Waldparktreffen 2018

22. Nov. 2018 / Lernen & Studieren

Am Einschreibetag wurden uns ‚Milliarden Termine‘ gegeben. Einer blieb hängen. Waldparktreffen. Es wurde hoch gelobt von allen Studierenden und Dozenten. Wir als Erstsemsterkurs durften auch Aufgaben übernehmen, wie Bibelgesprächsleitung und Zeugnis geben vor der Predigt. Am Freitag, den 16.11.2018, ging es mit zwei Hochschulbussen und einem privaten Auto ins schöne Erzgebirge. CONNECTED war das Motto, unter dem das Wochenende stand.  Als wir nach drei Stunden endlich ankamen, knurrte uns schon der Magen, und wir machten uns über das leckere Abendessen her. Danach wurden die Zimmer bezogen, und als ich in den Raum trat, kam ein Gefühl von Melancholie in mir hoch. Doppelstockbetten und gemeinsame Mahlzeiten … das erinnerte mich an frühere Klassenfahrten. Ausflüge, auf denen sich neue und tiefe Freundschaften bildeten. Ausflüge, auf denen es oft zu Dramen, weinenden Mädchen, Streichen und Versöhnung kam. Wie würde es hier werden? Ich hatte in der Vergangenheit einige christliche Veranstaltungen besucht, aber die hatten fast ausnahmslos alle draußen stattgefunden. Ich war sehr gespannt, wie es werden würde, zumal ich die Teilnehmer, bis auf die knapp 30 Friedensauer, nicht kannte. Am Freitagabend trottete ich gemächlich die Treppe zum Veranstaltungsort, den ich jetzt mal ganz platt als Halle bezeichne, hinunter. In der einen Hand meine Bibel, in der anderen mein Handy. Unten ist noch nicht viel los, kaum einer da, außer das 1year4jesus-Team, das nervös umherwuselt. Ich werde gefragt, ob ich nicht kurz helfen könne. Da ich eh nichts weiter vorhabe, reserviere ich einen Platz und mache mich daran, kleine Aufgabenzettel auszuschneiden und zu falten. Ein Kennenlern-Spiel. Neben dem Ausschneiden bewundere ich die Aufgaben, die darauf geschrieben sind, und hoffe bei einigen, dass ich sie nicht ziehen werde. Das Programm beginnt, und ich setze mich hin. Die Lobpreisband spielt Lieder, die ich nicht kenne, aber ich singe trotzdem mit. Als ich wieder meinen Platz einnehme, schlägt mir die Müdigkeit ins Gesicht. Eine saftige Ohrfeige. Meine Kraft weicht schlagartig von mir und ich fühle mich, als ob ich eine leblose Hülle wäre. Griechisch hat mir, wie ein Vampir, jeden Lebenssaft entzogen. Die ganze Woche lang. Fühlt es sich so an, wenn man Kinder hat? In einer freien Minute kurz hingesetzt und schon ist die Schwerkraft stärker als je zuvor, und man denkt, man kann nie wieder aufstehen?
Die Predigt hat ein Theologiestudent aus dem 3. Studienjahr übernommen, Shawn Dullinger: „Warum lohnt es sich, mit Gott eine Beziehung zu führen? Das ist die falsche Frage. Bei Gott geht es nicht darum, etwas zu leisten, um etwas zu bekommen. Es geht darum, dass er bereits etwas getan hat, und wir ihn dafür lieben. Er will Kontakt, Beziehung zu uns.“
Nach der Predigt beginnen die Kennenlern-Spiele. Ein Bingospiel. Ziel ist es, als erster fünf Kästchen in einer Reihe zu haben. Um es abkreuzen zu dürfen, muss man die darauf beschriebene passende Person finden und sie unterschreiben lassen. Ich werde gefragt, ob ich ein Tattoo habe und ich bejahe. Da ich wohl fast die einzige Person bin, auf die das zutrifft, werde ich mindestens fünf Mal gefragt – und ich unterschreibe. Ich bin tatsächlich ziemlich stolz auf mein kleines, aber feines Tattoo. Es ist mein Taufvers auf meinem rechten Handgelenk. Ich habe es mir 2017 mit einer Freundin in London stechen lassen. Col. 2,7 steht in meiner eigenen Handschrift dort. „Ich dachte, das wäre nur Kuli-Gekritzel“, bekomme ich oft von Menschen zu hören, die es zum ersten Mal sehen. Ja, das war meine Intention bei der ganzen Sache mit der Handschrift …
Die Spiele nehmen ihren Lauf, und am Ende kenne ich sogar fast fünf neue Leute mit Namen. Der Abend geht gespächslos für mich zu Ende, denn ich bin ziemlich fertig.

Am Sabbatmorgen werde ich von Sonnenstrahlen geweckt. Ich mache mich fertig für den Gottesdienst. Frühstückend; dann beginnt die Veranstaltung auch schon. Diesmal nicht wie gewöhnlich, sondern mit einem sehr amüsanten Video namens „Church Appropriate Dance Moves“ (zu deutsch: Tanz-Bewegungen, die in der Kirche angemessen sind. Hier der Link: https://www.youtube.com/watch?v=b6VjTwaWJEU). Das Video hat mir zumindest, neben der schönen Sonne, den Tag versüßt.
Nach dem Mittagessen gibt es einen kleinen Spaziergang, der uns in die angrenzenden frostigen Wälder führt. Eingepackt in Schal, Mütze, Handschuhe, dicke Jacke und mit vollem Bauch schlendern wir als große Gruppe die Trampelpfade und Wege hinauf. Wir kommen an einem Wildgehege an – und ich bin hin und weg. Rehe und junge Hirsche drängen sich an das Gitter, um mit schmackhaften Kastanien gefüttert zu werden. Sofort fällt mir Psalm 42 ein, in dem es in Vers 2 um einen Hirsch geht, der Verlangen nach frischem Wasser hat; „[…] so sehne ich mich nach dir mein Gott“ (Neues-Leben-Bibel, Psalm 42,2). Daran muss ich denken, als ich sehe, wie gierig das Wild seine Nase durch den Zaun schiebt. Ich denke den Rest des Spaziergangs darüber nach, ob ich mich genauso verhalte. Habe ich genug Sehnsucht nach Gott? Will ich ihm nah sein? Will ich die mir angebotene Verbindung annehmen?
Bevor ich weiter in meine Gedanken versinken kann, gibt es Kaffee und Kuchen im Freizeitheim Waldpark.
Danach ist Workshop-Zeit. Es werden verschiedene Workshops angeboten, die von Studierenden geleitet werden. Wie kann ich meinen Glauben alltagstauglich machen? Wie sieht Gott das mit Beziehungen? Wie kann ich Gott vielleicht kreativ begegnen? Wie kann ich meine Bibel lesen?
Das Angebot ist vielfältig, und ich entscheide mich für meinen eigenen Workshop: Nachmittagsschläfchen.
Ich weiß, ich weiß, dass klingt jetzt superfaul, aber manchmal braucht man Zeit zum Auftanken und Nachdenken (dringend zu empfehlen). Nehmt euch Zeit für euch selbst und versucht euch selbst dadurch ein Stück besser kennenzulernen.
Nach dem Nickerchen bin ich ein (fast) neuer Mensch, und ich kann mich auf meinen Part des Abends vorbereiten. Zu jeder der Andachten geben Leute aus dem ersten Semester Theologie Zeugnis. Heute Abend bin ich dran. Eléana hat die Andacht mit dem Thema ‚Gebet neu entdecken‘: „In Apostelgeschichte 4,23 bis 31 finden wir eine Art ‚Anleitung‘ für das Gebet:

  1. Bete sofort
  2. Bete mit und für andere
  3. Bete mit Würde, denn du bist als Königskind unendlich geliebt
  4. Bete mit der Bibel
  5. Bete und höre bis etwas geschieht.“

Mein Zeugnis handelt davon, dass Gott in meinem Leben schon echt viele meiner Gebete erhört hat. Ich berichte davon, wie ich ohne einen einzigen Cent zum Studium nach Friedensau kam und mir Gott gezeigt hat, dass ich ihm voll und ganz vertrauen kann. Dass Gott mir einen monatlichen Sponsor geschenkt hat, dass Gott mir anonyme Spender schenkt, dass Gott es mir möglich macht, überhaupt hier zu studieren.
Der Abend wird dominiert durch ein Geländespiel, das im ganzen Haus stattfindet. Es läuft so ab, wie es der Name schon verspricht: chaotisch. Es werden Teams gebildet, die miteinander versteckte Zettel suchen und die jeweiligen Aufgaben von den Zetteln erfüllen müssen, um weiter zu kommen. Unsere Gruppe heißt ‚Krieger des Lichts‘ – und wir gewinnen, sogar mit etwas Vorsprung, durch gute Teamarbeit und Taktik! Als sich die anderen Teams langsam zurückziehen, mache ich noch einen Nachtspaziergang, um mir ein paar Sternschnuppen anzuschauen. Eine meiner sozialen Medien (*Hust, Hust* Instagram *Hust, Hust*) hat mir verraten, dass in jener Nacht wohl besonders viele Sternschnuppen zu sehen sein sollen. Da ich noch nie welche gesehen habe, mache ich mich also auf den Weg ins Dunkel. Nach ein paar Minuten und einer abgefrorenen Nase später, entdecke ich die erste hoch oben am Nachhimmel. Es ist sehr klar und viele Sterne sind zu sehen. Ich zucke auf und hoffe auf weitere. Es ist schon was Schönes, so ein Naturwunder zu sehen, aber eigentlich ist es doch nur Stein, was an der Erdoberfläche verglüht. Wie ist es möglich, dass wir etwas, das gerade zerstört wird, trotzdem als schön empfinden? Im Nachhinein fällt mir auf, dass es Gott mit uns ähnlich geht. Wir sind eigentlich ‚nur ein Körper‘ (Schöpfung mit Erde und so), der verglüht und kaputtgeht durch Sünde. Und Gott liebt uns trotzdem!
Als ich zurückkomme, ist die Eingangstür zu. Na großartig. Das hätte ich mir auch denken können ...
Ich probiere andere Türen, die ins warme Innere führen, aber keine lässt sich öffnen. Ich tippe auf meinem Handy herum und versuche ein bisschen Netz zu erhaschen, um jemanden drinnen anzurufen. Bevor meine Hand im schneidenden Winterwind abfällt und ich Erfrierungen dritten Grades erleide, kommt jemand die Treppe herunter, und ich stürze zum Fenster. Netterweise wird mir die Tür geöffnet, und ich taue langsam auf.
Der Tag ist zu Ende – und ich auch.

Am Sonntag werde ich jäh von meinen Teilzeit-Zimmerpartnerinnen geweckt mit einem „In 10 Minuten ist Frühstück vorbei“! Ich schäle mich aus meinem gemütlichen Bett und schaue mich im Zimmer um. Wie schnell man sich doch anpasst. Wenn ich für länger als zwei Tage irgendwo bin, dann verteilen sich meine Habseligkeiten irgendwann überall. Von ganz allein. Ehrlich! Ich klaube einige Sachen zusammen, denn ich denke ja mit und weiß, dass wir heute wieder wegfahren. Nach dem Frühstück gibt es eine Andacht von Christoph Till zum Thema Face2Face mit Gott: „Es geht darum, dass wir mit Gott wie mit einem Freund reden können. Er wünscht sich, dass wir eng mit ihm verbunden sind und mit ihm alles, was uns beschäftigt, teilen. Und ebenso wünscht er sich, dass wir auf ihn und sein Wort hören.“
Mit diesen Worten und einem Feedback entließ man uns in die Mittagspause, in der ich mit einigen Jugendlichen über neue Themen redete. Themen, die sie interessieren, über die sie gern weiter nachdenken wollen.
Nach einer halben Stunde reden, schwelgen und nachdenken kommen wir auf das Thema fürs nächste Jahr: „In Gottes Namen?“ Seid gespannt und kommt nächstes Jahr vorbei! 😉

Für mich war es ein bereicherndes Wochenende, an dem ich über einige Themen nachdenken und reden konnte.