Soziale Arbeit in ihren Anfängen – von Fürsorgerinnen und Krankenschwestern

24. März. 2026 / Wissenschaft & Forschung

Der Beginn der sozialen Tätigkeit deutscher Adventisten lässt sich nicht mehr genau feststellen. Wahrscheinlich sind die ältesten Spuren in den Hamburger Adventgemeinden zu suchen. Dort übernahm man nach amerikanischem Vorbild die Arbeit von Tabea-Vereinen zur Unterstützung hilfsbedürftiger Personen ebenso wie die Sonntagsschularbeit. Zeitgleich mit der Einweihung des Friedensauer Sanatoriums im Juli 1901 fand die Gründung der Friedensauer Schwesternschaft statt.

Neue Berufsbilder entstehen aus einem Bedarf heraus.

Nach dem Ersten Weltkrieg erkannten die Verantwortungsträger der Kirche die Notwendigkeit, in den Gemeinden sowohl Rot-Kreuz-Kurse anzubieten (um bei Einberufungen in einem künftigen Krieg für entsprechende Dienste vorbereitet zu sein) und entsprechende Gruppen aufbauen zu können und zusätzlich einen Beitrag für die von vielfältigen Nöten der Nachkriegsjahre zerrütteten Gesellschaft (vor allem in den Familien) leisten zu können. Dazu wurden in den Vereinigungen sogenannte „Vereinigungsschwestern“ angestellt, die teilweise als Sozialfürsorgerinnen mit den staatlichen Behörden zusammenarbeiteten. Nachdem 1928 die Mitteleuropäische Division gegründet worden war, erhielt Hulda Jost als Sozialfürsorgerin die Verantwortung für eine neugegründete Abteilung für Wohlfahrtsarbeit in der Division. Sie baute sehr tatkräftig entsprechende Gruppen in den Gemeinden auf, veranstaltete Wohlfahrtsfeste und -abende und gliederte die Sozialarbeit der deutschen Adventgemeinden dem Fünften Paritätischen Wohlfahrtsverband des Reiches an. Mit diesen Aktivitäten wurde die Arbeit der Tabea-Gruppen weitgehend eingestellt.

Soziale und gesundheitsfördernde Maßnahmen im Fokus

Nach dem Verbot der Adventgemeinden im November/Dezember 1933 beschloss die Leitung der Mitteleuropäischen Division, stärker als bisher mit sozialen und gesundheitsfördernden Maßnahmen öffentlich in Erscheinung zu treten, und gründete zusätzlich eine Abteilung des Deutschen Vereins für Gesundheitspflege, die diese Ziele unterstützen sollte. Der im Jahr 1900 gegründete Verein fungierte bisher ausschließlich als Rechtsträger für alle Liegenschaften und Institutionen deutscher Adventisten außerhalb von Hamburg, zum Beispiel auch des Gesundkostwerkes.

Während der NS-Zeit gliederte Hulda Jost das Wohlfahrtswerk der NS-Volkswohlfahrt an. Wurden in den ersten Jahren große Anstrengungen unternommen, um die Bereitschaft der Kirche für die Volkswohlfahrt zu demonstrieren, so wurden eine ganze Reihe junger Schwestern bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin als Helferinnen eingesetzt. In den Kriegsjahren verfügte die NS-Volkswohlfahrt die Mitarbeit beim Luftschutz und in anderen Bereichen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg suchte das adventistische Wohlfahrtswerk neue Aufgaben, vor allem aber bildeten sich wieder Tabea-Gruppen, die in den nächsten Jahrzehnten in einem nun erweiterten Advent-Wohlfahrtswerk aufgingen (Dr. Johannes Hartlapp).

Bild der THH Friedensau
Der Autor des Blogbeitrages: Dr. Johannes Hartlapp
Foto: ThHF | Tobias Koch