Alumni & Fachbereich im Porträt: Dr. Annette Witherspoon

01. Okt.. 2026 / Campusleben

Aus Liberia · Leiterin des Studiengangs International Social Work an der ThHF · Alumna, Master International Social Sciences (2010–2013)

Dr. Annette Witherspoon ist auf besondere Weise mit Friedensau verbunden – ihre Verbindung zur Hochschule führt in beide Richtungen. Heute leitet sie den Studiengang International Social Work und ist Dozentin im Fachbereich Christliches Sozialwesen. Doch bevor sie selbst Teil des Lehrkörpers wurde, war sie Studentin in Friedensau und absolvierte hier von 2010 bis 2013 ihren Master in International Social Sciences.

„Eigentlich hatte ich mein Studium bereits 2012 abgeschlossen“, erzählt sie. „Danach habe ich aber noch ein längeres Praktikum bei ADRA Deutschland gemacht, deshalb habe ich meinen Abschluss offiziell erst 2013 erhalten.”

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr die Vielfalt ihres damaligen Studienjahrgangs: Rund acht Studierende aus unterschiedlichen Ländern kamen zusammen und tauschten sich intensiv über ihre Ideen und Erfahrungen aus. Es war noch eine Zeit, in der Telefone mit Festnetzanschluss in den Wohnheimzimmern standen – mit langen nächtlichen Telefonaten und ausgedehnten Gesprächen über das Studium.
Doch eine Erinnerung überragt alle anderen: die Geschichte rund um ihr Visum, die beinahe dazu geführt hätte, dass sie überhaupt nicht nach Friedensau kommen konnte.
Annette arbeitete damals in Norwegen und stellte fest, dass die einzige deutsche Botschaft, die ihr Visum bearbeiten konnte, in Ghana lag. Also flog sie nach Ghana. Dort wurde ihr gesagt, sie müsse den Antrag in Norwegen stellen. Sie flog zurück nach Norwegen – nur um anschließend zu erfahren, dass ihre Unterlagen nun doch aus Ghana kommen müssten. Also flog sie ein zweites Mal nach Ghana, um ihren Pass abzugeben. Anschließend musste sie jemanden organisieren, der den Pass abholte und ihn ihr nach Norwegen schickte.

“Was ich am meisten in Erinnerung habe – und worüber ich heute noch mit Irina lache –, ist, wie kompliziert es war, das Visum für die Einreise nach Deutschland zu bekommen.”

Die schwierigere Phase, erzählt sie, kam allerdings erst während ihres Studiums. Zwei Praktika – zunächst ein kürzeres in Liberia, anschließend ein sechsmonatiges Praktikum bei ADRA Deutschland – legten den Grundstein für ihren weiteren beruflichen Weg. Das Praktikum bei ADRA wurde allerdings nur mit 100 Euro im Monat vergütet.
„Zum Glück wurde mir eine Unterkunft zur Verfügung gestellt“, erinnert sie sich. Zusätzlich nahm sie einen kleinen Nebenjob an, um über die Runden zu kommen.

Aus ihrer Tätigkeit bei ADRA entwickelte sich schließlich eine Beratertätigkeit im Bereich Compliance sowie Monitoring und Evaluation für Projekte in der Sahelzone – unter anderem in Mali, Niger und Burkina Faso.
Heute kann Annette in ihrer Arbeit zwei wichtige Linien ihrer beruflichen Entwicklung miteinander verbinden: ihren Hintergrund in der Sozialen Arbeit und ihre Ausbildung im Bereich Entwicklungszusammenarbeit. „Oft habe ich das Gefühl, dass ich genau an der Schnittstelle dieser beiden Fachbereiche arbeite“, sagt sie. „Und genau diese Verbindung möchte ich auch in den Studiengang einbringen.“

Neben der Betreuung von Studieninteressierten und Studierenden unterrichtet sie das Modul „Project Management in International Development“ sowie einen Workshop zu Global Public Health. Dieser Workshop entstand zunächst eher zufällig aus einer Veranstaltung über die Ebola-Bekämpfung – basierend auf ihren eigenen Erfahrungen bei ADRA in Liberia während des Ebola-Ausbruchs 2014.

Inzwischen hat sich daraus ein umfassenderes Lehrangebot entwickelt, das sich unter anderem mit Verhaltensänderungen und den sozialen Determinanten von Gesundheit beschäftigt.

Bild der THH Friedensau