Ruhige Pause auf Station?

Berlin. Am 15.03. referierten Studenten des Studiengangs Gesundheits- und Pflegewissenschaften der Theologischen Hochschule auf dem "Junge Pflege Kongress 2013" in der Urania. Es wurden die ersten Forschungsergebnisse aus dem Projekt "Gesundheitsförderung und Prävention im Setting Krankenhaus" vorgestellt. Die Projektgruppe, bestehend aus Anja Kotschote, Sandra Rätz und Claus Warning, unter der Leitung von Lars Werner, beschäftigte sich mit der Pausensituation im Setting Krankenhaus im Bereich der Pflege.

Das Gesundheitswesen ist in Deutschland einer der wichtigsten Beschäftigungsbereiche (Augurzky et al. 2009, S. 20). In diesem ist der Krankenhaussektor der größte Ausgabenträger (ebd., S. 20). In deutschen Krankenhäusern waren im Jahr 2012 circa 406.000 Pflegekräfte beschäftigt (Statistisches Bundesamt 2012). Die hohen Arbeitsbelastungen im Setting Krankenhaus wirken sich unterschiedlich auf die Gesundheit der Pflegepersonen aus. Dies kann zur Folge haben, dass sich Herz- und Kreislaufprobleme, psychische Erkrankungen, Muskel- und Skeletterkrankungen sowie viele andere Erkrankungen manifestieren können (Thiekötter 1998, S. 36). Diese Arbeitsbedingungen sind ein Hochrisikobereich für die Gesundheit der Beschäftigten (Müller 2009, S. 4).

In diesem "Hochrisikobereich" ist eine ungestörte und erholsame Pause von elementarer Bedeutung, um "aufzutanken" und leistungsfähig und konzentriert arbeiten zu können.

Ausgehend von der Vermutung, dass die Pflegepersonen die Pausenzeiten nicht ohne Unterbrechung wahrnehmen können, die Station in der Pause nicht verlassen werden kann und andere Berufsgruppen die Pausenzeiten der Pflegepersonen nicht kennen, wurden die Pflegepersonen und Auszubildenden der einzelnen bettenführenden Stationen mittels Fragebogen in einem Stichprobenverfahren befragt. Im Ergebnis der Erhebung kann zusammenfassend gesagt werden, dass die Pausen nicht ohne Unterbrechung wahrgenommen werden können (100%), die Station in der Pause nicht verlassen werden kann (56% – 81%) und dass andere Berufsgruppen die Pausenzeiten nicht kennen (31% – 61%). Der Erholungseffekt der Pause wurde selten erreicht.

Das Projektziel gab Folgendes vor: Innerhalb von 6 Monaten soll es für jeden Mitarbeiter der Pflege im Krankenhaus gewährleistet sein, die gesetzliche Pausenzeit ungestört wahrzunehmen. Die Auswahl des Pausenortes obliegt dem Mitarbeiter.

Durch den Ansatz von Interventionen in der Verhaltensprävention und Verhältnisprävention soll das Projektziel erreicht werden können.

Nach Auswahl einer Pilotstation und Information der betreffenden Teammitglieder soll nun die Pilotphase beginnen und ausgewählte Interventionen angewendet werden, um den Teammitgliedern eine erholsame Pause gestalten zu können.
Das Projektteam hofft auf messbare Effekte, um die "Ruhige Pause auf Station" im gesamten Krankenhaus implementieren zu können.

Lars Werner

Literatur:

Augurzky, B. et al.: Effizienzreserven im Gesundheitswesen. RWI: Materialien Heft 49 (2009). Online im Internet unter: www.rwi-essen.de, http://www.rwi-essen.de/media/content/pages/publikationen/rwi-materialien/M_49_Effizienzreserven-Gesundheitswesen.pdf [Stand 15.07.2012].

Statistisches Bundesamt. Personal in Krankenhäusern. Nichtärztliches Personal im Pflegedienst. Online im Internet unter: www.destatis.de, https://www-genesis.destatis.de/genesis/online;jsessionid=84943A19FA92825DBFFB0B2DF7443D84.tomcat_GO_1_2?operation=previous&levelindex=2&levelid=1342371216953&step=2 [Stand 15.07.2012].

Thiekötter, A.: Arbeitsplatz Krankenhaus. Gesundheitsförderung am Beispiel der Arbeitssituation des Pflegepersonals einer Universitätsklinik. Theoretischer Beitrag und empirische Analyse. In: Lissner, C. (Hrsg.): Theorieansätze und Reflexionen ausgewählter Praxisfelder. Beiträge aus dem Sozial- und Gesundheitswesen. Magdeburger Reihe Bd. 1, Magdeburg 1999, S. 83–107. Zugriff über Datenbank: Datenbank WISE, http://www.dip.de/datenbank-wise/detail/?no_cache=1&tx_dipwise_pi2[uid]=129 [Stand 30.08.2012].

Müller, B.: Betriebliches Gesundheitsmanagement im System Krankenhaus -Bestandsaufnahme und Ausblick. Abschlussbericht (2009). Online im Internet unter: http://www.boeckler.de/pdf_fof/S-2008-145-4-1.pdf, [Stand 13.06.2012].

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