Vom belgischen Königshaus nach Friedensau

03. Juni. 2026 / Campusleben / Wissenschaft & Forschung

Im Mai durften wir Prof. Dr. Dixon Chibanda das dritte Mal in Friedensau begrüßen. Sein Weg führte ihn diesmal vom belgischen Königshaus nach Friedensau, von wo aus er weiter in die Niederlande reiste. Dixon Chibanda verfolgt unermüdlich seine Mission, „Friendship Bench immer und überall fußläufig und kostenlos erreichbar zu machen.“ Dafür wurden organisationsintern Strukturen verändert, und „Friendship Bench global“ gegründet.

In seiner unkomplizierten, authentischen Art berichtete er im Zuge unserer kleinen, spontan anberaumten Veranstaltung von seinem Besuch beim belgischen Königspaar. Den Besuch, in Belgien unternahm Prof. Chibanda zusammen mit einer der Großmütter, die die Arbeit seit vielen Jahren in Simbabwe mit aufgebaut und als Friendship Bench-Begleiterin umgesetzt hat. Neben der Wertschätzung des Projekts konnte „Friendship Bench“ (FB) eine Spende entgegennehmen und die Ermutigung, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen.

Dixon berichtete über die Frage, was er als die wichtigste Lektion aus der Arbeit betrachte: „Wenn man menschliches Leid übermäßig medizinisch definiert und überfrachtet, nimmt man der Gemeinschaft die Fähigkeit, füreinander zu sorgen und sich gegenseitig zu unterstützen. Es ist wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass wir eine stärkere Verbundenheit herstellen, wenn wir die Etiketten und den gesamten medizinischen Fachjargon weglassen. Wenn wir all das weglassen, kommunizieren wir auf eine sehr authentische Weise.“

Er berichtete auch von den Anfängen, als die Bezeichnung „Mental Health Bench“ („Bank der psychischen Gesundheit“) auf große Ablehnung stieß und „niemand auf der „Mental Health Bench“ sitzen wollte“. Eine der allerersten Großmütter – Großmutter Jack – kam auf Dixon zu und forderte ihn auf, den Namen zu ändern. So waren es die ersten 14 Großmütter, auf die die Namensgebung von „Friendship Bench“ zurückgeht. Diese Lernerfahrung ist für Chibanda bis heute prägend: „Ich habe gelernt, dass die Namen, die wir für Dinge wählen, diese Dinge entweder zum Erfolg führen oder zum Scheitern bringen können.“ In der Folge wurden bei „Friendship Bench“ Bezeichnungen wie „den Geist öffnen“, „aufbauen“ und „stärken“ gewählt. Denn dies sind Begriffe, mit denen sich Gemeinschaften identifizieren können. Begriffe aus dem therapeutischen, medizinischen Sektor wie Interpersonelle Therapie (IPT) oder kognitive Verhaltenstherapie werden in der Arbeit mit Communities vermieden.

Im Anschluss bedankte sich Prof. Dixon für unsere Arbeit in Friedensau. Er sieht sie eingebettet in den besonderen Geist dieses Ortes und unseres Teams. Fast im Nebensatz formuliert er „einen Traum“: Dass Friedensau nicht nur das Zentrum für FB im deutschsprachigen Raum sein, sondern sich darüber hinaus zu einem FB-Hub für Europa entwickeln könnte. Er hält dies für möglich, „weil es hier ein Herz gibt. Es gibt hier einen Geist, den ich an vielen anderen Orten, an denen ich bin, nicht sehe.“

Nach Prof. Chibanda gab Prof. Dr. Dr. Silvia Hedenigg einen Bericht über die Arbeit mit FB in Friedensau, von der Unterzeichnung des ersten Servicevertrags zur Friendship-Bench-Partnerschaft, den Ausbildungserfahrungen mit je zwei Generationen deutsch- und englischsprachiger FB-Begleiterinnen und -Begleiter, einem ersten positiven Zwischenfazit und den Perspektiven für die Zukunft unserer Aktivitäten auch jenseits von Friedensau.

Im Anschluss übernahm Prof. Chibanda die Ausgabe der Abschlusszertifikate für die erste deutschsprachige Gruppe. Zwei Teilnehmer waren bereit, über ihre Erfahrungen mit Friendship Bench zu berichten:

Ein Teilnehmer der englischsprachigen Gruppe berichtete von den traumatisierenden Erfahrungen in seinem Heimatland und seiner psychischen Belastung sowie seinen Erfahrungen, in einem fremden Land zu studieren. Er erzählte von seinem Rückzug, seiner Einsamkeit und Isolation. Er berichtete davon, dass er Friendship Bench im Unterricht von Prof. Silvia Hedenigg kennengelernt habe, den Übungen und der Erfahrung im aktiven Zuhören. Er entschied sich, das ganze Training zu absolvieren. „Als wir nun das Training durchliefen – erste Stufe, zweite Stufe, dritte Stufe –, teilten wir weiterhin unsere Erfahrungen und führten praktische Übungen durch, wie wir das Gelernte anwendeten; und die meisten von uns können bezeugen, dass es uns geheilt hat, bevor wir begannen, anderen Menschen zu begleiten.“ Er berichtete von der Bedeutung von Vertraulichkeit auf dem Campus, dem „sicheren Ort“, der keineswegs immer eine Bank sein müsse, sondern auch bei einem Spaziergang im Wald entstehen kann.

Auch ein Teilnehmer der deutschsprachigen Gruppe erzählte von seinen Erfahrungen. Als Gastdozent für Traumaberatung am Masterstudiengang Counseling und Trainer für Trauma Incident Reduction war er an der Kompatibilität der beiden Projekte interessiert und berichtete mit emotionaler Bewegtheit von dem Ansatz und der Umsetzung von Friendship Bench. Aufgrund dieser nahen beieinanderliegenden Zielrichtungen von Depressionsprävention und -reduktion bzw. Traumaberatung war ihm der Austausch mit Prof. Dixon ein Anliegen, und er teilte die Wichtigkeit, „Menschen nicht mit Etiketten zu versehen, (…) weil wir im Grunde alle menschliche Probleme haben, und ja, natürlich sind wir auf die eine oder andere Weise verletzt“. In einer Mischung aus theoretischem Hintergrund und persönlicher Erfahrung im Training betonte er die Bedeutung des Settings, einfach eine Person sein, die da ist, einfach eine Person sein, die diesen sicheren Raum schafft …“

Im Einklang mit der vielfältigen und bewegenden Reflexion zu Friendship Bench verabschiedete sich Dixon Chibanda mit einem sinngemäßen Zitat einer seiner Lieblingsautorinnen, Maya Angelou: „Die Menschen werden vergessen, was du gesagt hast. Die Menschen werden vergessen, was du getan hast. Aber die Menschen werden niemals vergessen, welche Gefühle du bei ihnen geweckt hast.“

Bild der THH Friedensau
Die Autorin des Blog-Beitrages: Prof. Dr. Dr. Silvia Hedenigg
Foto: ThHF