Ausgabe 1/2008

Predigttext: Jahreslosung 2008 – Hbr 10,23

Johann Gerhardt

I: Information:

„Wenn auch die Überschrift ‚An die Hebräer’ erst aus dem 2. Jh. stammt, so ist sie doch durchaus zutreffend. Der Brief setzt Leser voraus, die nicht nur über den Alten Bund gut Bescheid wissen, sondern die auch aus dem Judentum bekehrt wurden. Seine Betonung von Kult und Gottesdienst lässt sogar an Priester denken, vgl. Apg 6,7. Als sie Christen geworden waren, mussten sie die Heilige Stadt verlassen und anderswohin flüchten. Aber dieses Exil lastet auf ihnen; sie erinnern sich wehmütig an den Glanz des levitischen Kultes, dessen Diener sie einst waren; sie sind enttäuscht von ihrem neuen Glauben, der noch wenig gefestigt und erleuchtet ist, auch verwirrt durch die Verfolgungen, die er ihnen einbringt; so sind sie in Versuchung, diesem Glauben den Rücken zu kehren.

Ziel des Hebräerbriefes ist, sie vor einem solchen Abfall zu bewahren, 10, 19-39. Diesen mutlos gewordenen Heimatlosen hält er herrliche Ausblicke auf das christliche Leben vor Augen, das als eine Pilgerschaft, ein Weg zur verheißenen Ruhe, eine Wanderung zur himmlischen Heimat verstanden wird mit Christus als dem Führer, der Mose überragt, 3,1-6, mit jener Glaubenshoffnung als Licht, die schon die Patriarchen ihres Geschlechtes, die Juden des Auszuges aus Ägypten und alle Heiligen des AT geleitet hat, 3,7-4,11;11. Ihrer Sehnsucht nach dem alten Priestertum und dem alten levitischen Kult stellt der Brief die Person Christi entgegen, der Priester ist nach der Ordnung des Melchisedek, höher als Aaron, 4,14-5,10;7, und sein einziges, alleingültiges Opfer, das alle unwirksamen Opfer des Alten Bundes ersetzt, 8,1-10,18. Um all dies zu begründen, beweist er die überragende Würde dieses Führers und dieses Priesters: Jesus Christus, der fleischgewordene Sohn Gottes, der König des Alls ist und selbst über den Engeln steht, 1-2. Die theologischen, auf Auslegung des AT gestützten Erörterungen werden von eindringlichen Ermahnungen unterbrochen. Die Fäden des Hauptthemas verschlingen sich in einer kunstvollen Feinheit ... dies ist ein Beispiel von Typologie, das einzigartig die Weise erhellt, wie die ersten Christen den Zusammenhang der beiden Testamente verstanden und das Werk Christi von der ganzen Heilsordnung her begriffen haben.“ (Jerusalemer Bibel: Einleitung zu den Paulusbriefen)

II: Predigtentwurf – Jahresmotto 2008:
„Lasset uns festhalten am Bekenntnis der Hoffnung“

Einleitung: Die Rolle von Mottos

Firmen geben sich Logos (Mottos) als Zeichen ihrer Identität (einige nennen).
Menschen leben nach einem Motto, bewusst oder unbewusst.
Positives Motto: Jeder meint es gut, das Leben ist schön (und andere).
Negatives Motto: Die Welt ist schlecht, keiner mag mich (und andere).
Die Wahl des Lebensmottos verrät die Einstellung, die negative wie die positive.
Die Adventgemeinde gibt sich für 2008 ein Motto:
„Lasst uns festhalten am Bekenntnis der Hoffnung.“
Ein positives Motto. Wir untersuchen, worin das Positive liegt.

Hauptgedanke I: Das Positive am Festhalten

Festhalten kann negativ sein (am Alten festhalten, am Unwichtigen, am Schädlichen, am Falschen, an den heranwachsenden Kindern, an Gewohnheiten: dafür Beispiele finden).

Dann heißt die Devise: loslassen, aufgeben, freigeben, verändern.
Jeder von uns hat das in seinem Leben getan und auch festgestellt, dass es manchmal leichter ist festzuhalten als loszulassen.
Auch die Empfänger des Hebräerbriefes haben losgelassen (siehe Information).
Festhalten ist dann wichtig, wenn Gefahr droht (Bergsteigen, eigene Erfahrungen),
wenn Unsicherheit, Angst, wenn Zweifel, wenn Gefahr des Rückfalls, der Regression. (Beispiele aus dem Leben: an Ehe festhalten, am Beruf, am Versprechen?)
Das Leben stellt uns immer wieder vor die Entscheidung: aufgeben oder festhalten.
Auch die Empfänger des Hebräerbriefes standen vor der Wahl, ihr Bekenntnis aufzugeben oder festzuhalten. Dabei werden sie erinnert, dass Jesus treu ist und festhält an der erwirkten Erlösung.

Hauptgedanke II: Das Positive am Bekenntnis

Um die Entscheidung positiv fällen zu können, muss man sich das Positive des Bekenntnisses (des Lebensmottos) in Erinnerung rufen oder rufen lassen.
Die Hebräer hatten ein Bekenntnis zum Vorläufigen aufgegeben (immer wieder Opfer).Jetzt haben sie ein Bekenntnis zum Endgültigen (das einmalige Opfer Jesu).
Vorher Bekenntnis zu Moses als Führer – jetzt zu Jesus.
Vorher zu Aaron als Priester – jetzt zu Jesus.
Vorher zu Tierblut – jetzt zu Jesus.Vorher zu Brot und Licht – jetzt zu Jesus.
Vorher zum Vorhang – jetzt zu Jesus.
Vorher zur verheißenen Erlösung – jetzt zur vollständigen Erlösung durch Jesus.
Vorher zum Tempel – jetzt zum wahren Heiligtum.
Vorher zur jährlichen Audienz – jetzt zum freien Weg zu Gott.
Wenn wir aufgerufen sind, an unserem Bekenntnis der Hoffnung festzuhalten, bedarf es einer ähnlichen Reflexion.Was habe ich losgelassen? Was habe ich gewonnen? Wie lautet mein Bekenntnis der Hoffnung?

Immer, wie auch bei den Hebräern, ist es im eigenen Leben und in Christus begründet. Was schließt das Bekenntnis der Hoffnung ein (diesen Gedanken ausführen)?

Schlussgedanke:

Das Bekenntnis der Hoffnung gipfelt in der Person Jesu Christi. Alles, was im Alten Bund in Örtern, Geräten und Symbolen vorgeschattet wurde, ist nun Wirklichkeit in Jesus. An ihm festhalten macht fähig, in den Wirren des Lebens Halt und Orientierung zu finden. An ihm festhalten meint, Altes loslassen zu können und das Wesentliche bewahren. Darum ging es im Leben der Hebräer. Darum geht es in unserem Leben. 

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