Festgottesdienst zum 110. Jahrestag der Gründung Friedensaus

Vor 110 Jahren, am 19. November 1899, wurde die Ortschaft Friedensau auf einem ehemaligen Mühlenhof an der Ihle gegründet, auf dessen Gelände die „Industrie- und Missionsschule“ der Siebenten-Tags-Adventisten ihren Unterrichtsbetrieb mit zunächst sieben Schülern aufnahm. Als Flurbezeichnung wählte man den Kunstnamen Friedensau. Noch im Jahr 1899 wurde der Grundstein für eine Nährmittelfabrik gelegt, 1901 ein Sanatorium (heute Erich-Meyer-Haus) eingeweiht, 1904 die Alte Schule mit Kapelle (Otto-Lüpke-Haus), 1907 ein Altenheim (Ludwig-Richard-Conradi-Haus) und 1911 wurde die Neue Schule (Wilhelm-Michael-Haus) vollendet. Die großen Gebäude im wilhelminischen Stil prägen bis heute das Erscheinungsbild des Ortes, in dem gegenwärtig ca. 500 Personen leben. Genau 100 Jahre nach dem ersten Unterricht feierten junge und alte Friedensauer, Angehörige der Hochschule und Einwohner einen Festgottesdienst in der Kapelle. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von André Hummel an der Orgel. Pastor Gerald Hummel beschrieb die Geschichte Friedensaus als eine Geschichte der Wunder, die den Ort jeweils nachhaltig verändert haben – von der Pionier-Phase über die mehrfache Auferstehung aus den Kriegen und nach der Wende, als die Studentenzahlen drastisch zusammenbrachen, bis zur staatlichen Anerkennung der Hochschule. Altrektor Dr. Manfred Böttcher beizeichnete es als ein Wunder des Glaubens, dass dieser kleine Ort zwei Jahre lang die Gewalt der russischen Truppen nicht nur überstehen, sondern sogar von ihnen profitieren konnte, indem die sowjetische Militäradministration sogar die Unabhängigkeit der Bildungseinrichtung zusicherte. „Gott hat seine Hände über Friedensau gehalten und ich bin zuversichtlich, dass er es auch in nächster Zeit tun wird“, so Böttcher. In einem schriftlichen Grußwort beglückwünschte Landrat Lothar Finzelberg die Leistung Friedensaus, das Jerichower Land zu stärken und nachhaltig zu prägen. In Vertretung des erkrankten Rektors sprach Prof. Rolf Pöhler, Th.D., von einem „Märchenschloss im Wald“. Als er 1991 zu seinem 42. Geburtstag einen Ruf an die Hochschule erhielt, empfand er es als ein Geschenk, Neues mit aufbauen zu dürfen und nicht nur Altes zu erhalten. Er schätzte die Hochschule, ohne die es Friedensau vielleicht nicht mehr geben würde. Pöhler erinnerte an die prägende Gestalt Friedensau, da Tausende ehemalige Studierende nicht nur im diakonischen und theologischen Bereich, sondern auch in Sozial- und die Gesundheitswissenschaften zu Antworten auf die postmodernen Fragen der Gegenwart und Zukunft beitragen. Seniorenheimleiter Christoph Maaß bemängelte, dass Altenheime heute zum größten Teil nur noch auf die Pflege ausgerichtet seien. Mit dem Neubau des Friedensauer Altenheims habe man sich ein Stück des Miteinanders zurückholen können, um dem Motto „idyllisch wohnen und sich wohl fühlen“ gerecht zu werden. Man sei sehr bemüht, an dem Thema Wohlfühlen stetig weiterzuarbeiten. Dietmar Päschel ging in seinem Beitrag dem Miteinander Vielfalt nach. An größeren Universitäten sei Vielfalt keine Frage, doch hier auf engem Raum führe Vielfalt auch zu Konflikten. Die Vielfalt erfordere es, eine gemeinsame Mitte zu finden, und so eine Antwort auf die brennende Frage zu bekommen, wer wir sind und wohin wir gehen wollen. Päschel schlug als gemeinsame Mitte die Schnittmenge von Evangelium, Studierendenorientierung, Mitarbeiterorientierung und Wissenschaftlichkeit vor. Den Blick in die Zukunft richteten die Gymnasiastin Janine Dost und der Theologiestudent René Zywietz. Friedensau werde ein Ort sein, der die guten Werte unbeugsam verteidigen wird und trotzdem das Moderne integrieren könne. Er werde national und international einen guten Ruf haben, denn die Studierenden und Einwohner tragen ein großes Potential in sich. Ob Kinder zukünftig in Friedensau die Grundschule besuchen und danach auf einer Eisfläche Schlittschuh laufen können? Nicht weniger wichtig sei für Zywietz ein mindestens genauso warmherziger Rektor, wie man ihn im Moment hat, eine erfolgreiche Akkreditierung und das baldige Promotionsrecht. Doch der Garant für die Zukunft bleibt die Gemeinschaft, denn in ihr liegt das Wissen, die Tatkraft, die Kreativität und das Potential für Leben und Glauben.

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