsumiert wird. In dieser Frage haben wir eine gemeinsame Basis, die nicht unterschätzt werden darf. Von Muslimen habe ich gelernt, zu meinen Prinzipien zu stehen. Oft habe ich auf die Frage, warum ich etwas nicht esse oder nicht trinke, mit Erklärungen über die Auswirkungen auf die Gesundheit geantwortet. Es klang für mich selbst nicht wirklich überzeugend. Muslime beantworten diese Frage ganz klar mit: „Es steht im Koran. Gott möchte es so.“ Habe ich den Mut, mein Verhalten mit: „Es steht in der Bibel. Gott möchte es so“ zu begründen? Adventisten und Muslime – Brüder und Schwestern?Muslimische Familien in Burg sind mir zu Schwestern und Brüdern geworden. Keine(r) von ihnen hat sich taufen lassen, keine(r) hat Jesus als Gott anerkannt. Dennoch sind sie mir Brüder und Schwestern, weil ich glaube, dass Gott sie unendlich liebt. Ich hoffe, durch meine Liebe ihnen Gottes Liebe näher gebracht zu haben. Durch die zahlreichen Studentinnen und Studenten, freiwillige Helferinnen und Helfer aus Friedensau und Burg wurde diese Liebe vermehrt. Ich bin davon überzeugt, dass die Muslime in Deutschland eine einmalige Chance haben, in einem christlichen Land zu leben und durch liebende Christen einen liebenden Gott zu erkennen. Deshalb möchte ich jede Adventgemeinde und jede Adventistin und jeden Adventisten ermutigen, ihre Herzen und Häuser für Muslime vor Ort zu öffnen: Unser Haus – euer Haus! Diese Freundschaften werden euch genauso wie mich bereichern und die Liebe Gottes fließen lassen. |
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