Zwanzig Jahre Theologische Hochschule Friedensau

Manfred Böttcher

Vor 20 Jahren – am 15. September 1990 – wurde dem Theologischen Seminar in Friedensau der Status einer staatlich anerkannten Hochschule verliehen. Was hatte dazu beigetragen, dem 1899 gegründeten Seminar der Siebenten-Tags-Adventisten die staatliche Anerkennung zu erteilen? Bereits seit 1983 bemühte sich die Leitung des Theologischen Seminars im Rahmen einer Studienreform um eine Angleichung an das Niveau des Theologiestudiums an den deutschen Universitäten, und zwar unter Beibehaltung der eigenen adventistischen Identität.

Im Zuge dieser Profilierung wurde unter anderem das Studienjahr auf Trimester umgestellt. Das ermöglichte den Studenten, einige Unterrichtsbereiche schneller abzuschließen. Vor allem aber bot sich fortan den Dozenten die Möglichkeit, für jeweils ein Trimester vom Lehrbetrieb freigestellt zu werden, um postgraduale Studien aufzunehmen. Das geschah jeweils in Absprache mit der Universität in Halle oder mit der Andrews University in den USA. So gelang in einigen Jahren eine systematische Fortbildung des Lehrkörpers.

Nach längeren Verhandlungen erhielten im letzten Jahrzehnt der DDR auch ausländische Studenten die Möglichkeit, ein Vollstudium in Friedensau zu absolvieren. Es waren in jedem Jahr etwa 15 bis 20, die aus den „sozialistischen Bruderländern“ die Studiengenehmigung für ein Theologiestudium erhielten. Das war in der DDR etwas Außergewöhnliches.

Vor allem wegen der ausländischen Studenten suchte die Seminarleitung nach Wegen für eine Akkreditierung der Studienabschlüsse. Zu diesem Zweck setzte sich der Seminardirektor mit der Andrews-Universität (USA) in Verbindung. Nach weiteren Ergänzungen im Lehrkonzept und einer gründlichen Evaluierung durch eine Kommission wurde 1984 die Akkreditierung erteilt. Unter den damaligen Gegebenheiten war das etwas Einmaliges, was es in der DDR eigentlich gar nicht hätte geben dürfen.

Ausgelöst durch die politische Wende im Herbst 1989 wurde im Frühjahr 1990 durch die Übergangsregierung unter Lothar de Maiziére jenen kirchlichen Ausbildungsstätten die staatliche Anerkennung in Aussicht gestellt, die von der DDR zwar toleriert, aber nicht anerkannt waren. Voraussetzung war, dass die Studiengänge die dafür notwendigen und vergleichbaren Bedingungen erfüllten. Das veranlasste die Seminarleitung, im Juni 1990 mit einer umfangreichen Dokumentation über das Friedensauer Studium einen Antrag auf staatliche Anerkennung zu stellen. Nach eingehender Überprüfung durch das Ministerium für Bildung und Wissenschaft der DDR-Übergangsregierung und dem Votum der Hochschulrektorenkonferenz erhielt das Theologische Seminar Friedens-au mit Wirkung vom 15. September 1990 die staatliche Anerkennung als Theologische Hochschule in freier Trägerschaft. Eine Vielzahl von Fügungen, die wir Gott zuschreiben dürfen, hatte den Weg für den neuen Status der Friedensauer Ausbildungsstätte gebahnt.

In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich die Theologische Hochschule durch Entwicklung weiterer Studiengänge entsprechend aufkommender Bedürfnisse ständig fortentwickelt. Für Forschungsaufgaben wurden Institute geschaffen. Die Bachelor- und Masterstudiengänge entsprechen den Qualitätsstandards universitärer Ausbildung und sind sämtlich akkreditiert. Zwei Masterstudiengänge werden zum Vorteil internationaler Studierender ausschließlich in englischer Sprache durchgeführt und kürzlich begann ein neuer Studiengang im Gesundheits- und Pflegebereich in Zusammenarbeit mit einem Berliner Akutkrankenhaus.

Gegenwärtig studieren in den beiden Fachbereichen Theologie und Christliche Sozialwissenschaften annähernd 200 Studenten aus mehr als 20 Ländern.

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