Prof. Stefan Höschele spricht im Podcast »Weitgedacht«
18. Sep.. 2026
Prof. Stefan Höschele spricht im Podcast »Weitgedacht« in der Folge 4 zu den Fragen: Wem gehört Deutschland? Wer gehört dazu? Wer darf mitbestimmen?
Für Prof. Stefan Höschele beginnt Theologie nicht mit fertigen Antworten, sondern mit der Freiheit, Fragen zu stellen. Stefan Höschele ist Professor für Systematische Theologie und Adventismus-Studien, zugleich Prodekan am Fachbereich Theologie sowie Leiter des Instituts für adventistische Geschichte und Theologie an der Theologischen Hochschule Friedensau. Er erklärt im Podcast: „Systematische Theologie versucht zu deuten, Zusammenhänge herzustellen – und von der Deutung schließlich zur Gestaltung zu kommen.“
In dieser Folge von »Weitgedacht« spricht Prof. Stefan Höschele über christlichen Glauben und gesellschaftliche Verantwortung. Darüber, welches Verhältnis Christinnen und Christen zum Staat haben können, ob und wie Kirche sich politisch einbringen sollte – und warum sich Aussagen der Bibel nicht nahtlos auf unsere heutigen politischen Systeme übertragen lassen. Denn das Neue Testament liefert keine fertige politische Ethik. Es kennt die Aufforderung, staatliche Ordnungen zu unterstützen – und gleichzeitig den Gedanken, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen. Gerade deshalb wird es schwierig, wenn versucht wird, einen Staat religiös zu färben oder christlichen Glauben mit nationalen Interessen gleichzusetzen. Wir sprechen über Nationalgefühl und die besondere Verantwortung, die unsere deutsche Geschichte mit sich bringt. Prof. Stefan Höschele schlägt dafür einen anderen Begriff vor: Zugehörigkeit. Denn dazugehören zu wollen, ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis. „Wir wollen Teil einer Familie, einer Nachbarschaft, einer Gemeinschaft sein. Wir wollen irgendwo daheim sein. Doch sobald wir darüber sprechen, wer dazugehört, stellt sich auch die Frage: Wer gehört nicht dazu?“ Gerade hier wird christliche Gemeinschaft spannend. Stefan Höschele beschreibt Kirche als ein faszinierendes „Sozialexperiment des Dazugehörens“ – als eine Gemeinschaft, die nicht einfach deckungsgleich mit der Gesellschaft ist und in der Herkunft nicht darüber entscheiden sollte, welchen Platz ein Mensch bekommt. Dabei richtet sich der Blick auch auf diejenigen, die als fremd wahrgenommen werden. „Der Fremdling“ ist in der Bibel ein wichtiger Erkenntnisort – er findet sogar im Sabbatgebot seinen Platz. Für eine Kirche, die selbst Erfahrungen als Minderheit gemacht hat, erwächst daraus eine besondere Verantwortung, für die Rechte von Minderheiten einzutreten. Und schließlich geht es um die ganz konkrete Frage der Mitgestaltung: ums Wählen. Frühe Adventisten standen dem Wählen zunächst kritisch gegenüber – bis sie erkannten, dass politische Mitbestimmung auch ihnen selbst zugutekommen konnte. Heute können wir das Wahlrecht als Einladung und Privileg verstehen: als Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und Gesellschaft mitzugestalten.
Eine Folge über Glaube und Staat, Nation und Zugehörigkeit, Fremdsein und Gemeinschaft – und über die Frage, was sich verändern könnte, wenn Werte des Reiches Gottes in unserer Gesellschaft sichtbar werden: Alle gehören aus Gnade dazu. Entscheidend ist nicht, woher du kommst, sondern wohin Gott dich senden möchte.
In dieser Folge erwähnt: – John Locke und das Verhältnis von Staat und Individuum – der „Fremdling“ in der Bibel und im Sabbatgebot – frühe Adventisten und ihr Verhältnis zum Wählen – christliche Vorstellungen von Zugehörigkeit und Gemeinschaft
Podcast-Kooperation zwischen Freikirche der STA in der BMV und Theologischer Hochschule Friedensau. Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Berlin-Mitteldeutschland: https://bmv.adventisten.de/ | Theologische Hochschule Friedensau: https://www.thh-friedensau.de/ | Shop Friedensau: https://shop.friedensau.de/
Host: Dietmar Päschel | Gast: Prof. Stefan Höschele | Sprecherin: Annegret Hartlapp | Redaktion: Dietmar Päschel | Produktionsleitung: Annegret Hartlapp | Produktion: Lucas Olschewski, Matheus Volanin, Oliver Baier | Fragen, Gedanken, Widerspruch? Wir freuen uns, wenn ihr mit uns weiterdenkt: Annegret Hartlapp |
