Im Dienst der Predigerausbildung: Dr. phil. Johannes Schwital
08. Juli. 2026 / Wissenschaft & Forschung
Eine kleine Tafel auf dem Grab von Erich und Magdalene Tulaszewski auf dem Waldfriedhof in Friedensau erinnert an ihn: „In dankbarer Erinnerung: Dr. Johannes Schwital, 1903–1964“ ist dort zu lesen. Seine Ausbildung zum Dienst im Werk nahm 1921 in Friedensau ihren Anfang. Am 16. Juni 1903 in Danzig-Langfuhr geboren, wuchs er in der Umgebung des späteren „Freistaates Danzig“ auf. Seine Eltern Adolf Carl Hermann und Amalia Dorothea Anna, geb. Pöhl, sorgten für eine ausgezeichnete Ausbildung an einer Oberrealschule, die er mit der Prima-Reife abschloss, was für die damalige Zeit außergewöhnlich war. In einer Epoche, in der die adventistische Bewegung oft mit dem Vorurteil mangelnder Bildung zu kämpfen hatte, verliehen ihm seine exzellenten Sprachkenntnisse in Latein, Englisch und Französisch eine besondere akademische Glaubwürdigkeit. Noch vor seiner Ausbildung in Friedensau sammelte er als Buchevangelist Erfahrungen und ging schließlich mit 18 Jahren zur weiteren Ausbildung nach Friedensau.
Hier schärfte er sein theologisches Werkzeug und erhielt im Mai 1925 sein Diplom. Besonders wird in seiner Akte vermerkt, dass er im April 1925 das Lehrerexamen am Seminar Neuhaldensleben bestand. So konnte er 1925 seinen Dienst als Hilfsprediger in seiner Heimat (in Königsberg) antreten. Kurze Zeit später aber nahm er bereits eine Tätigkeit als Lehrer in Lodenitz bei Prag auf, wo er von 1926 bis 1933 insbesondere beim Aufbau der Schule engagiert arbeitete (vgl. auch Adventbote 1.11.1929, S. 324). Sein weiterer Weg ist untrennbar mit der adventistischen Bildungsgeschichte des 20. Jahrhunderts verwoben. Von 1935 bis 1937 wirkte er in Kamenitz bei Bielitz (Polen) als Schulleiter, dem Vorläufer der heutigen adventistischen Hochschule. Nach dem Krieg wurde er mit dem Aufbau des Predigerseminars Neanderthal beauftragt (1948 bis 1952), das er unter schwierigsten Umständen wieder zum Leben erweckte.* Schließlich wurde die Schule auf die Marienhöhe verlegt, wo er bis zu seinem Tod 1964 wirkte. Dazwischen sind noch Jahre mit Predigertätigkeit (1933/35 Brünn, 1937/41 Memel in Litauen, 1945/48 Kiel) gefüllt. 1961 konnte er schließlich seine Dissertation an der Universität Frankfurt unter dem Titel „Großkirche und Sekte: Eine Studie zum Selbstverständnis der Sekte“ erfolgreich verteidigen und den „Dr. phil.“ erwerben.
Sein Vermächtnis ist vor allem im Wirken seiner Schüler zu suchen. Sein großes Bibelwissen konnte er an seinen vielen Wirkstätten weitergeben. Gleichzeitig wissen wir wenig über die praktischen Herausforderungen und Spannungen, denen er und seine Zeitgenossen begegnen mussten. Oft stehen an dieser Stelle nur große Lücken, und wir wissen in diesem Fall nur, dass er während des Krieges in der Marine gedient hat – im Sanitätsdienst, als Leutnant und dann als Adjutant. Viele Details seiner internationalen Stationen und persönlichen Korrespondenz sind verloren gegangen oder noch unentdeckt und könnten uns Hinweise darauf geben, was wir aus solch schwierigen Zeiten lernen können. So lässt sich auch mit einigen wenigen Informationen das eingangs gestellte „Rätsel“ lüften: Magdalene Tulaszewski (1901–1982) war die Schwester von Johannes Schwital. Seine zweite Schwester Ruth heiratete den späteren Präsidenten des polnischen Verbandes Wilhelm Czembor, der in der DDR die Friedensauer Bibellehrbriefe als ein sehr erfolgreiches missionarisches Instrument entwickelte und langjährig betreute. Auf ihn wird ebenfalls auf jener Gedenktafel erinnert. Viele andere Fragen bleiben uns aber (aktuell) unbeantwortet.
Bernd Müller, Ph.D., Leiter des Historischen Archivs
* Vgl. seine Berichte dazu im Adventboten 1.3.1949, S. 44f.; 15.6.1959, S. 187; 1.8.1950, S. 235; 1.12.1950, S. 362; 1.6.1951, S. 171; 15.8.1951, S. 251; 1.11.1951, S. 333; 15.2.1952, S. 61; 15.7.1952, S. 221.
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