Myanmar – eine Demokratie im Rückwärtsgang?

Mi

24.03.2021
14.00 Uhr

Zoom – in Englisch

Zoom-Link: https://zoom.us/j/5721431962

Für den 24. März 2021, 14.00 Uhr, lädt der Fachbereich Christliches Sozialwesen zu einer Podiumsdiskussion über Zoom ein. Zum Thema „Eine Demokratie im Rück­wärtsgang? Zu Myanmars Geschichte, dem Erbe der Revolution und der gegenwärtigen Krise“ sprechen namhafte internationale Experten.

Am 1. Februar 2021 erreichte die Welt die Nachricht von einem Militärputsch in Myanmar. Aung San Suu Kyi (Spitzenpolitikerin in Myanmar und Friedensnobelpreis­trägerin) sowie andere Regierungsbeamte wurden verhaftet. Das Militär proklamierte einen einjährigen Ausnahmezustand. Im Widerstand gegen die Militärregierung ent­stand eine Bürgerrechtsbewegung, die mit Streiks und Protesten international auf die Situation in Myanmar aufmerksam macht.

Die Geschichte des Schreckens scheint sich zu wiederholen, da das Militär die Proteste unbewaffneter Bürger mit großer Härte bekämpft. Bis vor Kurzem fand man Myanmar mit der Verfolgung ethnischer Minderheiten wie der Rohingya in den Medien. Mit der Macht­übernahme durch das Militär scheint es, als ob das Land in das Erbe einer vom Militär geführten Regierung zurückfällt, die für einen der am längsten andauernden Bürger­kriege verantwortlich ist.

Zur Erklärung der sich zuspitzenden Situation in Myanmar (früher Burma) wird in der Podiumsdiskussion die politische Lage des asiatischen Landes skizziert und analysiert. Ist die Abkehr von der Demokratie ein burmesisches Erbe? Welche Kräfte sind derzeit an der Regierungsführung und dem Wirtschaftsmanagement beteiligt? War Myanmar jemals eine echte Demokratie?

In dieser Veranstaltung wird versucht, herauszufinden, warum und wie Myanmars Krise entstanden ist. Die Podiumsteilnehmer berichten über das politische, wirtschaftliche und soziale Leben in Myanmar und ordnen die Rolle der internationalen und zivilgesellschaftlichen Akteure für Myanmars Zukunft ein. Die Moderation liegt in den Händen von Prof. Dr. Ulrike Schultz, Prodekanin des Fachbereiches und Studien­gangsleiterin M.A. International Social Sciences. Mit beteiligt ist ein Team Studierender. Die Diskussion findet in englischer Sprache statt. Es ist eine öffentliche Veranstaltung. Interessenten werden nach dem Eintreten in den virtuellen Warteraum zugelassen. Benötigt werden PC/Laptop/Tablet oder Smartphone, eine stabile Internetverbindung, Headset oder alternativ Kopfhörer mit Mikrofon.

Die Sprecher:

Salai Kipp ist ein hochrangiger Vertreter der Chin National Front, einer nationalistischen politischen Organisation in Myanmar. Seine politische Tätigkeit brachte ihn 1986 ins Gefängnis; in Deutschland erhielt er daraufhin politisches Asyl. Seit 2012 lebt er wieder in Myanmar und kämpft für die Demokratie. Er wird in der Diskussion zum historischen Hintergrund der Demokratiebewegung und zur Geschichte Myanmars sprechen.

Tharaphi Than ist Professorin am Fachbereich Sprachen und Kulturen der Welt an der Universität Illinois (USA). Derzeit arbeitet sie an der Schnittstelle von Dissens und Nahrung und konzentriert sich auf die Ereignisse, die zu den Reisunruhen von 1967 und 1974 in Myanmar führten. Sie wird über das Thema „Protest zur Revolution: Entwicklung von Myanmars Anti-Putsch-Bewegung“ sprechen.

Tim Paul Schroeder arbeitet am Covenant-Institut Yangon (ehemals Rangun, Myanmar). In den letzten zehn Jahren hat er sich mit dem Friedensprozess in Myanmar befasst. Er berät zu Friedens- und Konfliktfragen sowie zu konfliktsensiblem Programmmanagement. Er wird über die Rolle ethnischer Gruppen und die Auswirkungen des aktuellen Militärputsches auf den nationalen Friedensprozess sprechen.

Aung Kyaw Moe ist Geschäftsführer des Centre for Social Integrity (CSI), dessen Gründer er auch ist. Das CSI müht sich um die Inklusion der Rohingya und den sozialen Zusammenhalt in Myanmar. Das CSI wurde 2017 mit dem Preis für innovative Friedensbemühungen, 2019 mit dem Schuman Award und mit dem Global Pluralism Award ausgezeichnet. Aung Kyaw Moe hat über 13 Jahre lang mit verschiedenen internationalen NGOs in Thailand, Singapur, Afghanistan und Liberia zusammengearbeitet. Er wird am 24.3. über Stellung von Minderheiten und ethnischen Gruppen, insbesondere der Rohingya-Bevölkerung, in Demokratisierungsprozessen sprechen.