„Da wurden sie froh” – oder – auf die Perspektive kommt es an.
Predigttext: Joh 20,19-23
Worum es geht:
Johannes beschreibt im zeitlich jüngsten Evangelium des Ñeuen Testaments ausführlich die Geschichten um die Auferstehung Jesu, besonders die einzelnen Begegnungen mit verschiedenen Personen aus dem Jüngerkreis. Dabei hat er zum Ziel, die Glaubwürdigkeit der Auferstehung durch die verschiedenen Augenzeugenberichte und den Glauben an Jesus als den göttlich gesandten Retter zu untermauern (20,30f). Jesus ist erkennbar der Rabbi von früher, doch eignet ihm eine neue Qualität, die die Jünger zum Staunen und zur Ehrfurcht bringt. Jesus erscheint drei Mal nach der Auferstehung, aber er ist nicht mehr beständig bei seinen Jüngern. Er ist nun nicht mehr ihr Lehrer, sondern wirklich der Herr. In der vorliegenden Begebenheit wird deutlich, wie die verängstigte Jüngergruppe durch das Erscheinen des Herrn eine Veränderung in ihrer Haltung erfährt. Von der Angst zur Hoffnung, vom Erschrecken zur Freude. Dieses Motiv eignet sich für das Nachdenken in einer Predigt über die Situation der Jünger (Gemeinde) heute.Predigtaufbau:
Einleitung:
Vor- und Nachteil von Rückzug und Klausur
Rückbesinnung hat in unserer schnellen Zeit Konjunktur. Siehe Hape Kerkelings Bestseller. Wichtig zur Neuorientierung und für kreative Ideen, sofern sie selbstgewählt ist und wieder rückgängig gemacht werden kann.
Rückzug kann auch aus Angst geschehen wie bei den Jüngern und führt dann möglicherweise in Isolation, zum Gefühl der Hilflosigkeit und damit zur Apathie.
Hauptteil I:
Die Jünger sehen Probleme: sie haben Angst
Gestern: Aufbruch: Sie sind nachgefolgt, haben Wunder gesehen, haben noch den Geschmack vom Brot im Mund, waren dabei bei der Heilung von Blinden, haben das Hosianna am Palmsonntag noch im Ohr.
Gestern war auch unsere gute Zeit des Erfolges in der Mission. Gestern sind die Gemeinden noch gewachsen. Ach, warum konnte das Gestern nicht zum Heute werden?Heute: Probleme über Probleme. Der Herr gekreuzigt. Ein paar Frauen wollen ihn heute gesehen haben. Wem soll man trauen? Draußen die Feinde. Hier der enge Raum mit den verschlossenen Türen. Und was wird morgen sein? Das Ergebnis: Angst.
Wer heute über die Gemeinde spricht, hat auch oft die Probleme vor Augen. Gemeinde gibt immer zur Sorge Anlass. Sie ist mehr Krankenhaus als Urlaubsort. Und wer das Krankenhaus ernst nimmt, ist von der Arbeit in ihm gezeichnet.
Reaktion auf Probleme im Mittelpunkt: Kampf oder Flucht.
Wo kämpfen wir heute, wo fliehen wir, weil wir nur die Probleme sehen?
Hauptteil II:
Die Jünger sehen Jesus: da werden sie froh
Jesus bricht ein: Er ist da trotz Mauern und verschlossener Tür.Kein Problem kann ihn von den Jüngern fernhalten. Manchmal bricht er in mein Leben ein: Ich merke, er ist da.
Jesus spricht Frieden zu: Der eigene Friede will sich nicht einstellen. Die Sorgen gehen mit bis in die Nächte. Aber Vertrauen und Glaube meint, loszulassen und sich in den Frieden Gottes zu begeben. Wenn ich krampfhaft an den Problemen festhalte, ist dies nicht ein Akt des Unglaubens und der Selbstsucht?
Jesus haucht die Jünger an: Er gibt ihnen seinen Atem, seinen Geist, den langen Atem der Geduld, den Geist, der lebendig macht, den Geist, der uns sagt, dass wir Gottes Kinder sind, den Geist der Freiheit und Befreiung. Ich brauche den Atem Jesu, um den langen Atem zu behalten.
Jesus sendet sie: Sie haben kein eigenes Mandat, sie sind Gesandte. Sie machen die Tür nach draußen auf und stellen sich den Herausforderungen. Diese Sendung hat Gewicht und Kraft. Wir sind nicht gesandt, um Erfolg zu haben. Wir sind gesandt, weil Gott sendet.
Schlussgedanke:
Was hat sich geändert? Nichts, und doch alles. Die Jünger haben die gleichen Probleme. Aber in der Mitte befindet sich nun nicht ihre berechtigte Sorge um die Zukunft, sondern ihr Herr und Meister; der, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in sich vereint als der, der da war, der da ist und der da kommt. In seiner Gegenwart muss die Angst weichen und die Tür geht auf. Als die Jünger ihn sahen, mitten in ihren Problemen, da wurden sie froh. Auch wir sind seine Jünger.
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